Die Schlussgänge
Stoos: Mit dem ersten Zug stellt Fabian Staudenmann die Weichen in Richtung Festsieg. Er bringt Adrian Walther sofort zu Fall. Und lässt ihn am Boden nicht mehr entwischen. Staudenmann arbeitet so lange nach, bis der Widerstand bricht. Und er jubeln darf.
Glarner-Bündner: Damian Ott lanciert den ersten gefährlichen Angriff. Er hebt Armon Orlik hoch, dreht sich mit ihm um die eigene Achse und wirft ihn zu Boden – allerdings ausserhalb des Sägemehls. Die beiden liefern sich ein intensives Duell, wollen angreifen aber auch bloss keinen Fehler machen. Nach gut der Hälfte der Kampfdauer kommt Orlik zu einer guten Chance, mit einem Konter kann er Ott beinahe bodigen. Es geht intensiv weiter. Bis Orlik den entscheidenden Angriff lanciert. Er bodigt Ott – und nimmt damit Revanche für die Auftaktniederlage. Den Sieg teilt er sich mit dem punktgleichen Samuel Giger.
Die Schlussganglisten
Die Siegerstimmen
Fabian Staudenmann (gegenüber SRF): «Ich bin sehr glücklich mit dem Tag. Besonders ragt meine Konstanz heraus. Auch bei Gängen, die länger gegangen sind, habe ich ein Rezept gefunden. Auch die technische Variabilität nehme ich sehr gerne mit. Gegen einen Schwinger vom Kaliber eines Walther bekommst du, wenn es gut läuft, eine Chance. Und wenn du die nicht nutzt, ist es vorbei. Ich hatte deswegen das Gefühl, ich muss dran bleiben und die Chance nutzen.»
Armon Orlik (gegenüber Swiss 1): «Ich bin mega happy. Dass es mit so einem harten Gang funktioniert, macht mich noch zufriedener. Die Aufgabe im Schlussgang war sehr schwierig. Am Morgen hats noch nicht geklappt, deswegen wollte ich gegen Ott dieses Mal das erste Greifen überstehen. Und dann wusste ich, es geht wahrscheinlich über den Kampf, darauf habe ich mich eingestellt. Der Sieg bedeutet mir sehr viel und gibt ein gutes Gefühl.»
Die Titelverteidiger
Letztes Jahr war der Schlussgang des Stoos-Schwinget eine Nordostschweizer Angelegenheit. Samuel Giger bodigte Werner Schlegel und feierte den Festsieg. Der Titelverteidiger ist in diesem Jahr nicht am Start, stattdessen steht er beim Glarner-Bündner im Einsatz. Dort triumphierte 2024 Domenic Schneider. Er ist erneut dabei, kann seinen Titel allerdings nicht verteidigen.
Die fast komplette Sammlung
Auf souveräne Art und Weise holt sich Fabian Staudenmann den Sieg auf dem Stoos. Und macht damit einen weiteren Schritt in Richtung komplette Sammlung. Denn nun hat er schon fast alle Bergfeste einmal gewonnen. Letztes Jahr triumphierte er auf der Rigi und der Schwägalp, 2023 siegte er am Schwarzsee und auf dem Weissenstein. Nun schwingt er auch auf dem Stoos obenaus. Nur ein Bergfest hat er noch nicht gewonnen: das auf dem Brünig. Sein Ziel ist bestimmt, diese Sammlung zu komplettieren. In diesem Jahr wird er dies allerdings nicht tun, denn auf dem Brünig steigt er gemäss seiner Saisonplanung 2025 nicht in die Zwilchhosen.
Die blutende Nase
Nur gut eine halbe Minute dauert der Arbeitstag von Marcel Bieri. Dann endet er auf schmerzhafte Art und Weise. Im ersten Gang bekommt ers mit Adrian Walther zu tun. Und macht unschöne Bekanntschaft mit dessen Ellbogen. Dieser landet mitten in Bieris Gesicht. Und sorgt für eine stark blutende Nase. Sanitäter kümmern sich um den Zuger, führen ihn aus der Arena. Kurz darauf ist klar: Bieri kehrt nicht ins Sägemehl zurück. Bitter! Auf Nachfrage von Blick meldet sich Bieri mit diesen Worten: «Alles gut, die Nase tut einfach ein bisschen weh und eine Platzwunde. Mehr kann ich nicht sagen.» Er ist indes nicht der einzige mit einem blutigen Zwischenfall. Denn im zweiten Gang erwischt auch Fredi Bruhin gegen Fabian Staudenmann eine blutige Nase. Im Gegensatz zu Bieri kann er das Fest fortsetzen.
Die Berner Dominanz
Auf dem Stoos geben von Anfang an die Berner den Tarif durch. Nach drei Gängen liegt das Trio Fabian Staudenmann, Adrian Walther und Christian Gerber auf dem geteilten ersten Rang – mit einem Punkt Vorsprung auf die Konkurrenz. Auch nach vier Gängen ist das der Fall. Und obwohl anschliessend Staudenmann und Gerber aufeinander losgelassen werden, ziehen zwei von ihnen in den Schlussgang ein. Am Ende triumphiert Staudenmann vor Walther. Insgesamt sind auf den ersten vier Rängen sieben Schwinger klassiert – fünf kommen aus dem Kanton Bern. Einzig der Urner Lukas Bissig und der Luzerner Kilian Bühler können sich auf Rang 4 noch unter die Berner mischen.
Die erste Niederlage
Die Nordostschweizer Giganten Armon Orlik und Samuel Giger zählen zu den Königs-Favoriten. In diesem Jahr treten sie bisher ganz stark auf, haben vor dem Glarner-Bündner Kantonalen noch keinen Gang verloren. Gigers Bilanz: fünf Feste, 25 Siege, fünf Gestellte. Orliks Bilanz: vier Feste, 19 Siege, fünf Gestellte. Bei beiden endet die Ungeschlagenheit beim Glarner-Bündner in Ziegelbrücke. Orlik landet schon im ersten Zug des 1. Gangs im Sägemehl. Im vierten Duell (bisher ein Sieg und zwei Gestellte) muss er sich erstmals Damian Ott geschlagen geben. Giger kann seine Ungeschlagenheit noch einen Moment länger aufrechterhalten, gewinnt die ersten vier Gänge teils innert Sekunden. Und wird im 5. Gang auf den Rücken gelegt. Sein Gegner? Armon Orlik. In zehn Duellen davor hat der Bündner nur einmal gewinnen können (2019 beim Berchtoldschwinget), daneben gab es vier Gestellte und fünf Niederlagen.
Der grosse Abwesende
2017, 2019, 2021 und 2023 hat Joel Wicki auf dem Stoos triumphiert – also immer in den ungeraden Jahren. Diese Serie hätte er gerne fortgesetzt. Doch unter der Woche meldet sich der König mit einer unschönen Nachricht. Nach einem Zwischenfall im Training musste er sich am Donnerstag einem kleinen Eingriff unterziehen. Deswegen musste Wicki seine Teilnahme auf dem Stoos absagen. Erwartet wird eine Ausfalldauer von zwei bis drei Wochen.
Der verflixte fünfte Gang
Samuel Giger marschiert souverän durch die ersten vier Gänge, kommt mehrfach zu einem Blitzsieg. Und ist auf bestem Weg, sich für den Schlussgang zu qualifizieren. Dann bekommt ers mit Armon Orlik zu tun und landet überraschend auf dem Rücken. Eine kleine Unaufmerksamkeit wird dem Thurgauer zum Verhängnis. Weil ihm die Kampfrichter trotz Niederlage wegen seiner offensiven Aktionen die Note 8,75 geben, darf er doch noch aufs Schlussgang-Ticket hoffen. Letztlich vergeblich, die Einteilung bevorzugt das Revanche-Duell Armon Orlik gegen Damian Ott. Und trotzdem ist Giger am Ende Co-Festsieger – weil er sich im sechsten Gang die Maximalnote notieren lässt und Orlik den Schlussgang gewinnt.
Der Ohrenschutz
Am Mittelländischen ist Matthias Aeschbacher aufgefallen. Der Grund: Der Berner ist für einmal ohne Ohrenschutz ins Sägemehl gestiegen. Das war allerdings nicht auf ein Umdenken zurückzuführen. Im Gegenteil. Wie er damals verriet, hatte er das Teil schlichtweg zu Hause vergessen. Dieses Mal ist ihm das nicht passiert. Aeschbacher tritt wieder wie gewohnt mit Ohrenschutz an.
Der erste Bergkranz
Grosser Jubel bei Roger Bürli. 15 Kränze hat er schon zu Hause, darunter zwei vom Innerschweizer. Nur eines hat ihm bisher gefehlt: ein Bergkranz. Dieses «Manko» beseitigt er auf dem Stoos. Und das nicht irgendwie. Im sechsten Gang bodigt der 28-jährige Luzerner keinen Geringeren als den Stoos-Sieger und zweifachen Eidgenossen Lario Kramer.
Die Bedingungen
Prachtwetter am Pfingstmontag. Sowohl auf dem Stoos als auch in Ziegelbrücke strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Am Morgen ist es noch etwas frisch, aber das ändert sich im Verlauf des Tages.
So gehts weiter
Am nächsten Sonntag stehen drei Kranzfeste auf dem Programm. Neben dem Berner Jurassischen gehen auch das Urner Kantonale und das Bündner-Glarner über die Bühne.