Foto: keystone-sda.ch

Früher Medaillengarant – 2026 ein Nuller
Was steckt hinter dem Schweizer Snowboard-Absturz bei Olympia?

Das Schweizer Snowboard-Team reist ohne Medaille aus Italien ab. Damit endet eine jahrzehntelange Olympia-Serie. Die Verantwortlichen zeigen sich selbstkritisch.
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Nicola AbtReporter Sport

Am Sonntagabend wurde der Schweizer Medaillenregen abrupt gestoppt. Mit der Schlussfeier endeten die Olympischen Spiele in Italien. 23 Mal jubelten wir über Edelmetall, so oft wie noch nie. Es hätten aber noch mehr sein können oder sogar müssen, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Denn ein Medaillen-Garant hat enttäuscht.

Die Rede ist von den Snowboardern. Seit dem Halfpipe-Gold von Gian Simmen im Jahr 1998 bescherten sie uns an allen Olympischen Spielen einen Podestplatz. Diese Serie endete in Italien. Einfach Pech oder ein strukturelles Problem?

Unschweizerische Entscheide sind gefragt

Sacha Giger, Direktor Ski Freestyle und Snowboard, lässt keine Ausreden gelten. «Wir haben eine Lücke. Wenn man über Jahre erfolgreich ist, schleichen sich im Nachwuchs kleine Nachlässigkeiten ein», sagt er selbstkritisch. 

Schweizer Snowboard-Medaillen bei Olympia

1998 Nagano
Gian Simmen – Halfpipe – Gold
Ueli Kestenholz – Riesenslalom – Bronze

2002 Salt Lake City
Philipp Schoch – Riesenslalom – Gold
Fabienne Reuteler – Halfpipe – Bronze

2006 Turin
Philipp Schoch – Riesenslalom – Gold
Daniela Meuli – Riesenslalom – Gold
Tanja Frieden – Boardercross – Gold
Simon Schoch – Riesenslalom – Silber

2010 – Vancouver
Olivia Nobs – Boardercross – Bronze

2014 – Sotschi
Iouri Podladtchikov – Halfpipe – Gold
Patrizia Kummer – Riesenslalom – Gold
Nevin Galmarini – Riesenslalom – Silber

2018 – Pyeongchang
Nevin Galmarini – Riesenslalom – Gold

2022 – Peking
Jan Scherrer – Halfpipe – Bronze

1998 Nagano
Gian Simmen – Halfpipe – Gold
Ueli Kestenholz – Riesenslalom – Bronze

2002 Salt Lake City
Philipp Schoch – Riesenslalom – Gold
Fabienne Reuteler – Halfpipe – Bronze

2006 Turin
Philipp Schoch – Riesenslalom – Gold
Daniela Meuli – Riesenslalom – Gold
Tanja Frieden – Boardercross – Gold
Simon Schoch – Riesenslalom – Silber

2010 – Vancouver
Olivia Nobs – Boardercross – Bronze

2014 – Sotschi
Iouri Podladtchikov – Halfpipe – Gold
Patrizia Kummer – Riesenslalom – Gold
Nevin Galmarini – Riesenslalom – Silber

2018 – Pyeongchang
Nevin Galmarini – Riesenslalom – Gold

2022 – Peking
Jan Scherrer – Halfpipe – Bronze

Das erkannten die Verantwortlichen bereits vor zwei Jahren. Damals teilte man die Speed- und Style-Disziplinen auf, um gezielter arbeiten zu können. «Wir mussten die Schraube anziehen.» Denn die asiatischen Nationen entwickeln sich rasant, sodass der Abstand im akrobatischen Bereich zunehmend grösser wird. «Sie arbeiten teilweise härter als wir. Das darf nicht sein.»

Zusätzlich hat Swiss-Ski mit Dominik «JP» Furrer einen neuen Headcoach Park & Pipe für Freeski & Snowboard angestellt, um den Anschluss an die Weltspitze zu halten.

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Seit Jahrzehnten ist ein Schweizer Snowboard-Jubel fester Bestandteil der Olympischen Spiele.
Foto: keystone-sda.ch

Für maximalen Erfolg brauche es zudem Entscheide, die nicht immer dem schweizerischen Harmoniebedürfnis entsprechen. «Wir können nicht 15 Athleten gleichzeitig an die Weltspitze führen. Wir müssen uns konsequent auf diejenigen fokussieren, die das Potenzial für ganz oben haben.» Dabei wird mittlerweile auch noch genauer darauf geschaut, ob jemand bereit ist, den Preis dafür zu zahlen. 

Bernerin als positive Überraschung

Auf der Suche nach Gründen für die fehlenden Olympia-Medaillen landet man früher oder später beim Verletzungspech. Sinnbildlich dafür steht Jan Scherrer (31). Vor vier Jahren gewann er in Peking noch Bronze in der Halfpipe. Nun musste er kurz vor der Qualifikation Forfait erklären. Und das nach zwei Jahren voller Verletzungspech. «Ohne die Rückschläge wäre Jan ein Medaillenkandidat gewesen», ist sich Giger sicher. 

Zum Glück gibt es Hoffnung, dass es bald wieder besser wird. Einer der Namen, der Mut macht, ist jener von Noémie Wiedmer. Die erst 18-jährige Berner Snowboardcrosserin kämpfte sich trotz eines Handgelenksbruchs über Weihnachten bis in den Final und wurde starke Vierte. «Für mich ist sie die positive Überraschung.»

Und Wiedmer steht nicht allein da. Neben ihr drängen weitere Talente in allen möglichen Disziplinen nach. Die Basis scheint gelegt, damit in Frankreich 2030 im Idealfall die nächste erfolgreiche Snowboard-Ära beginnt.

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