Der grosse Schwing-Check
Umstrittene Alpiger-Szene und Hoffnung bei Schlegel

Die letzten beiden Kranzfeste der Saison sind über die Bühne gegangen. Was hat im und neben dem Sägemehl zu reden gegeben? Hier kommt der grosse Schwing-Check.
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Darum gehts

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Umstrittene Alpiger-Szene

Noch keine halbe Minute ist vergangen, da liegt Nick Alpiger bereits auf dem Rücken. Marc Lustenberger ballt die Faust. Hat der Gast aus der Innerschweiz im vierten Gang tatsächlich den Topfavoriten bezwungen? Nein, entscheiden die Kampfrichter. Sie geben Alpiger das Resultat.

Der Aargauer soll Lustenberger zuerst auf den Rücken gelegt haben. Dieser dreht sich danach ab, greift erneut an Alpigers Hosen und legt seinerseits den späteren Festsieger ins Sägemehl. Für die Kampfrichter war der Gang zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits vorbei.

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Fabian Staudenmann gewinnt den Schwägalp-Schwinget 2026.
Foto: Sven Thomann

Lustenberger braucht einen Moment, um das zu verdauen. «Ich habe während des Gangs wahrgenommen, dass ich über den Kopf weggekommen bin», erklärt er am Abend. Diese Einschätzung teilt auch SRF-Experte Christian Schuler. Er sagt noch während der Live-Übertragung, dass es für ihn eher kein Resultat war. Die Szene wird bei Experten und Fans hitzig diskutiert. 

Was danach passiert sei und wer wann welchen Griff gehabt habe, kann Lustenberger dagegen nicht genau beurteilen. Auch die Kampfrichter brauchten einen Moment, um sich abzusprechen. «Die Kommunikation war zu Beginn etwas unklar.» Im Anschluss zeigt sich Lustenberger als fairer Verlierer. «Nick hat den ganzen Tag technisch hervorragend geschwungen und das Schwingfest verdient gewonnen.» Lustenberger seinerseits musste die Heimreise ohne Kranz antreten. 

Das Duell zwischen Nick Alpiger (unten) und Marc Lustenberger sorgte für viele Diskussionen.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

Der Social-Media-Aufsteiger

Vor einem Jahr hat Blick gefragt: «Wo bleiben die Schwingfluencer?» Das Potenzial wird von den Bösen nicht ausgeschöpft. «Da fehlt meist ein Content-Plan», meinte damals Marketing- und Digitalexperte Felix Murbach. «Viele Beiträge blicken zurück statt nach vorne. Emotionen? Gibts – aber selten online.» Damals hatten Christian Stucki (35'100) und Samuel Giger (34'700) die meisten Follower. Und wie siehts heute aus? Stucki kommt auf 36'900 Follower, bei Giger sinds 48'300. Beide haben, wenn auch unterschiedlich stark, zugelegt. Diesbezüglich stellt sie aber ein anderer in den Schatten. Sinisha Lüscher hatte im August 2025 nur 7876 Follower. Heute sinds 33'000. Damit hat sich die Zahl mehr als vervierfacht. Andere Schwinger wie König Armon Orlik (22'000), Fabian Staudenmann (25'800) oder Werner Schlegel (18'900) können nicht mit Lüscher mithalten. Woran es liegt, lässt sich nur mutmassen. Lüscher ist erst 20 Jahre alt und ein Publikumsliebling. Was bei einem Blick auf sein Profil auffällt: Er zeigt seinen Followern auch private Eindrücke und nicht nur Fotos, die mit Schwingen zu tun haben.

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Schlegel bald wieder fit?

Am Ende kann sich Damian Ott doch noch freuen. Der Kilchberger-Sieger sicherte sich auf der Schwägalp den Kranz. «Es ist eine Genugtuung», erklärt er. Dieser Erfolg wird allerdings etwas getrübt. Sein Freund Werner Schlegel musste den Wettkampf nach vier Gängen verletzungsbedingt abbrechen.

Ott leidet mit: «Es ist schade. Für ihn, aber auch für uns als Team. Ich hätte es ihm mega gegönnt, wenn er am Abend bei dieser Stimmung ins Festzelt hätte einlaufen können.» Immerhin macht Ott den Fans von Schlegel etwas Hoffnung. «Ich glaube, es ist nichts sehr Schlimmes. Mehr weiss ich aber auch nicht.» Dem Toggenburger bleiben drei Wochen, um bis zum Kilchberger wieder fit zu sein. 

Dort können die Nordostschweizer ihren Esaf-Schlussgänger gut gebrauchen. Auf der Schwägalp kassierten sie von den starken Bernern eine Ohrfeige. «Sie haben uns stark unter Druck gesetzt. Einige Gänge sind anders herausgekommen, als wir uns das erhofft haben.» 

Werner Schlegel verletzte sich auf der Schwägalp. Wird er wieder fit bis zum Saisonhighlight?
Foto: Sven Thomann

Drohnen-Ärger

Nicht nur die Berner bereiteten den Einheimischen auf der Schwägalp am Morgen so einige Probleme. Auch eine Drohne sorgte für Ärger. Sie kreiste rund um das Festgelände, bis sich der Speaker einschaltete. «Bitte sofort runternehmen», tönt es aus den Lautsprechern. Und zur Erinnerung gleich hinterher: «Es gibt ein Drohnenverbot.» Wer das Fluggerät steuert, bleibt unklar. Die Durchsage zeigt aber Wirkung: Wenig später ist die Drohne vom Himmel verschwunden.

Staudenmann verrät Erfolgsrezept

Fabian Staudenmann ist derzeit nicht zu stoppen. Auf der Schwägalp feierte der Berner seinen bereits fünften Kranzfestsieg in Folge. Sein Erfolgsrezept? Nicht in Aktionismus verfallen. «Wichtig ist, dass man einen Weg einschlägt, von dem man überzeugt ist, und dann daran festhält. Nach ein paar schlechten Festen alles auf den Kopf zu stellen, wäre der falsche Ansatz», sagt Staudenmann.

Das zeigte sich bei ihm selbst. Am Nordostschweizer Teilverbandsfest im Juni war er deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben. «Es war sicher nicht geplant, dass ich dort keine Spitzenleistung zeige. Aber es ist Sport. Man erwischt nicht immer einen hervorragenden Tag.»

An seinem Plan, den er sich im Herbst zurechtgelegt hatte, änderte Staudenmann trotz dem harzigen Saisonstart nichts. Mit Erfolg. «Das Puzzle hat dort nicht gepasst. In den letzten Wochen konnte ich es besser zusammensetzen.» Das Resultat: fünf Kranzfestsiege am Stück – und die Rolle des Topfavoriten für den Kilchberger.

Die Bergfest-Bilanz

Mit dem Schwägalp-Schwinget ist das letzte Bergkranzfest der Saison über die Bühne gegangen. Die Berner haben gross abgeräumt. Aber wie sieht die Gesamtbilanz aus? Bei den sechs Festen hats neun Sieger gegeben – allein auf dem Brünig warens mit den Nordostschweizern Armon Orlik und Werner Schlegel sowie den Bernern Fabian Staudenmann und Matthieu Burger vier. Die Berner haben daneben auch am Schwarzsee (Adrian Walther) sowie auf der Rigi und der Schwägalp (jeweils Staudenmann) gejubelt. Die Nordostschweizer stellten den Stoos-Sieger (Schlegel) und die Nordwestschweizer den auf dem Weissenstein (Nick Alpiger). Insgesamt gabs dieses Jahr 87 Bergkränze. So verteilen sie sich auf die Teilverbände (berücksichtigt werden muss, dass die drei grossen Verbände Nordostschweiz, Bern und Innerschweiz vier und die Nord- sowie Südwestschweizer drei Bergfeste bestritten haben):

  • Nordostschweizer: 17
  • Berner: 28
  • Innerschweizer: 19
  • Nordwestschweizer: 16
  • Südwestschweizer: 7
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Die Kilchberg-Champions

Das Saisonhighlight steht vor der Tür. Am 5. September findet der Kilchberger Schwinget statt. Sind die drei Titelverteidiger bereit? Auf einen trifft das ganz bestimmt zu: Fabian Staudenmann. Auf der Schwägalp feiert er den fünften Festsieg in Serie – zum zweiten Mal hintereinander jubelt er mit sechs Siegen. Eine beeindruckende Saison des Berners. Anders sieht die Gemütslage bei Damian Ott aus. Gegen den Nicht-Eidgenossen und Schlussgänger Lars Zaugg landet er auf dem Rücken, von den restlichen fünf Gängen gewinnt er deren drei. So gibts auf der Schwägalp nur Platz 5. Und Samuel Giger? Der Rekordsieger hat die Teilnahme am letzten Bergkranzfest abgesagt. Wegen einer Schulterverletzung hat er seit Ende Mai kein Fest mehr bestritten. Ob er für den Kilchberger Schwinget fit wird, bleibt abzuwarten.

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