Darum gehts
- Sprinter William Reais fuhr per Anhalter von Barcelona nach Zürich
- Er budgetierte vier Tage, war aber deutlich schneller
- Ein Mann hat ihn auf dem verrückten Trip besonders beeindruckt
Die reine Flugzeit zwischen Barcelona und Zürich beträgt rund eine Stunde und 50 Minuten. William Reais (27) hat für diese Strecke allerdings vier Tage budgetiert – und eine viel abenteuerlichere Reisevariante gewählt. Der Bündner Sprinter, der sich im Juli zum Schweizer Meister über 100 und 200 m kürte, hat einen Autostop-Trip unternommen. Weil er sich selbst herausfordern wollte. Und weil er sich von der Reality-Serie «The Race», bei der sich die Teilnehmer ohne Geld und mit selbst organisiertem Transport ein Wettrennen quer durch verschiedene Länder liefern, inspiriert fühlte.
Ganz ohne Muffensausen ging es letztlich aber doch nicht. Die Reise, die er auf Instagram festhielt, startete er lachend und mit den Worten: «Warum mache ich das eigentlich? Ich bin so blöd.» Am Ende ging sein Plan jedoch nahezu perfekt auf. Reais benötigte acht Mitfahrgelegenheiten sowie einen kurzen Spaziergang über die Grenze von Saint-Louis nach Basel, um in die Schweiz zu gelangen. Und vor allem: Er schaffte den Trip in gerade einmal 34 Stunden und mit bloss einer Übernachtung. In Lyon.
«… und Metzger ist er auch noch»
Der Churer erzählt: «Zu Hause fragte ich mich: Was ist eigentlich gerade passiert? Am Anfang war es für mich sehr unangenehm, einfach so fremde Menschen anzusprechen. Ich glaube aber, ich habe durch diese Reise gelernt, offener und aktiver auf Leute zuzugehen.»
Ein Mann ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: «Der gute Mohammed», der ihn mit 84 Kilometern eine vergleichsweise kurze Strecke mitnahm, dafür jedoch eine gefühlte Ewigkeit brauchte. «Ich musste mit ihm ein paar Dinge erledigen gehen. Wir gingen zusammen Getränke abholen. Er besitzt einen Gemüseladen – und Metzger ist er auch noch. Später hielt er an und kaufte mir einen Tee. Er schlug mir immer die Hand weg, wenn ich irgendwie behilflich sein wollte. Ich werde ihn nie vergessen.»
Eine junge Frau namens Fanny nahm ihn auf eine Sightseeing-Tour in Lyon mit, andere wollten ihn bei Raststätten absetzen, verpassten diese aber, sodass Reais zweimal bei Autobahn-Einfahrten strandete.
Der Bart musste dran glauben
Angst, dass ihm etwas zustossen würde, habe er keine gehabt, sagt Reais. Dafür Respekt davor, dass er im Nirgendwo einfach stehengelassen werden könnte: «Ich habe für diese Reise bewusst meinen Bart abrasiert und helle Kleidung mitgenommen – und ich habe mit meinem Umfeld stets meinen Standort geteilt.» Sprint-Kumpel Jason Joseph (28) etwa sei «einer der Glücklichen» gewesen.
Was er vom verrückten Trip mitnimmt, ist für ihn klar: «Eine grosse Portion Optimismus. Beim Trampen hast du keine Ahnung, wie es herauskommen wird. Genau wie im Sport. Du musst nehmen, was kommt.»
Reais spricht von einem «grossen Spass», aber auch davon, dass er den Trip wohl nicht noch einmal machen würde. Er muss lachen: «Der erste Eindruck ist beim Trampen extrem wichtig. Lächeln, winken, freundlich dreingucken. Das ist auf Dauer schon auch sehr anstrengend.»