Darum gehts
- Steve Guerdat gewinnt mit Dynamix de Bélhème WM-Gold in Aachen 2026
- Nach zwei Rücken-Operationen kämpfte sich Guerdat zurück in den Sattel
- Dritter grosser Triumph von Guerdat mit der Ausnahme-Stute
Von 145 Pferden an dieser Weltmeisterschaft in Aachen (De) bleibt nur eines (!) über fünf Runden ohne einen einzigen Fehler: Es ist Dynamix de Bélhème mit Steve Guerdat im Sattel. Die Ausnahme-Stute trägt den Schweizer zu WM-Gold, er schreibt damit – einmal mehr – Springreit-Geschichte.
Guerdat verdrückt danach eine Träne, denn einzig sein Vater und einstiger Förderer Philippe Guerdat (74) kann nicht persönlich anwesend sein. «Ich bin so stolz auf alle», sagt sein Sohn überwältigt.
Überwältigt von den Emotionen ist der frischgebackene Weltmeister wohl auch, weil ihm bewusst ist, was er die letzten Jahre durchgemacht hat: Zwei Rücken-Operationen innerhalb von 15 Monaten. Die erste Anfang 2025, weil er kaum mehr laufen oder schlafen kann vor Schmerzen. Ob er jemals wieder reiten kann, spielt da nicht die primäre Rolle. «Sondern dass ich wieder schlafen und den Alltag bestreiten kann», sagt er im Mai 2025 zu Blick.
Als ehrgeizig und zielstrebig bekannt, kämpft sich Guerdat in der Reha in den Sattel zurück. Als Erstes in jenen von seiner Wunderstute Dynamix de Bélhème, weil er sich mit ihr sicher fühlt. Sein Comeback gibt er am CSIO St. Gallen im Juni 2025. Da ist er zuversichtlich. Doch der Rückschlag folgt im September mit dem nächsten notwendigen Eingriff, weil die Probleme mit den Bandscheiben zurückkehren. «Wir haben verschiedene alternative Therapien ausprobiert, um eine erneute Operation zu vermeiden, aber leider wurde es nur schlimmer», lässt er da verlauten. Erneute Ungewissheit, wie lange die Genesung dauert. Fast drei Monate sind es. Und nur elf Monate nach der OP dreht er auf der Aachener Soers vor 40’000 Zuschauern die Ehrenrunde mit der WM-Gold-Medaille um den Hals.
Immer wieder zeigt er dabei auf seine 13-jährige Stute, mit der er schon zu EM-Gold und Olympia-Silber geritten ist, die aber aufgrund einer Verletzung im Frühjahr für diese WM lange noch fraglich gewesen ist. Über Dynamix de Bélhème sagt Guerdat einst, dass sie «das beste Pferd ist, das ich je hatte». Guerdat ist bekannt für sein feines Gespür für seine Pferde und deren Turnier- und Pausen-Management. Mit dieser Stute sind Harmonie und Vertrauen jedoch auf einem anderen Level.
Seit sie sechsjährig ist, hat der von vielen Fachleuten als «unglaublicher Pferdemensch» betitelte Springreiter sie selbst auf höhere Aufgaben vorbereitet. Nach dem überraschenden EM-Titel auf ihr im September 2023 sagt er: «Ich habe immer an Dynamix geglaubt und heute hat sie bewiesen, wie aussergewöhnlich sie ist. So ruhig sie im Alltag ist, so kämpferisch ist sie im Parcours. Ich hoffe, wir werden noch viel gemeinsam erleben.» Das tut das Paar bei Olympia in Paris im August 2024, als es Silber gewinnt im Einzel. Und nun mit diesem WM-Gold, «sie ist so intelligent».
Guerdat, der 2018 auf Bianca zu WM-Bronze geritten ist, ist nicht nur der erste Schweizer, der den WM-Titel holt – er schreibt Welt-Historie als Springreiter. Noch keiner vor ihm hat es geschafft, alle vier grossen Titel zu gewinnen: Olympia-Sieg (2012 in London mit Nino des Buissonnets), EM-Gold (2023 mit Dynamix de Bélhème), WM-Gold und Weltcup-Siege (2019, 2016, 2015).
Er kündigt an, dass er sich nun etwas Zeit nehmen wird, um diesen Triumph zu geniessen. Das habe er in der Vergangenheit oft zu wenig gemacht und es bereut. Dann wird Steve Guerdat – obwohl er schon das meiste gewonnen hat – die nächsten grossen Ziele anpeilen. «Weil ich am glücklichsten bin, wenn ich meine Pferde reite.»