Darum gehts
- Andri Ragettli erreicht Platz 4 im Slopestyle bei Olympia 2026
- Fehler und schwierige Bedingungen verhinderten bessere Leistung trotz starkem ersten Lauf
- Ragettli ist Weltmeister, X-Games-Champion und Weltcup-Rekordhalter mit Millionen Fans
Andri Ragettli (27) bleibt die grosse Nummer im Ski-Freestyle und auf Social Media – und doch fehlt ihm weiterhin das eine Puzzleteil: die Olympia-Medaille.
Vier Jahre nach dem knapp verpassten Podest im chinesischen Peking wird der Bündner auch in Livigno (It) erneut Vierter im Slopestyle. Wieder reicht eine starke Leistung nicht für Edelmetall. Wieder bleibt das Gefühl des Makels.
Dabei beginnt der Wettkampf so vielversprechend. Mit 78,65 Punkten im ersten Run setzt sich Ragettli zunächst an die Spitze. Doch in den folgenden Durchgängen schleichen sich Fehler ein. Die Konkurrenz nutzt ihre Chancen und Ragettli rutscht erneut knapp neben das Podest.
Ragettli: «Ich kämpfe weiter»
Nach dem Wettkampf spricht Ragettli offen über seine Gefühle. «Ich musste mich schnell zusammenreissen, ganz ehrlich», sagt er im Interview in der Mixed Zone. «Schlussendlich geht es mir gut. Ich bin gesund. Ich habe meine Familie, ich habe meine Freunde. Aber sportlich ist es extrem bitter.»
Trotzdem gewinnt er seiner Leistung auch Positives ab: «Ich kann stolz sein auf die ganze Arbeit, die ich investiert habe und auf den Menschen, der ich bin. Und ich kämpfe weiter.»
Im Slopestyle bewegt sich Ragettli seit Jahren an der Grenze des Machbaren. Der Grat zwischen Top-Resultat und einem Fehler ist schmal. «Wir versuchen, das Limit immer weiter auszureizen. Die Fehler passieren dann einfach.»
Gerade der erste Final-Lauf macht Ragettli Mut. «Mein grösstes Ziel war, einen Run von oben bis unten zu landen. Das habe ich geschafft. Das ist ein brutaler Schwierigkeitsgrad.» Doch danach klappt es nicht mehr wie gewünscht. Kleine Unsicherheiten auf den Rails und schwierige Bedingungen verhindern die Steigerung.
Der Star ohne Olympia-Gold
Ragettli ist längst eine Ikone seines Sports. Weltmeister, Gesamtweltcupsieger, X-Games-Champion, Rekordhalter im Weltcup. Dazu Millionen Fans auf Social Media, virale Videos, weltweite Bekanntheit. Und doch bleibt er der «unvollendete» Star. Bei seinen Olympiateilnahmen erreicht er die Ränge 7, 4 und nun wieder 4. Für einen Perfektionisten sind das schmerzhafte Zahlen.
Seine Familie steht seit Jahren hinter Ragettli. Bruder Gian filmt seine Runs, Schwester Christina betreut PR und Medien, Mutter Bea organisiert den Alltag. Gemeinsam haben sie aus seiner Karriere ein kleines Familienprojekt aufgebaut. Immer dabei: Kater Simba.
Ohne Vater aufgewachsen, fand Ragettli früh Halt in diesem engen Umfeld. Wie wichtig ihm das ist, zeigt sich auch nach dem Final am Dienstag. Im Fernsehinterview bei SRF kämpft er mit den Tränen. «Ich wollte heute einfach meinen Vater im Himmel stolz machen», sagt er. «Heute war es nur der vierte Platz. Aber ich glaube, er ist trotzdem stolz auf mich.»
Ragettli versteckt seine Enttäuschung nicht. «Es ist extrem hart. Ich habe so viel Arbeit investiert, und heute ist es wieder nicht ganz aufgegangen. Das tut weh.» Und er fügt an: «Es ist okay, dass ich jetzt traurig bin.»
