Darum gehts
- Bjorn Riley (24) wird Red-Bull-Athlet und beeindruckt mit einzigartigem Fahrstil
- Überraschung in Les Gets: Neuer Helm, grössere Förderung und Trainingszugang
- Riley lebt teils in Feldbach ZH, besucht USA nur drei Wochen jährlich
Bjorn Riley (24) ist anders. Auf dem Mountainbike sowieso. Aber auch daneben. Der US-Amerikaner springt, whipt und tanzt mit seinem Bike über die Strecken wie kaum ein anderer. Gleichzeitig arbeitet er akribisch an seiner Leistung. Nun bekommt der ungewöhnliche Profi eine neue Bühne: Riley ist neu Red-Bull-Athlet. Laut Scott-Sram-Teamchef Thomas Frischknecht (56) erinnert er an einen gewissen Lucas Braathen (26).
«Es gibt keinen zweiten wie ihn»
«Er ist definitiv einer der technisch versiertesten Fahrer überhaupt», sagt Frischknecht im Gespräch mit Blick. Riley sei nicht zwingend schneller als die allerbesten Fahrer. «Aber es sieht super aus, wie er seinen Style hat. Es ist fast schon Signature-mässig.»
Frischknecht wurde schon auf Riley aufmerksam, als dieser in der U23 fuhr. Bei der Talentsichtung fiel dem Teamchef vor allem dessen Technik auf. «Er hebt sich wirklich ab. Es gibt nur einen Bjorn. Es gibt keinen zweiten wie er.» Riley habe schwierige Dinge schon beherrscht, bevor er überhaupt mit Rennen begonnen habe.
Riley selbst bezeichnet sich als halber Athlet, halber Künstler. Er malt, ist kreativ und braucht diese Auszeiten. «Er ist ein ungeschliffener Diamant, der noch Potenzial hat», sagt Frischknecht. Zu stark eingreifen will er aber nicht. «Ich möchte ihm möglichst viel Freiheit lassen, seine Kreativität ausleben zu können, dass er so bleiben kann, wie er ist.»
Überraschung mit dem Red-Bull-Helm
Diese Freiheit dürfte nun noch wertvoller werden. In Les Gets (Fra) wurde Riley mit seinem neuen Red-Bull-Helm überrascht. Er wusste nichts davon. Zuvor war er Teil des Red-Bull-Talentpools, konnte von verschiedenen Angeboten profitieren, war aber noch kein offizieller Athlet. Mit dem Helm folgte der nächste Schritt, inklusive grösserem finanziellen Engagement und Zugang zu den Trainingszentren. Die Überraschung ging Riley sichtlich nahe. «Das war effektiv nichts gespielt», erzählt Frischknecht. «Er war total aus dem Häuschen.»
Fast ein zweites Zuhause
Dass Riley bei Scott-Sram seinen Platz gefunden hat, liegt nicht nur am Sport. Einen Teil des Jahres wohnt er bei Frischknecht und seiner Frau Sibylle in Feldbach ZH am Zürichsee. «Auch meine Frau Sibylle hat Bjorn wie ein Familienmitglied aufgenommen», erzählt Frischknecht. Riley hilft beim Kochen, die beiden verstehen sich bestens und lachen viel zusammen. Im zweiten freien Zimmer wohnt die kanadische Mountain-Bike-Meisterin Emily Johnston (24). Im Winter lebt Riley in Girona (Spa). In seine Heimat USA fliegt er nur noch rund drei Wochen im Jahr.
Auch im Team ist Riley längst angekommen. Mit Fabio Püntener (25) teilt er sich das Zimmer. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein. «Der Bjorn tut allen gut», sagt Frischknecht. Gleichzeitig könne Riley von seinen Schweizer Teamkollegen lernen. Von Filippo Colombo (28) und Püntener etwa Pünktlichkeit und Professionalität. Denn beim Freigeist Riley herrscht durchaus auch mal Chaos.
Püntener bestätigt das gegenüber Blick und bezeichnet seinen Zimmerkollegen als «grossen Chaoten». Gleichzeitig schätze er Rileys amerikanischen Freigeist. Auch Filippo Colombo (28) ist voll des Lobes. «Er ist wirklich eine gute Person für uns», sagt der Tessiner. Riley mache «eine ziemliche Welle», spiele dieses Spiel aber sehr bewusst. «Solange er ein guter Typ bleibt, ist das wirklich etwas, das für mich zählt.»
Genau dabei helfen Frischknecht seine Erfahrungen. Nach 24 Jahren mit Nino Schurter (40) erlebt er mit Riley seinen «zweiten Frühling». Auch mit Olympiasiegerin Jenny Rissveds (32) hat er erfahren, wie schnell ein Aufstieg kippen kann. «Wenn du einmal oben angekommen bist und alle etwas von dir wollen, braucht es Leute, die schauen, dass die Füsse auf dem Boden bleiben und dass der Athlet auch gewissermassen geschützt wird vom grossen Interesse an ihm.»
Riley bringt dafür alles mit. Mit 14 Jahren wurde er US-Nationalmeister im Langlauf-Cross-Country. «Vom athletischen Motor her hat er einfach die besten Voraussetzungen», sagt Frischknecht. Weltmeister? Olympia? Möglich. «Er ist einer von denen, die das Potenzial haben, einmal Weltmeister zu werden. Oder wer weiss – Olympia.»