Darum gehts
- Sandro Schärer bleibt bei der WM ohne Einsatz als Hauptschiedsrichter
- Schärer leitete zuvor ein Champions-League-Halbfinal und gehört zu Europas Top-Schiedsrichtern
- Experte Urs Meier kritisiert die Fifa-Entscheidung und zeigt Unverständnis
Die Schweiz stellt mit Sandro Schärer (38) zwar erstmals seit 16 Jahren wieder einen WM-Schiedsrichter, bislang war er jedoch lediglich als Vierter Offizieller gefordert. Dabei wird es allem Anschein nach auch bleiben. Bei Experten und Fans stösst dies auf Unverständnis.
Urs Meier, Sandro Schärer kam bei der WM in der Schiri-Chefrolle noch immer nicht zum Einsatz. Wie erklären Sie sich das?
Ich habe wirklich keine Ahnung, was die Fifa mit Sandro an dieser WM vorhatte. Ihn nur mitzunehmen, damit er Erfahrung für in vier Jahren sammelt? Das mag sein, wäre meiner Meinung nach aber völlig falsch. Natürlich kann man Schiris zur Förderung nominieren – aber nicht solche auf Sandros Niveau. Er hat immerhin den Champions-League-Halbfinal geleitet und gehört zu Europas Top-Schiedsrichtern. Diesen Ansatz könnte ich daher nicht nachvollziehen.
Dass Schärer offenbar nur auf der Liste der Backup-Schiedsrichter steht, wäre wohl die simpelste Erklärung.
Das scheint so zu sein. Wenn man ihn vor vier Jahren in dieser Rolle mitgenommen hätte, dann hätte ich vollstes Verständnis gehabt. Von mir aus auch noch vor zwei Jahren, aber jetzt habe ich kein Verständnis mehr dafür. Er ist in einer Superform und auf einem Niveau, das einige WM-Schiedsrichter nicht haben.
Wie konnte es trotzdem so weit kommen?
Ich verstehe es wirklich nicht. Das wäre etwa so, wie wenn man einen Manzambi dabei hätte, von dem man genau weiss, dass er in einer Traumform ist, und man dann sagt: «Manzambi, du bist noch zu jung. Setz dich jetzt mal auf die Ersatzbank und schau mal zu. In vier Jahren kannst du davon profitieren.» Das ist doch Blödsinn.
Vor gut zwei Wochen waren Sie noch optimistisch, dass Schärer an dieser WM noch eingesetzt wird. Glauben Sie immer noch daran?
Nein. Den Optimismus, den ich damals noch hatte, hatte ich, weil ich mir nichts anderes hätte vorstellen können. Den habe ich momentan nicht mehr.
Wie bewerten Sie generell die Schiedsrichterleistung an der WM?
Sehr durchzogen. Man hat starke Schiedsrichterleistungen gesehen, aber natürlich auch weniger gute. Diejenigen, die nicht so gute Leistungen gebracht haben, sind nicht auf diesem Niveau, weil sie in ihren Kontinental- und Nationalverbänden nicht die Möglichkeit haben, auf diesem Niveau zu pfeifen.
Erläutern Sie bitte.
Ich mache ein Beispiel: Die Top-5-Ligen Europas sind Formel 1. Champions League ist Formel 1. Sandro hat also diese Formel-1-Erfahrung. Das haben Schiedsrichter aus Ozeanien oder Afrika nicht. Die sind maximal auf Formel-2-Niveau. Sie reisen dann aber an eine WM, die sich auf Formel-1-Niveau bewegt – von der Geschwindigkeit und vom Druck her. Und dann sind sie in gewissen Situationen schlicht überfordert.
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