Darum gehts
- Didier Deschamps beendet nach 14 Jahren seine Karriere als Frankreichs Trainer
- Er führte Frankreich 2018 zum WM-Titel, trotz vieler Herausforderungen
- Am Samstag bestreitet er sein 187. und letztes Spiel gegen England oder Argentinien
Miami statt New York, Spiel um Platz 3 statt WM-Final: Die ganz grosse Bühne bleibt Didier Deschamps in seiner letzten Partie als französischer Nationaltrainer nach der krachenden Niederlage im WM-Halbfinal gegen Spanien verwehrt.
Trotz der Enttäuschung über den wohl schwächsten Auftritt der «Équipe Tricolore» seit längerer Zeit: Als Deschamps vor 14 Jahren sein Amt antrat, schienen WM-Halbfinals für die «Bleus» weit weg.
Frankreichs Fussball am Boden
Zwei Jahre zuvor hatte die französische Nationalmannschaft an der WM in Südafrika einen absoluten Tiefpunkt erlebt. Das «Fiasko von Knysna» mit dem Scheitern in der Vorrunde und heftigen teaminternen Streitigkeiten sollte im französischen Fussball noch lange nachhallen. Trainer Raymond Domenech musste anschliessend seinen Posten räumen, und auch sein Nachfolger Laurent Blanc konnte nicht die erwünschte Ruhe hineinbringen.
Vier Jahre vor der Heim-EM wurde es also Zeit für den französischen Fussballhelden schlechthin: Deschamps führte Frankreich 1998 zum WM- und zwei Jahre später zum EM-Titel. Wer, wenn nicht der langjährige Spielmacher aus dem französischen Baskenland könnte Frankreich zu alter Stärke zurückführen?
Nun, zu Beginn sah es nicht danach aus: Nach dem 0:2 im Barrage-Hinspiel in der Ukraine bangte Frankreich im Herbst 2013 um die Qualifikation für die WM im darauffolgenden Sommer. Doch die «Bleus» schafften mit einem 3:0 im heimischen Stade de France den Turnaround. «Über Nacht verwandelte sich der Albtraum in einen Traum», schrieb die Sportzeitung «L'Équipe» damals.
Mögliche Unruhestifter liess er aussen vor
Für Deschamps folgte wenige Tage vor Turnierstart aber der nächste Albtraum, als mit Franck Ribéry einer seiner grossen Stars verletzungsbedingt absagen musste. Unfreiwillig musste Deschamps plötzlich also das tun, wozu er sich in den folgenden Jahren häufig aus freien Stücken entschied: Er liess Leistungsträger, die an grossen Turnieren möglicherweise Unruhe stiften könnten, zu Hause.
Davon betroffen war vor allem Karim Benzema, dem wie Ribéry vorgeworfen wurde, 2009 Sex mit einer minderjährigen Prostituierten gehabt und später seinen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena mit einem Sexvideo erpresst zu haben: Der Stürmer wurde zwischen 2015 und 2021 nicht mehr für das Nationalteam aufgeboten.
Der Erfolg gab Deschamps recht: Aus der teilweise chaotischen Ansammlung von Talenten formte er in dieser Phase ein effektives Siegerteam. 2018 gewann Frankreich unter seiner Leitung die Weltmeisterschaft, womit Deschamps das seltene Kunststück gelang, sowohl als Spieler als auch als Trainer Weltmeister zu werden.
Vor bitteren Pleiten gefeit war er aber nicht: Da war die 0:1-Finalniederlage gegen Portugal an der Heim-EM 2016, der dramatisch gegen Argentinien verlorene WM-Final 2022 in Katar – und natürlich das Achtelfinal-Out an der EM 2021 gegen die Schweiz, als Frankreich nach dem 3:1 für einmal unter Deschamps zu überheblich auftrat und ebenfalls im Penaltyschiessen unterlag.
Der Jubel mit Mbappé
Und nun also die Niederlage gegen Spanien, die Deschamps letztem Titeltraum ein Ende setzt. Für den 57-Jährigen ist es ein überschattetes Turnier gewesen: Während der Gruppenphase verstarb seine Mutter, weshalb Deschamps für die Beerdigung nach Frankreich zurückreiste. Bei der anschliessenden Partie gegen Norwegen wurde er durch seinen Assistenten ersetzt.
Nach seiner Rückkehr kommt es im Sechzehntelfinal gegen Schweden zu einer berührenden Szene: Nach dem erlösenden 1:0 in der 45. Minute rennt Captain Mbappé sofort an die Seitenlinie, um seinen Trainer zu umarmen. Diesen Tribut gibt Deschamps später zurück, als er sich bei Mbappés Auswechslung vor seinem Star-Stürmer verneigt.
Es sind Bilder, die das Menschliche im teilweise etwas unterkühlt wirkenden Trainer zum Ausdruck bringen – wohl auch eine Grundlage des Erfolgs, den Deschamps (wieder) nach Frankreich gebracht hat.
Am kommenden Samstag (23 Uhr Schweizer Zeit) wird er im Spiel um Platz 3 gegen England oder Argentinien nun also zum 187. und letzten Mal an der französischen Seitenlinie stehen – natürlich Rekord für einen Trainer der «Équipe Tricolore».
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