Darum gehts
- Beth Dobbin startete 2021 bei Olympia, heute liegt sie fast nur noch im Bett
- Sie hat eine neurologische Krankheit infolge von Covid-19 und dem Epstein-Barr-Virus
- Gespräche, Licht oder Lärm können Zusammenbrüche auslösen, ein Heilmittel gibt es derzeit nicht
2021 stand sie bei Olympia in Tokio am Start, heute schafft sie es kaum noch aus dem Bett. Das ist das tragische Schicksal der schottischen Sprinterin Beth Dobbin (32).
«Nach Kleinigkeiten wie einer Blutuntersuchung beim Arzt lag ich teils schon monatelang im Bett. Dieses Interview zu führen und 30 Minuten lang zu plaudern, könnte Auswirkungen auf mich im Jahr 2027 haben», erklärt sie im Interview mit der BBC.
Der Horror hat seinen Ursprung im Winter um die Jahreswende von 2021 auf 2022. Innert kurzer Zeit erkrankte Dobbin an Covid-19 und dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber). Ihre Leistungen liessen etwas nach. Mit der Zeit kamen Schmerzen in den Lymphknoten am Nacken und den Achselhöhlen hinzu. Weil Untersuchungen keine Aufschlüsse brachten, machte sie weiter – mit zunächst beachtlichem Erfolg. Sie qualifizierte sich 2022 für die WM, die Commonwealth Games, bei denen sie mit der 4x400-Meter-Staffel sogar die Bronzemedaille gewann, und die EM.
Doch ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. An der WM quälten sie Halsschmerzen, bei den Commonwealth Games wurde ihr beim Laufen schwindlig. Bei der Europameisterschaft Mitte August war der zwischenzeitliche Tiefpunkt erreicht. Im Vorlauf über 200 m verursachte sie einen Fehlstart, weil sie ihre Beine nicht mehr spürte. Sie versuchte es bei Weltklasse Zürich Anfang September noch ein letztes Mal, doch ihre Karriere war nicht mehr zu retten.
«Es ist lebenszerstörend»
Von da an wurde ihr Leben immer mehr zur Hölle. Mittlerweile ist klar: Dobbin leidet an Myalgischer Enzephalomyelitis (ME), die das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) auslöst. Wegen der chronischen neuroimmunologischen Multisystemerkrankung ist die einstige Profisportlerin heute 22 Stunden täglich ans Bett gefesselt. Ihr Haus hat sie in diesem Jahr erst fünfmal verlassen, erzählt sie. Das Interview gibt sie zu Hause im englischen Doncaster, wo sie mit ihrer Familie lebt. «Es ist lebenszerstörend, wie ich es gar nicht in Worte fassen kann. Ich habe das Gefühl, alles verloren zu haben.»
Ein Gespräch oder etwas Simples wie ein grelles Licht oder ein lautes Geräusch können einen Zusammenbruch auslösen, der 24 bis 48 Stunden oder im schlimmsten Fall mehrere Monate andauern kann.
Dobbins Leben wird auch bei einer Linderung der Symptome aller Voraussicht nach ein Auf und Ab bleiben. Denn für ME gibt es derzeit kein Heilmittel.