Darum gehts
- Joscha Burkhalter, Schweizer Biathlet, entdeckte Scherenschnitt als entspannendes Handwerk
- Auch andere Schweizer Olympia-Stars gehen besonderen Hobbys nach
- Ein Skispringer steht auf japanische Autos, zwei Ski-Aushängeschilder auf Motocross
Joscha Burkhalter – der Scherenschnittkünstler
Woran denkst du, wenn es darum geht, wie sich Profisportler die freie Zeit vertreiben? Fifa zocken auf der Playstation? Ein Kartenspiel oder Yatzy? Vielleicht eine Runde Paddel? Wetten, dass Scherenschnitte nicht dabei sind. Auch Joscha Burkhalter (29) hat die Handwerkskunst erst vor gut einem Jahr für sich entdeckt – und merkte: «Das ist ja perfekt, um abzuschalten!» Der in diesem Winter beste Schweizer Biathlet, der das Männer-Team bei den anstehenden Olympischen Spielen anführen wird, war bewusst auf der Suche nach «etwas Traditionellem aus meiner Heimat», wie der Obersimmentaler sagt. «Scherenschnitte haben mich aufgrund der haargenauen, filigranen Arbeit schon immer fasziniert, richtig ausprobiert habe ich es dann aber erst im Rahmen eines Workshops.»
Seither weiss er genau, wie er zwischen Trainings oder Wettkämpfen herunterfahren kann. Er sitzt an den Tisch, packt das kleine Spezialscherlein aus und sinkt während des Zuschneidens in die Tiefenentspannung. Er mag den perfektionistischen Ansatz, dass für ein hübsches, symmetrisches Endprodukt alles passen muss: die Handarbeit, die Dicke des Papiers und eben das feine, dünne Schneideutensil.
Burkhalter sagt, als echtes Hobby, in das er seine komplette Freizeit investiert, würde er es nicht bezeichnen: «Aber es ist ein schöner Ausgleich, etwas wohltuend anderes für den Kopf. Gerade wenn wir nachmittags oder abends im Hotelzimmer sitzen.»
Dem Berner, der im letzten Sommer auch viel Energie in das Zusammenstellen eines neuen Biathlongewehrs gesteckt hat, gefallen traditionelle Motive. Bedienen würde er sich aber bei bereits existierenden Bildern. Etwas selber aufmalen sei weniger seine Stärke, meint er lachend.
Ideen hat Burkhalter, der in dieser Saison bislang das einzige Schweizer Einzel-Top-10-Ergebnis (in Annecy) holte, trotzdem: «Warum nicht ein Scherenschnitt mit den Olympischen Winterspielen als Inspiration?» Nicht auszuschliessen, dass dieser in den kommenden Tagen oder Wochen entsteht. Und ebenfalls gut möglich, dass er diesen dann – im Gegensatz zu den allermeisten anderen – nicht verschenkt, sondern für einmal selbst aufhängt. Umso mehr, sollte ihm in Antholz ein Olympia-Exploit gelingen.
Franjo von Allmen und Camille Rast – die Motocrosser
Je schneller, desto besser. Entweder auf dem Schnee oder dann im Schotter. Franjo von Allmen (24) braucht den Adrenalinkick. Wenn ihn der Abfahrtsweltmeister nicht gerade auf der Skipiste bekommt, dann hilft das Motocrossfahren aus. Nach der Saison schwingt er sich liebend gerne auf den Töff. Wie er zu diesem Hobby kam? «Ich habe manchmal auf der Strasse Kapriolen gemacht und nicht immer nur positive Rückmeldungen erhalten. Darum habe ich mich der Sicherheit willen dazu entschieden, auf die Strecke zu wechseln.»
Und übrigens: Auch Slalom-Weltmeisterin Camille Rast (26) hat ein Herz für Motocross, wie ein Bild aus ihrer Kindheit zeigt. Ihr Vater war Motocrossfahrer. Ausserdem ist sie grosser MotoGP-Fan.
Niklas Hartweg – der Rapper
Im Biathlon reist Niklas Hartweg (25) als einer der Olympia-Hoffnungsträger nach Antholz, in der Musikwelt ist er derweil als «Nik Perry» unterwegs. Der Schwyzer ist nebenbei leidenschaftlicher Rapper und hat schon diverse Tracks im Dialekt und auf Hochdeutsch rausgebracht. Hin und wieder veranstaltete er gemeinsam mit Teamkollegen auch schon kleine Zimmer-Raves, wenn es im Weltcup etwas zu feiern gab. Das mobile Mischpult darf dann nicht fehlen.
Eliane Christen – die Kletterin
Egal, was sie anpackt: Eliane Christen (27) will hoch hinaus. Im Slalom fuhr sie diesen Winter mit zwei neunten Plätzen ihre bislang besten Weltcup-Resultate heraus. In der freien Zeit? Ruft ebenfalls der Berg. Dann gehts ans Klettern, steil den Hang hoch. Die Urnerin liebt die Natur. Sie lebt ziemlich abgelegen in Hospental, zusammen mit 300 Schafen. Daneben studiert sie noch Agrarwissenschaften an der ETH Zürich.
Janik Riebli – der Käser
Wenn Janik Riebli (27) in Richtung seines Heimatortes Giswil OW fährt, macht sein Herz Luftsprünge. An keinem anderen Ort auf dieser Welt kann der Langlauf-Top-Sprinter besser abschalten. Die Arbeit auf dem familieneigenen Hof ist zwar pickelharte Arbeit, für den gelernten Landwirt aber mentale Erholung pur. Besonders, wenn er Zeit auf der Alp Jänzimatt, 1650 Meter über Meer, verbringen kann: «Hier oben steht die Zeit still, das ist eine ganz eigene Welt». Hier hilft er auch bei der Produktion vom Alpkäse mit, den Riebli gar in seinem eigenen Fanshop verkauft. Das Käsen (mit 12-Kilo-Brocken) geht in die Arme, übertreiben darf er es deswegen nicht.
Felix Trunz – der Autofreak
Felix Trunz (19) hat nicht nur ein Flair fürs Fliegen, sondern auch für schnelle Karren. Vor allem für japanische Modelle begeistert sich das junge St. Galler Skisprung-Talent. Feuer für verrückte Autos fing er einst bei Filmen oder Videospielen wie «Cars», «Toyko Drift» und «Need for Speed», jetzt steht bei ihm zu Hause ein Nissan Skyline. An diesem will er selbst herumschrauben, sobald es die Zeit nach seinen ersten Winterspielen wieder zulässt.
