Darum gehts
- Alessandra Keller startet am 15. März erstmals beim Cape Epic in Südafrika
- Ihre Teamkollegin Candice Lill stand dort schon fünfmal auf Platz zwei
- Könnte ihr ein Wasserbüffel zum Sieg verhelfen?
Eigentlich kämpft Alessandra Keller (30) jeweils allein gegen die Besten der Welt. Am kommenden Sonntag ändert sich das aber komplett. Keller startet erstmals am Cape Epic – der «Tour de France des Mountainbikes». Während acht Tagen wird sie sich durch die sengende Hitze in der Region Westkap in Südafrika quälen und dabei rund 16’000 Höhenmeter bewältigen. Immer mit dabei: ihre Teamkollegin Candice Lill (34). Beim legendären Rennen startet man nämlich in Zweierteams.
«Einmal am Cape Epic zu starten, war schon lange mein Traum», sagt Keller. Dass es jetzt mit 30 Jahren endlich dazu kommt, hat einen einfachen Grund: Weil Lill seit dieser Saison genau wie Keller auf ein Bike des Berner Herstellers Thömus setzt, wurde die Teilnahme erstmals realistisch.
Die Südafrikanerin stand beim Cape Epic bereits fünfmal auf Platz zwei und kennt das knallharte Rennen wie kaum eine andere. Keller sagt: «Sie war definitiv meine Wunschkandidatin – vom Fahrstil, vom Charakter und von der Erfahrung her.»
Defekte könnten für Keller zu einer Herausforderung werden
Um sich auf die Herausforderung Cape Epic optimal vorzubereiten, wo «das Anforderungsprofil ganz anders ist als im Shorttrack oder im Cross Country», verbrachte Keller zu Beginn dieses Jahres mehrere Wochen in Südafrika. Dort trainierte sie teilweise mit Lill und bestritt auch ein erstes Testrennen.
Ganz ohne Probleme verlief die Hauptprobe allerdings nicht. Zweimal musste Keller wegen eines Defekts selbst zum Flickzeug greifen. Etwas, das sie sonst nur ganz selten macht. Keller verrät lachend: «Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin eine sehr schlechte Mechanikerin.»
Im Nachhinein sieht die Nidwaldnerin darin aber einen Vorteil. «Denn beim Cape Epic muss man sich auf der Strecke selbst helfen können.»
Keller ist deshalb optimistisch: «Nun habe ich hoffentlich gerade das, was es dann braucht.» Beim Rennen in Stellenbosch habe sie jedenfalls beide Defekte selber behoben und es «tipptopp ins Ziel geschafft».
Warum ein Wasserbüffel zum Sieg verhelfen könnte
Auch das Teamgefühl wird für die Shorttrack-Weltmeisterin neu sein. Im Weltcup hat sie zwar auch ein Team um sich herum, doch auf der Strecke kämpft sie trotzdem allein. Beim Etappenrennen durch Südafrika sind die Fahrerinnen plötzlich auch von der Leistung der Teamkollegin abhängig.
Keller sieht das aber locker. Zu Blick sagt sie: «Logisch wird es Tage geben, da läuft es ihr besser, und Tage, an denen es mir besser läuft. In acht Tagen kann aber vieles passieren. Es gilt, jeweils die Stärke der anderen zu nutzen.»
Ein Symbol dafür hat Keller schon gefunden. Bei einer Safari in Südafrika kam ihr die Idee zum Teammotto «One for all, all for one». Der Auslöser dafür? Ein Wasserbüffel. «Denn diese leben in einer Demokratie und lassen nie jemanden zurück», erzählt Keller. «Wenn ein Junges attackiert wird, kämpfen sie so lange, bis der Angreifer weg ist. Das werden wir auch tun.»
Findet der Weltcupauftakt in Südkorea ohne Keller statt?
Nach dem Abenteuer in Südafrika dürfte für Keller die Regeneration im Fokus stehen. Ob sie Anfang Mai beim Weltcupauftakt in Südkorea startet, «wird sich nach dem Epic zeigen».
Die Reise, die Zeitverschiebung und die Belastung könnten jedenfalls gegen einen Einsatz sprechen. Denn Keller sagt: «Ich möchte an den Rennen, an denen ich starte, auch liefern können.» Das grosse Ziel bleibt deshalb der weitere Verlauf der Saison. Am Ende möchte Keller dort nämlich wieder zu den «Big Five» gehören. Der Wasserbüffel macht es ihr vor.