Der grosse Schwing-Check
Legenden-Sohn begeistert – Abderhalden-Witz missfällt

Zwei Kranzfeste sind am Wochenende über die Bühne gegangen. Was in und um die Arenen zu reden gegeben hat? Hier kommt der Schwing-Check.
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Darum gehts

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Eidgenosse verrät Comeback-Plan

Einen ungünstigeren Ort für eine Verletzung gibt es kaum. Andreas Döbeli riss sich im letzten Sommer beim Aufwärmen für den Bergklassiker auf der Rigi (1800 m ü. M.) den Meniskus. Nach der Operation plagte ihn ein Infekt. «Es war ein Albtraum – ich dachte an den Rücktritt.» Mittlerweile sind solche Gedanken jedoch sehr weit weg. Das Comeback des Aargauer Eidgenossen steht kurz bevor. «Entweder komme ich im Juni oder im Juli zurück», verrät er Blick. Die ungenauen Angaben hängen mit einem Projekt auf seinem Geflügelaufzuchthof zusammen.

Aktuell baut er einen zusätzlichen Stall, um mehr als seine bisherigen rund 25'000 Hühner halten zu können. Erst wenn dieses Bauprojekt abgeschlossen ist, will er wieder wettkampfmässig ins Sägemehl steigen. «Dann habe ich den Kopf dafür frei.» Körperlich geht es ihm bereits wieder sehr gut. Zu hoffen bleibt, dass die Bauarbeiten reibungslos verlaufen – für ihn und die Nordwestschweiz.

Herr der Hühner: Eidgenosse Andreas Döbeli hat bald über 25'000 Tiere bei sich zu Hause.
Foto: MANUEL GEISSER

Verletzt – aber trotzdem dabei

Während seine Kollegen derzeit von Kranzfest zu Kranzfest ziehen, steht einer der grössten Innerschweizer Hoffnungsträger nur am Sägemehlrand: Noe van Messel. Der 24-jährige Zuger verpasst nach seinem Kreuzbandriss die gesamte Kranzfestsaison – ausgerechnet jene Saison, in der mit dem Zuger Kantonalen in Oberägeri auch sein Heimfest angestanden wäre.

Nur wenige Hundert Meter vom Festgelände ist van Messel aufgewachsen. Bitterer hätte die Ausgangslage kaum sein können. Verletzt hat sich der frühere Skirennfahrer vergangene Saison auf der Schwägalp. Zwar biss van Messel danach noch auf die Zähne und wollte am Eidgenössischen antreten, musste den Wettkampf jedoch nach wenigen Gängen abbrechen. Seither bestimmt die Reha seinen Alltag. Dafür reist er regelmässig nach Einsiedeln, wo er intensiv am Comeback arbeitet.

Ganz vom Schwingen lösen kann sich van Messel trotzdem nicht. Während der Festsaison begleitet er seine Innerschweizer Kollegen als Betreuer an die Anlässe. Auch am Sonntag beim Schwingfest seines Vereins (Ägerital) packte er als Helfer und Betreuer mit an. «Am liebsten wäre ich natürlich selber im Sägemehl, aber auch das macht mir Freude», sagt van Messel.

Noe van Messel verletzte sich im letzten Jahr auf der Schwägalp. Nun muss er zuschauen.
Foto: Sven Thomann

Grosser Erfolg für Remo Käser

Wer Seite an Seite mit dem Königssohn das Mittelländische verfolgt, wird immer wieder unterbrochen. Käser erhält viel Lob für seine neue Rolle als Experte bei TeleBärn. Glückwünsche durfte er am Abend aber nicht nur selbst entgegennehmen. Nein, Käser verteilte auch welche. Und zwar an zwei Schwingkameraden aus seinem Schwingklub Kirchberg BE. Dort ist Käser neuerdings Technischer Leiter. Sowohl Stephan von Büren als auch Kevin Schori, der seinen ersten Kranz gewann, sicherten sich die Auszeichnung. Dass die beiden aus demselben Schwingklub kommen, bewies auch ihr Jubel. Von Büren ist auf den Schwingplätzen für sein ausgiebiges Feiern bekannt. Schori machte es ihm bei seiner Kranzpremiere nach. Er streckte die Arme in die Höhe und hüpfte über den Sägemehlring.

Abderhalden-Witz geht in die Hose

Der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden ist seit geraumer Zeit Schiedsrichter in der SRF-Sendung «Samschtig Jass». In der letzten Ausgabe werden die Zuschauer auf die am Freitag in der Schweiz beginnende Eishockey-WM eingestimmt. Am Ende der Sendung lässt sich Abderhalden, der getreu dem Motto der Sendung ein Eishockey-Schiri-Trikot trägt, zu einem Eishockey-Witz hinreissen. «Was ist der Unterschied zwischen Fribourg-Gottéron und mir als Schreiner?», fragt er Moderatorin Fabienne Gyr. Die zuckt ahnungslos mit den Schultern. «Als Schreiner kannst du Meister werden», löst Abderhalden lachend auf. Dumm nur, dass die Sendung bereits Ende März aufgezeichnet wurde – und Fribourg inzwischen den Titel geholt hat. SRF reagiert mit einem Einblender auf den inzwischen veralteten Witz: «Neuerdings auch in Fribourg möglich! Wir gratulieren zum ersten Meistertitel!»

Jörg Abderhalden lacht über seinen Witz – Fabienne Gyr eher weniger.
Foto: Screenshot SRF

Emotionaler Strebel-Abschied

In der Arena am Mittelland steht für einen kurzen Moment alles still. Bei der Begrüssung der Zuschauer bittet der Speaker um eine Schweigeminute für den verstorbenen Stefan Strebel. Der ehemalige technische Leiter des Verbandes ist am Mittwoch einem Herzversagen erlegen. Die Schwingfans, die gerade in die Arena marschiert sind, bleiben stehen. Jene auf den Tribünen stehen auf. Sie alle gedenken des ehemaligen Schwinger-Bosses und seiner Familie. Ein Gänsehautmoment.

Der Tod von Stefan Strebel bewegte die Schwingszene.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Staudenmann-Held verletzte sich schwer

Normalerweise versucht Fabian Staudenmann, sein Handy an einem Wettkampftag möglichst wenig zu brauchen. Am Mittelländischen machte der Berner aber eine Ausnahme – wegen eines Notfalls. Nachdem sich der Favorit im zweiten Gang eine Platzwunde am Kinn zugezogen hatte und das Tape immer wieder abfiel, brauchte er kurzfristig einen Kopfschutz, damit der Verband hielt. Also griff Staudenmann zum Handy und rief seinen Teamkollegen Elias Pirkheim an.

«Er fragte mich am Mittag, ob ich meinen Helm dabei habe», erzählt Pirkheim. Das Problem: Weil er selber nur als Helfer vor Ort war und nicht schwingen konnte, lag dieser noch zu Hause. Sein Bruder hatte keinen Ersatzhelm dabei. Also telefonierte Pirkheim kurzerhand nach Hause. «Zum Glück war noch jemand dort und brachte den Helm vorbei», erklärt er. Die Familie wohnt nur wenige Minuten von der Arena entfernt. So erhielt Staudenmann den Helm rechtzeitig vor dem vierten Gang. Und Pirkheim wurde zum Helden des Tages – ohne selbst im Sägemehl gestanden zu haben.

Eine wahre Heldentat hat sein Körper vor etwas mehr als einem Monat vollbracht. Beim Hallenschwinget in Bolligen knallte Pirkheim mit dem Kopf ins Sägemehl und brach sich den obersten Halswirbel. «Ich dachte zuerst, er sei nur verstaucht.» Sechs Wochen lang musste er einen Halskragen tragen, Kontaktsport ist weiterhin tabu. «Es hätte viel schlimmer kommen können. Ich bin einfach froh, dass ich überhaupt noch laufen kann.»

Schwinger Elias Pirkheim war als Helfer in der Einteilung im Einsatz.

Königsschreck schlägt wieder zu

Dass Andy Signer ein hervorragender Verteidigungskünstler ist, dürfte niemanden mehr überraschen. Doch in diesem Jahr ist er für die Favoriten noch gefährlicher geworden. Nach König Armon Orlik am Thurgauer Kantonalen hat er am Samstagabend auch gegen Unspunnen-Champion Samuel Giger gestellt. Damit drängt sich langsam die Frage auf: Wie ist dieser Signer überhaupt zu bezwingen? Seit letztem Winter trainiert er professionell beim Rotor-Team in Liechtenstein. Die zusätzliche Power macht es seinen Gegnern noch einmal schwieriger, ihn zu bändigen. Das Gute aus Sicht von Giger und Orlik: An den grossen Festen haben sie Signer in ihren Reihen und dürfen zuschauen, wie sich die anderen Favoriten an ihm abmühen werden.

Andy Signer bringt so manchen Favoriten zur Verzweiflung.
Foto: Sven Thomann

Der eine Max lebt – der andere ist zerlegt

Beim Bestaunen der Lebendpreise am Zuger Kantonalen dürften einige Schwingfans kurz gestutzt haben. Der Name des Siegermunis kam ihnen verdächtig bekannt vor: Max. Genau so heisst nämlich auch jener gigantische Holzmuni vom ESAF in Mollis, der seit Monaten für Diskussionen sorgt. Während der neue Max nun als Lebendpreis an Festsieger Marcel Bieri geht, liegt der andere Max weiterhin zerlegt in Uri herum.

Der mehr als 20 Meter hohe Holzmuni hätte längst auf dem Nätschen oberhalb Andermatt stehen sollen. Stattdessen wurde das Prestigeprojekt zum Politikum. Nachdem sich das Baubewilligungsverfahren verzögerte, sind inzwischen die finanziellen Sorgen gross. Dem Projekt fehlen derzeit rund eine halbe Million Franken. Der Verein «Max der Uristier» hofft deshalb auch auf Unterstützung durch den Kanton. Genau das sorgt in Uri aber für heftige Diskussionen. Der Kanton müsste eigentlich sparen.

Festsieger Marcel Bieri posiert mit Siegermuni Max.

Die praktischen Gaben

Wer schon einmal den Gabentempel eines Schwingfestes besucht hat, der weiss: Als Preis für die Schwinger gibts Gebrauchsgegenstände. Dass diese schnell einmal zum Einsatz kommen, beweist Werner Schlegel. Beim Thurgauer Kantonalen hat sich der Bauernsohn für eine Kuhbürste entschieden – die, wie Schlegel auf Instagram zeigt, schon wenige Tage später am Stall montiert ist und von den Kühen rege genutzt wird.

Werner Schlegel mit dem Preis, den er am Thurgauer Kantonalen gewonnen hat.
Foto: Instagram/WernerSchlegel

Sohn von Schwing-Legende imponiert

Erstmals dürfen in dieser Saison die Nachwuchsschwinger des Jahrgangs 2010 an Kranzfesten antreten. Besonders in der Innerschweiz sorgt dieser Jahrgang für Gesprächsstoff, denn es zeigt sich: Die grossen Namen sind geblieben – einfach eine Generation jünger. Gleich mehrere Söhne ehemaliger Spitzenschwinger gelten als Hoffnungsträger des ISV nach dem Rücktritt von König Joel Wicki (29).

Beim Zuger Kantonalen am Sonntag stand neben dem Sohn des fünffachen Eidgenossen Heinz Suter unter anderem Patrik Laimbacher erstmals an einem Kranzfest im Einsatz. Der 16-Jährige ist der Sohn von Schwinglegende Adi Laimbacher (105 Kränze) – und bringt schon jetzt imposante Masse mit: satte 96 Kilogramm! Gepaart mit einer bereits guten Schwungtechnik.

Schwinglegende Adi Laimbacher (rechts).
Foto: Blicksport

Vater Adi verfolgte den Auftritt seines Sohnes aufmerksam am Sägemehlrand. «Ich probiere das mit dem Zuschauen locker anzugehen, aber das ist schon nicht ganz einfach», sagt der frühere Spitzenschwinger und lacht. Für einen Kranz reicht es in Oberägeri zwar wegen 0,5 Punkten noch nicht, doch der erste Stern dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Die Kilchberg-Champions

2021 haben Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann punktgleich den Kilchberger Schwinget gewonnen. Auch fünf Jahre später gehören sie noch immer zu den Schwingern, die es zu schlagen gilt. Anfang September wollen sie ihren Titel verteidigen. Grund genug, ihre Kranzfestsaison genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit Fabian Staudenmann ist auch der letzte aus dem Trio in die Saison gestartet. Und er erlebt ein wildes Mittelländisches Schwingfest. Am Morgen vergisst er sein Hemd zu Hause, dann kassiert er im 2. Gang einen Kinnhaken – die Platzwunde muss genäht werden, dafür wird Staudenmann rasiert – und hat mit einem Pflaster-Puff zu kämpfen. Die Lösung ist letztlich ein geliehener Helm, der das Pflaster an Ort und Stelle hält. Beirren lässt sich Staudenmann davon nicht. Mit fünf Siegen (u.a. gegen den Eidgenossen Silvan Appert) und einem Gestellten gegen Michael Moser wird er am Ende Zweiter.

Damian Ott hat an diesem Wochenende kein Fest bestritten, Samuel Giger hingegen schon – wenn auch kein Kranzfest. Aber der Unspunnensieger ist beim Abendschwinget des Stadtverbands St. Gallen in Muolen in die Zwilchhosen gestiegen. Und seiner Favoritenrolle mit dem Festsieg gerecht geworden.

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Hier reisst sich Staudenmann das Pflaster weg
1:16
Bei Sieg gegen Tschumi:Hier reisst sich Staudenmann das Pflaster weg
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