Der grosse Schwing-Check
Kampfrichter-Lob für Alpiger und Orliks schwierige Woche

Am Wochenende fand mit dem Weissenstein-Schwinget das dritte Bergfest der Saison statt. Was hat im und neben dem Sägemehl zu reden gegeben? Hier kommt der grosse Schwing-Check.
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Jubelt auf dem Weissenstein: Nick Alpiger.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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Kampfrichter-Lob für Alpiger

Nick Alpiger war auf dem Weissenstein nicht nur der stärkste Schwinger, sondern fiel auch abseits des Sägemehls positiv auf. Nach dem Fest sagt ein Kampfrichter zu Blick: «Nick war der Einzige, der sich entschuldigte, wenn er vorne durchlief. Und der Einzige, der am Tisch jeweils kurz zu erkennen gab, dass er schon bereit ist.»

Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, ist aber bemerkenswert. Alpiger wird von Teilen der Schwingfans immer wieder als kühl, arrogant und unsympathisch wahrgenommen. Selbst seine herzliche Umarmung von Gegner Sinisha Lüscher nach ihrem Schlussgang wird von einigen als reine Inszenierung für die Kameras interpretiert. Die Rückmeldung aus den Reihen der Kampfrichter zeichnet ein anderes Bild.

Nick Alpiger (r.) zeigte auf dem Weissenstein ein vorbildliches Verhalten.
Foto: keystone-sda.ch

Ein ungewohntes Bild

So kennt man Damian Ott sonst nicht. Der Kilchberger-Sieger kämpfte auf dem Weissenstein mit einem Ohrenschutz. Ausgeliehen hat er sich diesen kurzerhand von Schwägalp-Sieger Marcel Räbsamen. «Ich habe diesen noch von Jungschwingerzeiten», erklärt er. Der zurzeit verletzte Eidgenosse kämpft normalerweise genauso wie Ott ohne Ohrenschutz. 

Wegen einer kleineren Verletzung vom Nordostschweizer Schwingfest machte er auf dem Weissenstein jedoch eine Ausnahme. «Ich habe mir dort das Ohr aufgeschlagen. Es ist leicht entzündet und war zwischenzeitlich stark aufgeschwollen», erklärt Ott gegenüber Blick.

Ohne Ohrenschutz sei das Problem im Training immer wieder zurückgekehrt. «Es ist sehr empfindlich. Mit Ohrenschutz ist das aber kein Problem.» Dauerhaft anfreunden will sich Ott mit dem ungewohnten Begleiter trotzdem nicht. «Ich bin froh, wenn ich ihn möglichst schnell wieder weglegen kann. Es ist ungewohnt, immer etwas dabeizuhaben. Im Kampf vergisst man das aber.»

Damian Ott möchte den Ohrenschutz schnellstmöglich wieder weglegen.
Foto: keystone-sda.ch

Gut gemeint mit später Reue

26'000 Franken – für diesen Betrag haben acht Freunde den Brunnen des Berner Kantonalen ersteigert. Das Geld kommt dem Verein Bärähärz zugute. Nur gibts im Nachhinein Wirbel um die Auktion. Denn die Ersteigerer wollten den Brunnen gar nie gewinnen, sie haben weder das Geld noch den Platz dafür. Einer von ihnen verrät anonym gegenüber Tele Bärn, dass sie lediglich den Preis in die Höhe treiben wollten. Eine Idee, die in die Hose geht. Da Angebote auf solchen Auktionen verbindlich sind, müssen sie die Rechnung begleichen. Das haben sie zwar getan, der Brunnen steht dennoch beim Verein Bärähärz. «Wir wollen, dass der Brunnen an einen Platz kommt, wo er geschätzt wird», erklärt Präsident Lars Krauer gegenüber Tele Bärn, wieso man nun mithilft, einen neuen Besitzer zu finden. Ob das gelingt, wird sich zeigen. So oder so hat die Aktion einen faden Beigeschmack. Auch für die Schwingfest-Organisatoren. Sie haben zwar ein Stück weit Verständnis, finden es aber auch schade, dass die Auktion damit etwas sabotiert wurde.

Pfiffe nach dem Schlussgang

Die Stimmung auf dem Weissenstein hätte kaum besser sein können. Erstmals in der Geschichte des Bergkranzfestes standen mit Nick Alpiger und Sinisha Lüscher zwei Nordwestschweizer im Schlussgang. Entsprechend ausgelassen wurde der historische Tag gefeiert. Pfiffe waren trotzdem zu hören. Allerdings richteten sie sich nicht gegen einen Schwinger oder Kampfrichter, sondern gegen die Musik.

Nach Alpigers Sieg erklang Georges Kultsong «Hie bin i deheim». Tausende Zuschauer sangen lautstark mit – bis das Lied plötzlich verstummte. Sofort ertönten Pfiffe. Als die Musik wenig später wieder lief, brandete Applaus auf. Doch die Freude währte nur kurz. Der Song wurde erneut unterbrochen, was wiederum Pfiffe auslöste.

Am Ende durften die Fans den Klassiker doch noch zu Ende hören und sangen ihn gemeinsam mit George aus voller Kehle. So fand der historische Nordwestschweizer Festtag auch musikalisch seinen passenden Abschluss.

Das Publikum sorgte auf dem Weissenstein für eine hervorragende Stimmung.
Foto: Philipp Kresnik/freshfocus

Kitzbühel-Vibes am Weissenstein

Was haben Marco Odermatt, Beat Feuz, Samuel Giger oder Christian Stucki seit letztem Freitag gemeinsam? Richtig, eine Gondel mit ihrem Namen drauf. Die Skistars werden damit für Siege in Kitzbühel (Ö) geehrt, die Schwinger haben ihre am Weissenstein bekommen. Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums des Schwingfestes wurde allen Siegern seit 2000 eine Gondel der Weissenstein-Bahn gewidmet. Wieso sich die Organisatoren für diese Jahreszahl entschieden haben? Ganz einfach, seit 2000 ist der Weissenstein-Schwinget offiziell ein Bergfest. Die Ehrung erfolgt «als Zeichen ihrer aussergewöhnlichen Leistungen», wie die Organisatoren schreiben. Und die meisten Sieger haben es sich nicht entgehen lassen, als Erste nach der Enthüllung mit ihrer Gondel auf den Weissenstein zu fahren.

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Der historische Kranzgewinn

Für Andreas Döbeli war dieser Kranz weit mehr als eine weitere Auszeichnung. Es war der emotionale Schlusspunkt einer langen Leidenszeit. Im letzten Sommer reiste der Aargauer auf die Rigi und verletzte sich noch vor dem ersten Gang beim Einlaufen schwer am Knie. «Es war ein Albtraum. Ich dachte an den Rücktritt», sagte Döbeli später zu Blick. Knapp drei Wochen verbrachte er im Spital.

Bei der Operation wurde nicht nur der Meniskus repariert, sondern auch das seit anderthalb Jahren angerissene Kreuzband ersetzt. Auf dem Weissenstein folgte nun die Erlösung. Nach seinem entscheidenden Sieg im sechsten Gang lief Döbeli zu seiner Partnerin. Beide kämpften sichtlich mit den Tränen. «Das waren krasse Emotionen. Nach diesem schwierigen Start bin ich überglücklich, dass es so aufgegangen ist», sagt Döbeli.

«Ich habe mich gut gefühlt. Aber wenn du nach so einer langen Zeit zurückkommst, fehlt dir noch etwas das Vertrauen, ins Risiko zu gehen.» Die Freude war nicht nur bei ihm riesig. Erstmals überhaupt gewann der Schwingklub Freiamt an einem Bergkranzfest gleich drei Kränze. Neben Andreas Döbeli durften sich auch sein Bruder Lukas Döbeli und Joel Strebel auszeichnen. Am Abend wurde der historische Erfolg gemeinsam gefeiert.

Andreas Döbeli ist zurück. Auf dem Weissenstein sicherte sich der Eidgenosse sogleich den Kranz.
Foto: Marc Schumacher/freshfocus

Der König meldet sich zurück

Eine Woche nach dem missglückten Berner Kantonalen zeigte Armon Orlik auf dem Weissenstein die gewünschte Reaktion. Den Rückschlag im Wankdorf hatte der Schwingerkönig bis dahin grösstenteils verarbeitet. «Es brauchte schon einige Zeit», gibt der Bündner zu. Hinter ihm liegt eine schwierige Woche. Vor allem der gewohnte Rhythmus vor einem Schwingfest habe ihm geholfen. «Das gab mir Halt und Vertrauen.»

Den Rückschlag habe er grösstenteils mit sich selbst aufgearbeitet. «Innerhalb einer Woche ist das aber etwas schwierig.» Gleichzeitig war Athletiktrainer Robin Städler eine wichtige Bezugsperson. «Es gibt Vertrauen, wenn du wieder ein super Training bei ihm machen kannst und merkst, dass die Form stimmt. Solche Sachen sind für mich sehr wichtig.» Da werde einem auch wieder bewusst, wie viel Vertrauen man in sein Umfeld habe. 

Konkrete Schlüsse aus dem missglückten Berner Kantonalen zieht Orlik noch nicht. «Ich bin immer noch in meinem Plan drin. Solche Sachen muss ich nach der Saison genauer analysieren. Vielleicht hätte man in der Planung etwas anders machen können. Am Schluss ist aber die Tagesform entscheidend. Und die hat im Wankdorf nicht gestimmt.» Nach dem Kranzgewinn auf dem Weissenstein freut sich Orlik nun auf ein freies Wochenende, bevor mit dem Brünig-Schwinget bereits das nächste Bergkranzfest wartet.

Armon Orlik (o.) zeigte auf dem Weissenstein eine gute Leistung.
Foto: keystone-sda.ch

Die Kilchberg-Champions

Damian Ott, Fabian Staudenmann und Samuel Giger treten im September als Titelverteidiger beim Kilchberger Schwinget an. Auf dem Weissenstein steigt mit Ott nur einer von ihnen in die Zwilchhosen. Nach drei Gängen ist er voll dabei im Rennen um den Schlussgang. Weil Ott mit einem Gestellten in den Nachmittag startet, fällt er allerdings entscheidend zurück. Da reicht dann auch ein Plattwurf im 5. Gang nicht mehr. Letztlich beendet Ott das Fest auf Rang 6 mit je drei Siegen und drei Gestellten. Stehen lassen muss er die drei Eidgenossen Sinisha Lüscher, Lars Voggensperger und Lario Kramer, bekommt dafür aber immerhin zweimal Note 9,00. Die Heimreise tritt Ott mit dem 47. Kranz seiner Karriere an, dem siebten in diesem Jahr.

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