Schweizer vergoldeten den Olympia-Hang
Bormio, willst du unser 27. Kanton werden?

Die Schweizer Delegation brillierte. Noch nie gewannen wir so viele Olympia-Medaillen. Zu verdanken haben wir das unter anderem einem kleinen italienischen Dörfchen.
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Im House of Switzerland in Bormio stieg regelmässig eine Party am Abend.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweiz stellt mit 23 Medaillen einen neuen Olympia-Rekord auf
  • Franjo von Allmen holte als erster Schweizer drei Goldmedaillen
  • Vor allem das italienische Dörfchen Bormio brachte uns viel Glück
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Nicola AbtReporter Sport

Bormio, wir werden dich vermissen. Nicht, weil du besonders stimmungsvoll warst, sondern weil du uns einen Medaillensegen beschert hast, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Gleich elf unserer sagenhaften 23 Medaillen durften wir im Zielraum der legendären Stelvio bejubeln. Elfmal stiegen unsere Athletinnen und Athleten aufs Podest. Wir lagen uns in den Armen, schrien unsere Freude hinaus und ja, wir hatten Tränen in den Augen.

Beispielsweise als sich Franjo von Allmen zum dreifachen Olympiasieger krönte. Du hast aus ihm einen Superstar gemacht. Der Berner schrieb im italienischen Dorf Geschichte, indem er als erster Schweizer Skifahrer drei Goldmedaillen (Abfahrt, Super-G und Team-Kombi) bei denselben Spielen gewann.

Wir haben an deinem Hang aber nicht nur neue Helden gefeiert, sondern auch alte Flüche vertrieben. Jener im Slalom zum Beispiel, der uns seit 1948 begleitete, ist endlich gebrochen. Mit Loïc Meillard haben wir endlich wieder einen Olympiasieger in dieser Disziplin. Wie von Allmen schlug auch der Walliser dreimal zu.

Die Schweizer Fahnen verschwinden langsam

Gleiches gelang Marco Odermatt, der uns erinnerte, dass kein Sieg selbstverständlich sein darf. Und trotzdem fragten wir uns vor den Rennen jeweils nicht, ob er aufs Podest fährt, sondern nur noch, welchen Platz auf dem Treppchen er diesmal besteigen würde.

Besteigen ist ein gutes Stichwort. Als unsere Ski-Helden Bormio verliessen, übernahmen die Skibergsteiger und machten nahtlos da weiter, wo Odermatt und Co. aufgehört hatten. Marianne Fatton gewann Gold im Einzelsprint und Silber im Mixed-Team mit Jon Kistler.

Die letzten rot-weissen Fahnen verschwinden aus den Fenstern, und bald erinnert hier nichts mehr daran, dass wir dich für zwei Wochen fest in Schweizer Hand hatten. Und doch: In unseren Herzen hast du seit diesen Spielen einen ganz besonderen Platz.

Bormio als 27. Kanton?

Denn du warst ein entscheidender Teil unserer Rekordspiele – bei denen du im offiziellen Namen nicht einmal Erwähnung findest. Milano-Cortina – insgesamt gewann die Schweiz 23 Medaillen – so viele wie noch nie. Am letzten Olympia-Tag jubelten wir aber an anderen Orten. In Cortina sicherte sich der Viererbob von Michael Vogt die Bronze-Medaille. In der Curlinghalle mussten sich die Schweizerinnen mit Silber zufriedengeben. Gut drei Autostunden entfernt lief Langläuferin Nadja Kälin im Val di Fiemme sensationell zu Bronze über 50 Kilometer.

Das interessierte dich, liebes Bormio, nur noch am Rande. Du warst bereits damit beschäftigt, die letzten Olympia-Spuren zu beseitigen. Während wir am Sonntag noch weitere Medaillen gewinnen, wird das House of Switzerland in Bormio bereits langsam abgebaut.

Für uns bleibst du unvergessen. Was nicht nur an deinem Dorfwappen liegt. Schliesslich trägst auch du ein weisses Kreuz auf rotem Grund. Da wir uns in den letzten zwei Wochen derart angenähert haben, möchten wir dich noch etwas fragen: Willst du unser 27. Kanton werden?

Schliesslich sind wir dir zum Dank verpflichtet. Und du gehörtest ja schon einmal, fast zweihundert Jahre lang, zu uns. 1797 wurdest du uns weggenommen und gehörst seither zur Lombardei.

Also, überlege es dir, ob du zurückkommen willst und teil uns deine Entscheidung bei unserem nächsten Besuch mit. Denn wir werden wieder kommen. Bis dahin: Bormio, danke für alles!

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