«Bin stolz, dass ich Gold für meine Mama gewinnen konnte»
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Historisches Sieg für Fatton:«Bin stolz, dass ich Gold für meine Mama gewinnen konnte»

«Mein Körper streikte»
Olympiasiegerin Fatton spricht über ihre schwierigste Phase

Nach ihrerer sensationellen Olympia-Premiere erzählt Marianne Fatton von ihrem Aufstieg an die Spitze. Ein unschönes Kapitel hat sie dabei besonders geprägt.
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Sie hat es geschafft: Marianne Fatton sicherte sich bei der Olympia-Feuertaufe des Skibergsteigens sogleich die Goldmedaille im Einzel und Silber im Team.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marianne Fatton gewann die Goldmedaille bei ihrer Olympia-Premiere
  • Vor einigen Jahren dachte die Skibergsteigerin ans Karriereende
  • Eine Erschöpfungsdepression zwang sie zu einer langen Pause
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Nicola AbtReporter Sport

Sie hat es wieder getan! Marianne Fatton (30) gewinnt nach Olympia-Gold im Sprint auch noch Silber im Mixed-Team gemeinsam mit Jon Kistler (22). Ob sie diesmal besser schläft? Nach ihrem historischen Triumph bei der Olympia-Premiere des Skibergsteigens fand sie nicht zur Ruhe. «Mein Herz schlug in der Nacht noch immer wie verrückt. Um sechs Uhr war ich schon beim Frühstück», erzählt Fatton.

Diese Erfolge sind für die Neuenburgerin auch deshalb so speziell, weil sie die Schattenseite des Sports bestens kennt. Im Winter 2021/22 legte sie eine Erschöpfungsdepression flach. «Mein Körper streikte. Ich fühlte mich permanent ausgelaugt und erholte mich schlecht von den Trainings.» Bis dahin hatte sie bereits alles erreicht. Fatton war Gesamtweltcupsiegerin und Weltmeisterin. «Deshalb habe ich ernsthaft an den Rücktritt gedacht.» 

Auf der Suche nach Sicherheit

Weil zu dieser Zeit wegen Covid keine Wettkämpfe stattfanden, musste sich Fatton nicht nur um ihre Gesundheit kümmern, sondern auch ihre berufliche Zukunft überdenken. Vom Skibergsteigen leben zu können, war unter diesen Umständen «fast unmöglich».

Deshalb begann sie ein Pädagogikstudium, mit dem Ziel dereinst Grundschullehrerin zu werden. «Ein Beruf, der mir Sicherheit versprach.» Sie übernahm Stellvertretungen und versuchte, in ihrer begrenzten Freizeit zu trainieren. 

Dieses Vorhaben musste Fatton aber schnell einmal abbrechen. «Ich hatte dafür keine Energie.» Letztlich zeigten Untersuchungen, dass ihr Nervensystem stark aus dem Gleichgewicht geraten war. «Mein Körper brauchte dringend eine Pause.» Weshalb es so weit kam, glaubt Fatton mittlerweile zu wissen: «Ich habe unter anderem zu wenig gegessen.»

Der Freund blieb an ihrer Seite

Diese schwierige Phase dauerte vier bis fünf Monate. Und lehrte Fatton, dass sie besser zu sich schauen muss. Zudem realisierte sie einmal mehr, dass «ein bisschen» im Leistungssport nicht genügt. Entweder ganz oder gar nicht. Fatton entschied sich für Ersteres. «Zu Hause zu sitzen während der Weltcups war sehr schwierig. In diesen Momenten spürte ich, dass ich das wieder erleben möchte.»

Bis sie wieder auf ihrem alten Niveau angelangt war, vergingen ganze zwei Jahre. Dabei konnte sie auf die Unterstützung ihres Freundes Maxime Bordard (30) zählen, der auch ihr Trainer ist. «Für ihn war diese Zeit auch nicht einfach. Aber wir haben das zusammen durchgestanden.» Die Lebensfreude bei Fatton ist zurück. Mittlerweile studiert sie Business Communication in Freiburg und kann vom Sport leben.

Kein Kaderplatz im Biathlon

Inspiriert durch ihre Mutter träumte Marianne Fatton bereits als Kind von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen. Anna Fatton-Janouskova selbst stand 1992 in Albertville als Langläuferin am Start. «Meine Mutter hat mir immer gesagt: ‹Versuche es einfach zu geniessen. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre.›»

Nun weiss Fatton, wovon ihre Mutter immer gesprochen hatte. Wie am Donnerstag herrschte auch am Samstag in Bormio eine grossartige Atmosphäre. Fattons Eltern drückten ihr erneut auf der Tribüne die Daumen. Dank einem Fehler der Französin beträgt der Rückstand bei der letzten Übergabe von Fatton auf Kistler nur zwei Sekunden. Der Stadtzürcher aus Unterstrass, der Maschinenbau-Student an der ETH ist, muss den Franzosen aber ziehen lassen. 

Emotionaler Moment mit der Familie

Dass Fatton einmal zwei Olympia-Medaillen gewinnen würde, hätten ihre Eltern wohl nie für möglich gehalten. «Zuerst begann ich mit Biathlon, wurde dort aber nicht ins Kader aufgenommen», erklärt Fatton. Das überrascht, wenn man sieht, mit welcher Präzision sie den Fotografen bei der Schneeballschlacht abschiesst.

Es brauchte gar einen Zufall, damit sie den Wettkampfmodus im Skibergsteigen lieben lernte. Ihre Eltern starteten regelmässig an Teamrennen wie der Patrouille des Glaciers. Einmal fiel eine Kollegin ihrer Mutter kurzfristig aus. «Dann haben sie mich gefragt, ob ich einspringen kann.»

Fatton war damals 18 Jahre alt und musste nicht zweimal überlegen. Für sie war das eine riesige Ehre. «Ich war unglaublich stolz, mit im Team dabei zu sein.» Das Rennen ging über 2800 Höhenmeter. Nachdem Fatton dieses erfolgreich absolviert hatte, begann sie noch mehr zu trainieren. 

Das gipfelte nun in zwei Olympia-Medaillen. «Meine Familie ist sehr stolz. Als wir uns die Medaillen gemeinsam angesehen haben, war das ein sehr emotionaler Moment.» Nun hofft Fatton, dass sie ihren Titel in vier Jahren verteidigen darf. Noch ist allerdings nicht klar, ob Skibergsteigen bei den Spielen in Frankreich dabei sein wird. Aus Schweizer Sicht hätten wir nichts gegen eine weitere Ausgabe.

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