«Ich bin kein Reisefüdli»
Marcel Bieri spricht über seinen Kilchberg-Coup und die Zukunft

Marcel Bieri hat in Kilchberg mit seinem «Königsschlungg» den Schwung des Jahres geliefert. Sein Rückblick auf den Saisonhöhepunkt am Zürichsee.
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In Kilchberg bodigt Marcel Bieri (l.) König Armon Orlik.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marcel Bieri beeindruckt in Kilchberg mit spektakulärem «Schlungg» gegen Armon Orlik
  • Trotz Flitterwochen in Kanada und wenig Training glänzt Bieri technisch stark
  • In dieser Saison neun Kranzfeste, vier Regionalfeste und eine Fachjury-Auszeichnung
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Felix BingesserReporter Sport

Die letzten Regionalfeste stehen noch auf dem Programm. Danach ist die Schwingsaison 2026 Geschichte. Bilanziert man das Geschehen im Sägemehl und sucht in allerlei Bewertungen nach den Höhepunkten, dann gehört die Auszeichnung für den «Schwung des Jahres» dem Zuger Marcel Bieri (31).

Sein fulminanter «Schlungg» gegen Schwingerkönig Armon Orlik (31) im fünften Gang des Kilchberger Schwinget ist der spektakulärste Moment dieser Saison. Wie der Lehrer Bieri in diesem Moment den Schwingerkönig übertölpelt hat, ist lehrbuchmässig.

Mit seinem «Schlungg» sorgte Bieri gegen Orlik für ein Highlight beim Kilchberger.
Foto: Sven Thomann

«Und dann kam Orlik»

«Wenn ich mit einer gewissen Distanz auf Kilchberg zurückschaue, dann bleibt diese Aktion natürlich als Höhepunkt in Erinnerung», sagt Bieri. Dass er erstmals bei einem Anlass mit eidgenössischem Charakter im Schlussgang gestanden hat, hat viel mit diesem Schlüsselgang zu tun. «Es ist ja nicht so, dass ich den ganzen Tag überragend war. Ich habe gegen Lario Kramer gewonnen, dann beim ersten Aufeinandertreffen mit Damian Ott verloren, dann gegen zwei Teilverbandskranzer gewonnen. Und dann kam Orlik», sagt Bieri.

Der Schlussgang gegen den späteren Sieger Samuel Giger krönt die bisher beste Saison seiner Karriere. «Diese Schlussgangteilnahme würde ich gleichstellen mit dem Gewinn des Kranzes beim Eidgenössischen 2019 vor meiner Haustüre in Zug. Und mit dem Gewinn des Innerschweizer Schwingfestes in Menzingen», sagt Bieri.

In Kilchberg wird er von einer Fachjury zudem zum Schönschwinger gewählt. «Ich habe eine Uhr erhalten und habe somit eine Erinnerung. Weil es ja keine Kränze gibt, haben viele Schwinger wie beim Unspunnenschwinget kein Erinnerungsstück an diesen Anlass. Es gibt Preise, aber keine Andenken. Das bedauere ich.»

Während drei Wochen lüftet Bieri den Kopf in Kanada

Sein Exploit in Kilchberg ist vor allem bemerkenswert, weil Bieri in der Vorbereitung in die Flitterwochen verreist ist. «Wir sind mit einem Mietwagen drei Wochen durch Kanada gefahren.» Einen Kraftraum hat er in dieser Zeit nie gesehen. «Zwei-, dreimal waren wir wandern. Das wars dann an körperlicher Betätigung.» Für ihn kein grosses Problem. «Ich bin kein Kraftschwinger, wie es Joel Wicki war oder wie es Samuel Giger ist. Ich lebe mehr von der Technik und von der Dynamik. Und in den drei Wochen konnte ich den Kopf lüften und regenerieren. Eine Schwingsaison mit neun Kranzfesten und vier Regionalfesten hängt schon an.»

Gerade für einen, der noch in einem 70-Prozent-Pensum arbeitet. Bieri unterrichtet mittlerweile nicht mehr an einer Primarschule, sondern an einer Berufsschule. Dort bringt er Lehrlingen bei, wie man eine Steuererklärung ausfüllt und wie eine intakte Demokratie funktioniert. «Ich wollte mich nach einigen Jahren Arbeit mit Kindern verändern.»

«Es haben auch andere Innerschweizer geliefert»

Das ist typisch für den Mann, der zu den reflektiertesten Vertretern der Schwingerzunft gehört. «Meine Frau und auch mein Kollegenkreis kommen nicht aus der Schwingerszene. Es tut gut, wenn man auch über anderes diskutieren kann.»

Trotzdem: Der Schwingsport wird sein Leben auch in den nächsten Jahren prägen. Nach den Rücktritten von Pirmin Reichmuth und Joel Wicki bildet er in der Innerschweiz mit Michael Gwerder und Lukas Bissig die Spitze des grössten Teilverbandes. «Mehr Druck verspüre ich dadurch nicht. Zumal auch andere Innerschweizer in dieser Saison geliefert haben.» 2028 möchte Bieri in Thun den zweiten Eidgenössischen Kranz holen. «Danach werde ich es etwas ruhiger angehen, aber immer noch weiterschwingen, wenn es die Gesundheit erlaubt. Ich habe auch keine Mühe damit, wenn es nicht mehr ganz nach vorne reicht.»

Noch aber bleibt er maximal ambitioniert. Wird er sein Erfolgsrezept kopieren und in Zukunft in jeder Saison drei Flitterwochen einstreuen? Bieri lacht. «Nein, das habe ich nicht geplant. Ich bin auch kein Reisefüdli. Mir gefällt es ganz gut in der Innerschweiz.»

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