Darum gehts
- Streit um Embolos Gelb-Rot im WM-Viertelfinal Schweiz–Argentinien eskaliert öffentlich
- Ifab erklärt Schiedsrichter-Entscheidung für regelwidrig, Fifa unterstützt Schiedsrichter
- Portugiesischer Schiri ist sich keines Fehlentscheids bewusst
Zweieinhalb Wochen nach dem WM-Viertelfinal Schweiz–Argentinien eskaliert der Fall Embolo zum offenen Schlagabtausch zwischen den höchsten Fussball-Instanzen. Die obersten Regelhüter des Weltfussballs Ifab hatten klargestellt: Breel Embolo hätte nicht mit Gelb-Rot vom Platz fliegen dürfen. Die Fifa sieht das anders – und stellt sich demonstrativ vor ihren Schiedsrichter.
Die Szene selbst ist unbestritten: Embolo simulierte. Strittig ist nur, mit welchem Regelwerkzeug das korrigiert wurde. Die «Mistaken Identity»-Klausel, so das Ifab, dürfe ausschliesslich dazu dienen, einen falsch identifizierten Spieler zu korrigieren – nicht dazu, ein bereits geahndetes Vergehen inhaltlich neu zu bewerten und aus einem Foul eine Schwalbe zu machen.
Genau das aber tat Schiedsrichter João Pinheiro: Er nahm die Gelbe Karte gegen Argentiniens Cheftreter Leandro Paredes zurück und zeigte stattdessen Embolo Gelb-Rot.
Schiri würde wieder so pfeifen
Am Montag äusserte sich Pinheiro erstmals öffentlich zur umstrittenen Szene – im Interview mit dem portugiesischen Sender Canal 11. Seine Erklärung: Erst habe er den Eindruck gehabt, Paredes habe gelbwürdig gefoult. Der VAR informierte ihn, dass dies nicht zutreffe – der Gegner habe simuliert. Entsprechend zückte er die zweite Gelbe Karte für Embolo – und schickte ihn vom Platz.
Von Zweifeln ist bei Pinheiro nichts zu spüren. Er verteidigt seine Wahrnehmung der Szene und vermittelt den Eindruck, jederzeit wieder genauso zu pfeifen.
Auffällig ist jedoch: Auf die inzwischen intensiv diskutierte Frage, ob der VAR in dieser Situation überhaupt hätte eingreifen dürfen, geht der Portugiese mit keinem Wort ein.
«Entscheidung stellte Gerechtigkeit wieder her»
Nun bekommt Pinheiro Schützenhilfe von ganz oben. Die Fifa erklärte auf X, ihre Auslegung von «Mistaken Identity» sei während der ganzen WM konsequent angewendet worden. In zwei Fällen habe der VAR den Schiedsrichter darauf hingewiesen, dass eine Verwarnung auf einer falschen Tatsachenfeststellung nach einer gegnerischen Schwalbe beruhte. «Wir betrachten dies weder als Fehler des Schiedsrichters noch des VAR. Die Entscheidung stellte Gerechtigkeit wieder her.»
Trocken heisst es, man nehme die Klarstellung des Ifab «zur Kenntnis» – und der Nachsatz hat es in sich: Man stehe mit dem Ifab in ständigem Kontakt. Dieses habe bestätigt, die Auslegung sei «gültig» gewesen.
Fifa widerspricht Ifab öffentlich
Damit widerspricht der Weltverband seiner eigenen Regelinstanz in aller Öffentlichkeit – und deutet an, das Ifab habe die fragliche Auslegung im Nachhinein selbst abgesegnet.
Aus einem umstrittenen WM-Viertelfinal ist damit ein Machtkampf um die Deutungshoheit über eine eigene Fussballregel geworden.
Eine Regel, die für die Schweiz die Welt bedeutete.
