Ikonischer Torjubel: Hüftschwung und BH
Als die Frau des Goalgetters sich ekelte

Früher war der Handschlag. Heute das grosse Theater. Warum die Fussballer so jubeln, wie sie es an dieser WM tun.
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Am Anfang steht das Einfache: Der deutsche Torjäger Gerd Müller feiert 1972 einen Treffer mit hoch erhobenen Händen.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Torjubel wurden von spontanen Gesten zu Markenstrategien und politischen Statements.
  • 1990 jubelte Roger Milla ikonisch, inspiriert bis heute viele Spieler.
  • Iranischer Torjubel geht episch in die Hosen.
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Florian RazReporter Fussball

Das geht leicht daneben. Mitten in einer Jubeltraube zieht der Iraner Shoja Khalilzadeh eine Sonnenbrille an, wie sie sonst nur in Internet-Memes zu sehen ist. Bloss wird der vermeintliche Siegtreffer des Iraners gegen Ägypten kurz darauf wegen Abseits aberkannt. Tja.

Aber es hat nicht die missratene Einlage des iranischen Verteidigers an dieser WM gebraucht, um zu zeigen: Der Torjubel im Fussball ist ein Moment geworden, der genutzt sein will. Zur Stärkung der eigenen Marke wie bei Cristiano Ronaldos Jubelsprung. Oder um eine Botschaft zu transportieren.

«Das ist dem Gerd bestimmt sehr peinlich»

«Schwatzt nur», lässt uns Granit Xhaka gegen Bosnien wissen. Und ist Khalilzadehs Gimmick vielleicht eine Antwort auf US-Präsident Donald Trump? Der hat zuletzt im Zusammenhang mit dem Krieg der USA gegen Iran ein Meme geteilt, auf dem er eine ähnliche Sonnenbrille trägt. Der Torjubel ist vielfältig geworden. Aber auch verwirrend.

Dabei hat alles mal ganz unschuldig angefangen. Wer in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein Tor schiesst, klatscht sich mit seinen Teamkameraden ab – und weiter geht’s. Nach Helmut Rahns Siegtor für Deutschland beim Wunder von Bern an der WM 1954 gibt es eine kurze Gruppenumarmung. Fertig.

Daran ändert sich erstaunlich lange sehr wenig. Als Gerd Müller Deutschland 1974 in den WM-Final schiesst, werfen sich all seine Teamkollegen auf ihn. Zu viel Körperkontakt für Gattin Uschi Müller: «Das ist ja widerlich, das ist dem Gerd bestimmt sehr peinlich.»

Aber die Moralvorstellungen rund um das Fussballfeld verändern sich. Wo die Gesellschaft freigeistiger und individueller wird, folgt der Fussball. Und das Fernsehen hilft kräftig mit.

Die bekanntesten Bilder vom WM-Final 1982? Nicht die vier Tore. Sondern Marco Tardellis irrer Lauf nach dem 2:0 für Italien. Was heute kaum mehr auffallen würde, ist damals eine Sensation. «Nie zuvor habe ich jemanden so jubeln sehen», staunt Teamkollege Paolo Rossi.

Tardellis Jubel ist nicht lange vorausgeplant wie viele der heutigen Gesten. «Es war wie ein Vulkanausbruch», erzählt er danach. Der Italiener steht trotzdem am Anfang einer neuen Epoche. Mit ihm wird der Jubel ein Erkennungszeichen. Und ein Moment, an den sich die Fans erinnern.

Mit Roger Milla ändert sich alles

«Mancher Jubel ist ikonischer als der Treffer selber», stellt der englische Sportsoziologe Mark Turner fest. Und niemand steht mehr für diese Entwicklung als Roger Milla und sein Wakossa-Tanz an der Eckfahne. Wie seine Tore an der WM 1990 fallen? Egal. Wichtig ist: Der damals 38-Jährige jubelt so, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Und er bringt andere auf Ideen. Der individuelle, spielerische Jubel ist geboren. Der Brasilianer Bebeto wiegt 1994 seinen imaginären Säugling an der Seitenlinie. Jürgen Klinsmann wirft sich im selben Jahr beim ersten Treffer für Tottenham auf den Bauch. Ihm ist vor dem Wechsel nach England vorgeworfen worden, ein Schwalbenkönig zu sein, auf Englisch: a Diver – ein Taucher. Also taucht er selbstironisch.

Die Torjubel, die sich ins Gedächtnis einbrennen, wirken meist spontan. US-Spielerin Brandi Chastain 1999 im schwarzen Sport-BH. Mario Balotelli, 2012 mit nacktem Oberkörper und angespannten Muskeln. Alex Frei, der auf eine TV-Kamera haut und schreit: «Das isch emol e Goal!»

Der Jubel wird zum Produkt, das verkauft wird

Aber gerade weil diese Momente beim Publikum so gut ankommen, wird es fast zum Zwang, speziell zu feiern. Auch um sich selbst zu vermarkten. Gareth Bale versucht 2013, seinen Herzchen-Jubel als Marke schützen zu lassen. Der Jubel sei «modisches Accessoire» und «werbewirksames Produkt» geworden, sagt Soziologe Turner dazu.

Wobei die Wechselwirkung zwischen Fussball, Computerspielen und Memes inzwischen so rasant ist, dass es schwierig wird, den Überblick zu behalten. Früher landete der Jubel vom Feld im Fussball-Game. Dann tauchte plötzlich der Jubel aus dem Ballerspiel auf dem Fussballfeld auf. Und wer heute sofort weiss, ob erst das Meme war oder vielleicht doch der Torjubel, darf sich Spezialist nennen.

Und der arme Shoja Khalilzadeh? Der sieht nach seinem verfrühten Jubel auch noch Gelb. Trikotausziehen und Gimmicks, die das Gesicht bedecken, sind nämlich noch immer verboten.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
3
6
9
2
Südafrika
Südafrika
3
-1
4
3
Südkorea
Südkorea
3
-1
3
4
Tschechien
Tschechien
3
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
3
4
7
2
Kanada
Kanada
3
5
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
3
-1
4
4
Katar
Katar
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
3
6
7
2
Marokko
Marokko
3
3
7
3
Schottland
Schottland
3
-3
3
4
Haiti
Haiti
3
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
3
4
6
2
Australien
Australien
3
0
4
3
Paraguay
Paraguay
3
-2
4
4
Türkei
Türkei
3
-2
3
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
3
6
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
3
2
6
3
Ecuador
Ecuador
3
0
4
4
Curacao
Curacao
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
3
6
7
2
Japan
Japan
3
4
5
3
Schweden
Schweden
3
0
4
4
Tunesien
Tunesien
3
-10
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
3
4
5
2
Ägypten
Ägypten
3
2
5
3
Iran
Iran
3
0
3
4
Neuseeland
Neuseeland
3
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
3
5
7
2
Kap Verde
Kap Verde
3
0
3
3
Uruguay
Uruguay
3
-1
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
3
-4
2
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
3
8
9
2
Norwegen
Norwegen
3
1
6
3
Senegal
Senegal
3
2
3
4
Irak
Irak
3
-11
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
3
7
9
2
Österreich
Österreich
3
0
4
3
Algerien
Algerien
3
-2
4
4
Jordanien
Jordanien
3
-5
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
3
3
7
2
Portugal
Portugal
3
5
5
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
3
1
4
4
Usbekistan
Usbekistan
3
-9
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
3
4
7
2
Kroatien
Kroatien
3
0
6
3
Ghana
Ghana
3
0
4
4
Panama
Panama
3
-4
0
K.o.-Phase
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