Der Platzverweis gegen Breel Embolo (29) im WM-Viertelfinal gegen Argentinien wegen eines VAR-Eingriffs nach einer Schwalbe erhitzt auch zweieinhalb Wochen später die Gemüter. Nachdem das International Football Association Board (Ifab), die Regelhüter des Fussballs, am Montag mitgeteilt hat, dass der Platzverweis gegen den Nati-Stürmer so nicht hätte erfolgen dürfen und eine solche Situation in Zukunft laut VAR-Protokoll nicht mehr mit Gelb geahndet würde, äussert sich am späten Dienstagabend auch die Fifa zu dem Fall.
Der Weltverband ist sich keiner Schuld bewusst und hat aus seiner Sicht nicht falsch gehandelt. «Wir betrachten dies nicht als Fehler des Schiedsrichters oder des VAR», lässt ein Fifa-Sprecher in einem schriftlichen Statement verlauten. Der Entscheid habe letztlich die Gerechtigkeit wiederhergestellt.
Vergehen darf nicht mehr neu beurteilt werden
Das Problem: Ref João Pinheiro hatte eine Schwalbe Embolos an der Seitenlinie als vermeintliches Foul des argentinischen Gegenspielers Paredes interpretiert und diesen verwarnt. Der VAR griff ein, weil es sich um eine laut VAR-Protokoll Verwechslung handelte, worauf Pinheiro die Gelbe Karte gegen den Argentinier zurücknahm und Embolo wegen der Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz stellte.
Am Montag hat sich der Schiedsrichter erstmals selber zur Szene geäussert. Im Interview mit dem portugiesischen Sender Canal 11 erklärt Pinheiro, dass er den Eindruck hatte, Paredes habe gelbwürdig gefoult. Der VAR informierte ihn, dass dies nicht zutreffe, der Gegner habe simuliert. Aus diesem Grund zückte er Gelb für Embolo und schickte ihn unter die Dusche. Von Zweifeln ist in seinen Aussagen nichts zu spüren. Er verteidigt seine Wahrnehmung der Szene und vermittelt den Eindruck, er würde jederzeit wieder genau so pfeifen.
Nachdem bereits die Uefa und die Swiss Football League letzte Woche entschieden hatten, diese Regelauslegung bei einer Verwechslung nicht zu übernehmen, zog nun das Ifab nach und präzisierte diesen Passus in seinem Regelwerk. Bei einer Verwechslung kann nur die Identifizierung des Spielers, nicht aber das Vergehen nochmals überprüft werden oder neu beurteilt werden. Dies wurde im Fall Embolo aber getan.
«Gültige Auslegung»
Laut Fifa wurde die Auslegung des Begriffs «falsche Identifizierung» während der WM konsequent angewendet. Der gleiche Fall hatte sich in der Vorrundenpartie zwischen den USA und Paraguay ereignet, als Paraguays Verteidiger Miguel Almirón ebenfalls wegen einer Schwalbe nachträglich die Gelbe Karte sah. «Die Schwalbe steht ausser Frage und sollte nicht zu einer Disziplinarmassnahme gegen einen Gegner führen, die wiederum weitere Konsequenzen nach sich ziehen könnte, wie beispielsweise einen Platzverweis wegen einer zweiten Gelben Karte oder eine Spielsperre aufgrund von Gelbsperren», schreibt die Fifa weiter in ihrer Begründung.
Die Anmerkungen des Ifab in dessen Rundschreiben werde zur Kenntnis genommen, so die Fifa weiter. «Wir standen während der gesamten Zeit mit dem Ifab in Kontakt, und es hat bestätigt, dass diese Auslegung gültig ist, dass sie positiv aufgenommen wurde und dass sie Teil der Diskussion über Überarbeitungen des VAR-Protokolls sein wird, wie auf der letzten Hauptversammlung besprochen.»
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