«Uns den Sieg gekostet»
Englands Ex-Stars rechnen mit Tuchel ab

Englands Trainer Thomas Tuchel stellt mit der Führung im Rücken im WM-Halbfinal gegen Argentinien auf eine Fünferabwehr um – und erleidet damit Schiffbruch. Die Kritik aus dem Mutterland des Fussballs lässt nicht lange auf sich warten.
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Lautaro Martinez köpfelt Argentinien mit seinem Tor in der 92. Minute in den WM-Final.
Foto: AFP
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Yannick PengRedaktor Sport-Desk

Bis zur 85. Minute mit 1:0 in Führung und dann dennoch den WM-Final verpasst – England, das Mutterland des Fussballs, leckt nach der dramatischen Niederlage gegen Argentinien (1:2) die Wunden und sucht nach einem Schuldigen: Gefunden scheint dieser in Thomas Tuchel (52), dem deutschen Trainer der Three Lions.

«Die Entscheidungen, die Tuchel getroffen hat, haben uns heute Abend den Sieg gekostet», ärgert sich der 120-fache Internationale Wayne Rooney (40) im Studio der BBC. «Bei allem Lob, das wir Thomas Tuchel gezollt haben – dass er so schnell umgestellt hat, bedeutet, dass er nicht an seine Mannschaft geglaubt hat, dass er nicht dachte, sie könnte Argentinien noch weitere Schläge versetzen», urteilt der ehemalige englische Keeper Joe Hart (39, 75 Einsätze).

Torschütze musste für zusätzlichen Verteidiger Platz machen

Gegen den Titelverteidiger geht England in Atlanta dank Offensivakteur Anthony Gordon in Führung (55.). In der 72. Minute nimmt Tuchel seinen Torschützen dann runter und bringt stattdessen mit Ezri Konsa einen zusätzlichen Innenverteidiger. «Taktisch gesehen lag er heute falsch. Als wir auf eine Fünferkette umgestellt haben, dachte ich, wir hätten den Schwung beibehalten und Flügelspieler einwechseln können», sagt Micah Richards (38), der 13 Länderspiele für England absolvierte.

Von einer «taktischen Katastrophe» spricht Chris Sutton (ein Länderspiel für die Three Lions). Man könne nicht erwarten, 30 Minuten lang gegen eine Mannschaft von der Qualität Argentiniens zu verteidigen, erläutert der 53-Jährige im BBC Radio. Erst nachdem die Gauchos die Partie gewendet haben, sorgt Tuchel mit Ivan Toney und Marcus Rashford notgedrungen für frisches Blut in der englischen Offensive. Von dieser ist nach dem Gordon-Treffer nichts mehr gekommen.

Und was sagt Tuchel selbst? «Im Moment bereue ich nichts. Man kann das mit einer Million Trainern diskutieren, aber ich muss auf dem Platz eine Entscheidung treffen. Ich habe mich für eine bestimmte Vorgehensweise entschieden. Das liegt in meiner Verantwortung.»

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