Darum gehts
- Cyrill Müller plant 20'000-Kilometer-Weltumrundung in weniger als 500 Tagen
- Er rennt ohne Trainer, nutzt Wissen aus seiner Fussballzeit
- Am 30. Juli: 300 Kilometer Genf–Zürich in 35 Stunden nonstop
Schon im Kindergarten träumte Cyrill Müller (18) von einer Weltreise im Wohnmobil. Jetzt macht er Ernst – allerdings ohne Motor. Der St. Galler will die ganze Welt im Laufschritt umrunden. Das verrückte Ziel des Ultrarunners: 20'000 Kilometer in weniger als 500 Tagen.
Dafür bereitet sich Müller seit einem halben Jahr vor. Der St. Galler sagt, er war schon immer polysportiv. Zuletzt war der Fussball seine grosse Leidenschaft. Die Enttäuschung sei gross gewesen, als es mit dem Sprung in den Profisport nicht klappte.
Mehr als ein Marathon pro Tag
Das sei nun aber der Ansporn für seine nächste Herausforderung, die er sich auferlegt hat. Als Inspiration dient der Ultrarunner aus Berlin, Arda Saatçi (28). Ansonsten bereitet sich der St. Galler praktisch alleine auf sein Wahnsinnsprojekt vor. Sein Wissen über Trainingsmethoden habe er sich während seiner Zeit als Fussballer angeeignet. Einen Mental-Trainer hat Müller ebenfalls nicht: «Ich bin sozusagen mein eigener Mental-Coach. Ich habe aber auch einen sehr guten Freund, der mich kennt und mich in diesem Bereich unterstützen kann.»
Keine Trainer, nur Familie und Freunde
Müller ist davon überzeugt, dass er die 20'000 Kilometer absolvieren wird – komme, was wolle. Er schildert eine grobe Route durch Europa, Asien und Nordamerika. Dabei soll ihn ein dreiköpfiges Team, bestehend aus Freunden, mit einem Wohnmobil begleiten. Wo exakt die Route in den jeweiligen Ländern verläuft, steht hingegen noch nicht fest.
Angesprochen auf die Kriterien seiner Routenplanung sagt Müller: «Da bin ich eigentlich ganz offen. Es geht mir lediglich darum, dass ich auf 20'000 Kilometer komme. Wenn das Projekt so grosse Ausmasse annimmt, werde ich darauf achten, dass ich an Orten vorbeilaufe, wo Fans gut hinkommen könnten, um dabei zu sein.»
Sponsorenlauf von Genf nach Zürich
Gegenüber Blick erklärt der St. Galler, die vielen Grenzübergänge – mindestens zwölf Landesgrenzen muss er überqueren – habe er aber mit den jeweiligen Behörden bereits abgeklärt: «Ich habe alle Länder per E-Mail kontaktiert. Genauer gesagt habe ich mich an die Hauptstädte gewandt und wurde dann jeweils an die richtige Stelle weitergeleitet. Ich hatte eigentlich nirgends Probleme damit.» Wann er losrennt, lässt Müller derzeit noch offen. Er versichert aber, dass er sein verrücktes Vorhaben noch dieses Jahr in Angriff nehme.
Erste Sponsoren sind an Bord. Neue Geldgeber will er mit einem brutalen Härtetest anlocken: Müller rennt am 30. Juli von Genf nach Zürich. 300 Kilometer in nur 35 Stunden – ohne Pause. «Damit will ich den Medien und potenziellen Sponsoren beweisen, dass ich es mit meinem Projekt ernst meine», so Müller.
Müller sieht keine Schwächen
Im Gespräch mit Blick zweifelt der Sportler kaum an sich. Seine Mutter hat hingegen gemischte Gefühle: «Mir wäre es lieber, er würde zuerst eine Lehre machen.» Auf die Frage, ob er bei sich Schwächen in Bezug auf den Lauf sieht, antwortet der St. Galler: «Läuferisch bin ich ziemlich fit, würde ich sagen. Auch mental, sowieso.»
Er habe noch nie eine gröbere Verletzung erlitten: «Da bin ich genetisch wirklich gut aufgestellt», sagt er. So seien auch Blasen an den Füssen kein Thema. Bei seinem Lauf durch Europa, die russische Tundra, die US-Wüsten und über die Rocky Mountains wird diese Überzeugung wohl auf den Prüfstand gestellt.