Darum gehts
- Michael Moser siegt am Oberaargauischen Schwingfest
- Der Schlussgang-Sieg gegen Freund Hiltbrunner schmerzt ihn aber
- Der Sensationssieger von Appenzell zeigte eine starke Leistung
Während des Oberaargauischen Schwingfests erreichen den Blick-Reporter Nachrichten wie «krass», «unglaublich» oder «wahnsinnig». Das deshalb, weil Michael Moser (20) etwas gelang, woran Fabian Staudenmann (26) eine Woche zuvor scheiterte.
Am Seeländischen verzweifelte der Kilchberger-Sieger an Jan Wittwer (28). Der Defensivkünstler trotzte dem Topfavoriten und späteren Sieger einen Gestellten ab. Diese Ausgabe hatte Wittwer auch am Samstag gefasst. Doch diesmal «überlebte» er keine Minute.
Heute Freunde früher Rivalen
Nach seinem Blitz-Sieg im ersten Gang gegen den Eidgenossen Marius Frank (21) bodigte Moser auch Wittwer nach wenigen Sekunden. Noch beeindruckender ist sein Sieg im Kampf um den Schlussgang gegen Curdin Orlik (33). Den Bruder von König Armon konnte Moser bisher noch nie bezwingen.
Dank dieses Ausrufezeichens kommt es im finalen Kampf des Tages zum Duell mit seinem guten Freund Fabio Hiltbrunner (20). Die beiden Emmentaler kennen sich seit Kindertagen. Damals duellierten sie sich an den Jungschwingertagen. «Hilti war besser», gibt Moser zu. Nur gerade ein Duell konnte der Landwirt für sich entscheiden.
An eine Freundschaft war damals aber noch nicht zu denken. «Wir mochten uns früher nicht.» Was mit der Rivalität auf dem Schwingplatz zu erklären ist. Gemeinsam mit dem aktuell verletzten Fabian Stucki (21) kämpften sie um die Festsiege.
Verletzungspause nach Sensationssieg
Mit der Zeit trainierten Moser und Hiltbrunner öfter zusammen, lernten sich besser kennen und schätzen. Mittlerweile schwitzen sie gemeinsam im Campus der SCL Tigers. Ihre enge Verbindung zeigte sich auch bei Mosers erstem Kranzfestsieg vor zwei Jahren.
Hiltbrunner jubelte ihm mit feuchten Augen zu. «Es ist einfach geil, wenn man mit Michu zu tun hat», erklärte er damals. Am Samstag erhielt auch Hiltbrunner die Chance auf seinen ersten Kranzfestsieg. Nach seinem Sensationstriumph am Jubiläumsfest 2024 zwangen ihn Schulterprobleme zu einer über einjährigen Pause.
Wunsch-Szenario trifft nicht ein
Nun wartet ausgerechnet Kollege Moser im Schlussgang. Und den beiden bietet sich eine besondere Gelegenheit. Sie könnten zusammen triumphieren. Ihr Vorsprung ist so gross, dass ein Gestellter zum geteilten Festsieg reichen würde.
Gab es einen Nichtangriffspakt? «Wir haben im Vorfeld darüber diskutiert, kamen aber zu dem Schluss, dass es für uns beide besser ist, wenn wir auf Angriff schwingen», so Moser, der seinen Kollegen nach etwas mehr als zwei Minuten bezwang.
Der grosse Jubel blieb anschliessend aus. Moser hätte nur allzu gerne gemeinsam mit seinem Freund gewonnen. Der Triumph scheint ihm fast etwas unangenehm. «Ich hoffe, wir sind immer noch Kollegen», sagte er im Anschluss. Hiltbrunner wird ihm dafür bestimmt nicht die Freundschaft kündigen. Aber in Zukunft sicher noch härter trainieren.