«Müssen einfach cool bleiben»
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Erneuter Gruppengegner Serbien:«Müssen einfach cool bleiben»

Taulant Xhaka rät seinem Bruder: «Bleib einfach cool, Granit!»
Das heisseste Nati-Spiel des Jahres

Am Freitag gehts um alles – und das ausgerechnet gegen Serbien. Granit Xhaka (30) verhält sich souverän, und dennoch ists ein emotionales Spiel: Sein Papa litt einst im Knast. Jetzt spricht Taulant Xhaka im Blick.
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Taulant Xhaka (r.) spricht vor dem heissen Serbien-Spiel über Bruder Granit.
Foto: TOTO MARTI
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Andreas Böni

Es ist ein Abend für die Geschichtsbücher: Bei der WM 2018 in Russland schlägt die Nati Serbien mit 2:1. Aus den Torschützen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, unseren beiden Stars mit Wurzeln in Albanien, bricht alles heraus. Beide jubeln mit dem Doppeladler.

Nun kommts vier Jahre später zum Finalspiel um die Achtelfinal-Qualifikation. In Katar, gegen Serbien. Und es soll ruhig bleiben. Granits Bruder Taulant (31) sagt zu Blick: «Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich gar nicht gefreut bei der Auslosung, wegen der ganzen Emotionen, wegen der ganzen Vergangenheit mit Granit. Aber: Ich habe mit Granit lange darüber geredet, sehr lange. Ich habe ihm gesagt: ‹Egal, was passiert in diesem Spiel, ob du ein Tor machst oder ihr gewinnt oder verliert – bleib einfach cool und mach dein Spiel.› Schlussendlich geht es nicht um Politik, sondern es ist ein Fussballspiel.»

Die Geschichte des Vaters

Um die Xhakas zu verstehen, muss man die Geschichte von Papa Ragip kennen. «Ich wurde verhaftet und gefoltert», erzählt er Ende März 2022 vor dem Nati-Spiel gegen den Kosovo (1:1) im Blick. Voller Vorfreude, dass er zur WM in Katar will. Ein paar Tage später bekommt die Schweiz Serbien zugelost – Familie Xhaka bleibt zu Hause.

Ragip kommt 1963 in Pristina im damaligen Jugoslawien zur Welt. Er spielt Fussball, eher wie Taulant, eher hart als filigran, muss nach einem Beinbruch mit 17 aufhören. Mit 23, als Student der Agrarwissenschaften, demonstriert er für ein besseres Leben, weil er mit der kommunistischen Führung unzufrieden ist. «Es waren friedliche Demonstrationen, bei denen wir von Anfang an von der Polizei niedergeknüppelt wurden», erzählt er. «Sie schlugen uns, bis wir nur noch am Boden lagen.»

Im Bett festgenommen

Es ist morgens um fünf Uhr, als Polizisten über die Mauern seines Elternhauses klettern. Seine Mutter fragt, was sie wollen. «Ihren Sohn», antworten diese und stürmen das Zimmer. «Ich erschrak fürchterlich, es war ein Schock fürs Leben. Man gab mir eine Sekunde Zeit, eine Hose und einen Pullover anzuziehen. Dann legte man mich in Handschellen, packte mich in den Kastenwagen und brachte mich ins Gefängnis.»

Begründung: Auflehnung gegen den Staat. Man bringt ihn in eine vier auf zwei Meter grosse Zelle mit vier anderen Männern, inklusive einer Toilette für alle fünf Menschen. Jeden zweiten Tag wird er geholt: «Um ein Geständnis zu erzwingen. Ich wurde gefoltert, sechs Monate lang, jeden zweiten Tag. Man schlug mich auf die Handflächen, auf die Fusssohlen, auf die Beine, auf die Arme, auf den Oberkörper. Mit Polizei-Knüppeln, mit Schlagstöcken.» Er bleibt hart, gesteht nicht.

Zu drei Jahren verurteilt

Er wird zu über drei Jahren Knast verurteilt. Aber irgendwann setzt sich Amnesty International für ihn ein – und das mit Erfolg. Eines Tages stellt man ihn vor die Gefängnistüre, er sei frei – er kämpft sich nach Pristina zu seinen Verwandten zurück. «Alle weinten. Auch meine Frau, die dreieinhalb Jahre auf mich gewartet hatte, konnte mich endlich in die Arme schliessen.»

Papa Xhaka plant die Flucht, aus Angst, wieder verhaftet zu werden. Er will nach Amsterdam – und landet am Zürcher Hauptbahnhof. Freunde seiner Frau wohnen in Rothrist im Aargau. «Sie sagten uns, wir sollen vor der Weiterreise zwei, drei Tage zu ihnen kommen, um uns auszuruhen. Als wir dann bei ihnen waren, überwältigte mich ein Gefühl der Sicherheit. Ich wusste, dass ich hier nicht mehr wegwill.»

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«Was mein Vater erlebt hat, wünscht man niemandem»
Granit Xhaka
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Die Behörden geben dem Paar den Flüchtlingsstatus. Papa Xhaka arbeitet sofort, erst als Kellner, dann auf dem Bau – und schliesslich als Landschaftsgärtner. «Plötzlich konnte ich etwas machen, was nah an meinem Agronomie-Studium war. Ich bekam die unbeschränkte Aufenthaltsbewilligung. Was war das für ein Gefühl!»

Die Söhne Taulant (1991) und Granit (1992) kommen hier zur Welt. Granit sagt dazu beim Blick-Termin in London: «Was mein Vater erlebt hat, wünscht man niemandem. Ich weiss bis heute nur die Hälfte dieser schlimmen Geschichte. Als ich zwanzig war, wollte ich jedes Detail wissen. Ich habe gefragt und gefragt, bis mein Vater jeweils einfach davonlief, weil er nicht mehr konnte. Heute weiss ich, dass ich sachte vorgehen muss. Das war für ihn eine schlimme Zeit.» Ragip: «Da hat er recht. Nur meine Frau und mein Vater wissen alles. Meine Söhne müssen nicht alle Details kennen.»

Kein Problem mit Serbiens Spielern

Granit Xhaka kommuniziert im Vorfeld der Partie souverän. Und trotzdem ist das Aufeinandertreffen aufgeladen. Taulant ist mit Albanien mittendrin, als es 2014 in der Euro-Quali in Belgrad zu Ausschreitungen und einem Spielabbruch kommt. Taulant dazu: «Das war schon heftig damals. Ich hatte es mir auch nicht so vorgestellt. Natürlich wusste ich, dass es eine hitzige Partie wird. Aber dass es dann so aus dem Ruder läuft, hätte ich mir nicht vorstellen können. Aber das war 2014, das ist Vergangenheit. Wir müssen vorwärts schauen.»

Die Gegenwart heisst nun Serbien. Taulant sagt dabei: «Mit den serbischen Spielern ists dabei gar kein Problem. Aber die Frage ist, wie sie aufgeputscht werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass die serbischen Medien das Ganze wieder aufzuheizen probieren. Dass man versucht, Granit und Xherdan zu provozieren. Darauf müssen sie sich gefasst machen und locker bleiben.»

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