Giger zu Hause entthront
Drei Titelverteidiger im Schlussgang – nur einer jubelt

Drei Feste gehen am ersten Mai-Sonntag über die Bühne. Dreimal könnte es eine erfolgreiche Titelverteidigung geben. Diese gelingt am Ende nur einem Berner.
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Damian Ott jubelt am Thurgauer Kantonalen.
Foto: Benjamin Soland

Die Schlussgänge

Thurgauer: Nach dem 4. Gang treffen im Schlussgang erneut Damian Ott und Samuel Giger aufeinander. Beide wissen, dass sie einiges zeigen müssen, um am Ende jubeln zu können. Aber sie kennen sich gut, wissen wie der andere agiert. Am Ende ist es Ott, der den entscheidenden Angriff lanciert. Mit einem Schwung, der für Giger unerwartet kommt, legt er den Unspunnensieger aufs Kreuz. Und bejubelt den Festsieg.

Solothurner: Sinisha Lüscher versteckt sich nicht, ist derjenige, der den ersten Angriff im Schlussgang lanciert – und das, obwohl ihm auch ein Gestellter reicht. Aber Nick Alpiger lässt sich nicht übertölpeln. Danach liefern sich die beiden ein packendes Duell, es gibt viele Aktionen zu sehen. Nur eine Entscheidung gibts nicht. Die beiden trennen sich ohne Sieger. Damit feiert der Solothurner Lüscher einen Heimsieg. Es ist das zweite Kranzfest, das der 20-jährige Neu-Eidgenosse für sich entscheiden kann. Und dennoch erlebt er eine Premiere. Denn beim Aargauer Kantonalen 2025 musste er den Sieg noch teilen, dieses Mal steht sein Name alleine auf Rang 1.

Emmentalisches: Adrian Walther und Michael Moser schenken sich nichts. Über die volle Distanz mobilisieren sie noch einmal ihre letzten Kräfte. Vor allem von Moser kommt viel – denn er braucht den Sieg. Bei einem Gestellten hätte er nur triumphiert, wenn er Note 9,00 bekommen hätte – und Walther einen Viertel weniger. So weit kommts nicht. Denn Walther wehrt alles ab und darf sich nach dem Gestellten schultern lassen.

Die Schlussranglisten

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Schlussrangliste Thurgauer Kantonales
Foto: Screenshot ESV

Die Siegerstimmen

Sinisha Lüscher gegenüber Tele M1: «Es ist unglaublich mit all diesen Leuten – es sind so viele gekommen, die ich kenne. Mein Heimfest zu gewinnen ist so schön. Der Sieg hat einen grossen Stellenwert. Mein Klub hat das Fest mitorganisiert, es ist einfach schön. Eigentlich wollte ich den Schlussgang gewinnen, konnte aber nicht so in die Offensive gehen. Nick ist unberechenbar, das machts nicht so einfach.»

Damian Ott gegenüber Swiss 1: «Den Tag habe ich wahnsinnig schön erlebt. Ich habe mich sehr gefreut – auch weils so nahe von daheim ist. Ich wollte im Schlussgang ein bisschen mehr forcieren, aber ich habe gemerkt, dass er mir kräftemässig überlegen ist. Deswegen musste ich seine Angriffe abwarten und konnte am Schluss kontern. Wenn man den Gegner so gut kennt, ist es brutal schwierig. Wir kennen jede Bewegung des anderen – mit dem Schwung, den ich sonst nicht so oft mache, konnte ich ihn überraschen. Feiern kann ich nicht, ich muss morgen wieder arbeiten.»

Adrian Walther gegenüber Tele Bärn: «Michael machts überragend, kommt und gibt Gas. Du weisst gar nicht mehr, wo wehren. Hintenraus hab ich aber im Kopf gehabt, dass mir ein Gestellter reicht. Mit der Zeit werden die Gedanken aber schon schwammig.»

Die Titelverteidiger

Letztes Jahr triumphierte Adrian Walther im Emmental. Beim Thurgauer Kantonalen gabs dank Samuel Giger einen Heimsieg. Und im Kanton Solothurn hat Nick Alpiger obenaus geschwungen. Das Trio tritt auch in diesem Jahr bei den jeweiligen Festen an. Und alle drei ziehen jeweils in den Schlussgang ein. Den Titel erfolgreich verteidigen kann mit Walther allerdings nur einer.

Die Neuauflage

Schon im 1. Gang sorgt die Einteilung beim Thurgauer Kantonalen für einen Kracher. Sie lässt Samuel Giger und Werner Schlegel aufeinander los – die beiden standen sich Ende August im Schlussgang des ESAF gegenüber. Gab es damals keinen Sieger, fällt dieses Mal eine Entscheidung. Giger legt seinen Kontrahenten aufs Kreuz. Und sorgt dafür, dass er auch im 16. Duell nicht als Verlierer aus dem Sägemehlring muss. Seine Bilanz gegen Schlegel lautet nun neun Siege und sieben Gestellte.

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Neuauflage des ESAF-Schlussgangs:Giger bodigt Schlegel nach erfolgreichem Konter

Der Nicht-Eidgenosse

Am Emmentalischen führt zur Mittagspause nach drei Gängen ein Eidgenosse, auch am Solothurner, wo am Morgen vier Gänge stattfinden, liegt ein Eidgenosse in Führung. Einzig im Thurgau ist das nicht der Fall. Mit einer Niederlage (gegen Andy Signer) und drei Siegen grüsst Janos Bachmann von der Ranglistenspitze. Für den Schlussgang reicht das dann aber doch nicht. Denn nach dem Mittag bekommt er mit Damian Ott den ersten Eidgenossen vorgesetzt und kassiert die erste Niederlage. Letztlich beendet er das Fest auf Rang 3 und holt den Kranz.

Der Durchmarsch

Sinisha Lüscher zeigt beim Solothurner Kantonalen einen bestechenden Auftritt. Mit fünf Siegen – allerdings nur einer davon mit Plattwurf – zieht er souverän in den Schlussgang ein. Dort wird sein Lauf zwar etwas gebremst, aber er landet erneut nicht auf dem Rücken. Der Gestellte reicht ihm für den Festsieg. Ein besonderer Moment für den Solothurner.

Das Eilzugtempo

Normalerweise ist ein Schwingfest zweigeteilt. Am Morgen und am Nachmittag finden jeweils drei Gänge statt. Nicht so an diesem Sonntag. Sowohl im Thurgau, als auch im Solothurnischen, wo sogar noch eine halbe Stunde später ins Fest gestartet wird, geben die Athleten Gas. Und zwar so viel, dass sie allesamt am Morgen viermal im Einsatz stehen. Bei den Bernern gehts hingegen gemütlicher zu und her. Denn im Emmental haben erst um 12.30 Uhr alle Schwinger drei Kämpfe absolviert. Diesen Rückstand können die Berner am Nachmittag nicht mehr aufholen. Während Lüscher schon vor 16 Uhr jubelt, kann sich Ott kurz nach 16 Uhr schultern lassen. Da hat in Oberdiessbach der 6. Gang gerade erst angefangen.

Der vorgezogene Schlussgang

Im 4. Gang wartet auf Samuel Giger das nächste Kracher-Duell. Wieder wird ihm ein Eidgenosse vorgesetzt, dieses Mal ist es Damian Ott. Einen Sieger gibts nicht, die beiden stellen im zehnten Aufeinandertreffen zum sechsten Mal. Von den anderen Duellen hat Giger nur eines verloren – 2021 am Schwarzsee. Im Schlussgang treffen die beiden erneut aufeinander. Und dort gibts eine Entscheidung – zugunsten von Ott, der zum zweiten Mal in seiner Karriere Giger bezwingen kann.

Das Comeback

Letztes Jahr hat Fabio Hiltbrunner am Emmentalischen schon einmal sein Comeback gegeben – es endete auf dem OP-Tisch. Der Sieger des Jubiläumsschwingfestes musste sich danach einem Eingriff an der Schulter unterziehen und fiel für den Rest der Saison aus. Nun ist der Berner zurück – gibt erneut im Emmental sein Comeback. «Ich fühle mich deutlich besser als vor meinem letzten Comebackversuch», sagt er vorab zu Blick. Am Ende wird er mit vier Siegen sowie je einem Gestellten und einer Niederlage starker Dritter.

Hart im Nehmen

Karim Gaber ist hart im Nehmen. Obwohl er zuletzt mit einem Infekt zu kämpfen hatte und auf dem Zahnfleisch läuft, lässt er sich die Teilnahme am Emmentalischen nicht entgehen. Wie er gegenüber Swiss 1 verrät, muss er sich am Morgen sogar noch übergeben. «Ich weiss auch nicht, was los ist», meint Gaber. Aber Aufgeben ist für ihn kein Thema, er beisst sich durch. Am Morgen gibts so drei Gestellte für ihn. Weil am Nachmittag ein weiterer Gang ohne Resultat dazu kommt, ist das Fest für Gaber nach vier Auftritten zu Ende.

Die Pechvögel

Zwei Eidgenossen sind am Thurgauer Kantonalen im Pech. Fabian Kindlimann verliert zum Auftakt gegen This Kolb, macht sich dabei aber weh. Er verlässt das Sägemehl humpelnd und kehrt danach nicht mehr zurück. Noch schlimmer erwischts Jeremy Vollenweider. Nach knapp zwei Minuten endet sein Duell gegen Andrin Habegger vorzeitig. Vollenweider windet sich vor Schmerzen im Sägemehl. Ans Weiterkämpfen ist nicht zu denken. Stattdessen eilen Sanitäter herbei, kümmern sich um ihn. Und transportieren ihn auf einer Trage aus der Arena. Das hat leider gar nicht gut ausgesehen. Bisher ist weder von Kindlimann noch von Vollenweider bekannt, wie schwer sie sich verletzt haben.

Der Edelhelfer

Kurz vor dem Start der Kranzfest-Saison hat Thomas Sempach seinen Rücktritt erklärt. Nur zu gerne hätte der fünffache Berner Eidgenosse sein Heimfest in Oberdiessbach noch mitgenommen. Aber sein Körper hat nicht mehr mitgemacht. Auf eine offizielle Verabschiedung verzichtet er. Nicht aber darauf, als Helfer bei der Organisation des Emmentalischen zu helfen. Denn in seiner Verkündung schrieb Sempach: «Der Fokus gehört nun den jungen und aktiven Schwingern, die unseren geliebten Nationalsport weiterleben und mit Freude ausüben.» Unerkannt kann er sich auf dem Festgelände aber nicht bewegen. Und wird im 5. Gang vom Publikum mit einer Standing Ovation gefeiert.

Ein Drittel Neukranzer

20-mal Eichenlaub wird am Solothurner Kantonalen verteilt. Eine beeindruckende Anzahl geht an Schwinger, die bisher noch keines zu Hause hatten. Denn in Stüsslingen gibts gleich sieben Neukranzer.

Die Namensvetter

Wer Adrian Walther am Emmentalischen mit «Adrian»-Rufen anfeuern will, der muss aufpassen. Denn man könnte in mehreren Fällen auch meinen, man feuere seinen Gegner an. Denn Walther trifft in den ersten fünf Gängen gleich dreimal auf einen Gegner, der den gleichen Namen trägt: Adrian Klossner, Adrian Aebersold und Adrian Schärz. Zweimal siegt er platt, einzig gegen Aebersold kommt er nicht über einen Gestellten hinaus.

Die Bedingungen

Der vollgepackte Schwing-Sonntag geht an einem frühsommerlichen Tag über die Bühne. Während im Thurgau vom Morgen an die Sonne scheint, ist es im Emmental und im Solothurnischen zunächst noch bedeckt. Gegen Mittag drückt die Sonne immer mehr durch. In Oberdiessbach BE wirds ab dem 5. Gang dann aber nass – es beginnt zu regnen.

So geht es weiter

Kommenden Sonntag finden zwei Kranzfeste statt. Zum einen das Zuger Kantonale und zum anderen das Mittelländische.

Der Schwing-Sonntag im Ticker zum Nachlesen

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