Darum gehts
- Argentinische Spieler feiern Halbfinal-Sieg mit umstrittener Falkland-Botschaft
- Falkland-Regierung kritisiert Banner als unsensibel, fordert Fifa-Sanktionen
- Argentiniens Präsident stellt sich hinter Spieler
«Die Malwinen sind argentinisch», steht auf einem Banner, mit dem die argentinischen Spieler am Mittwoch ihren Halbfinal-Sieg gegen England feiern. Es ist eine hochpolitische Botschaft: Die vor der argentinischen Küste gelegene Inselgruppe, auch Falklandinseln genannt, ist ein britisches Überseegebiet, wird aber auch von Argentinien beansprucht.
1982 kam es gar zum Krieg zwischen den beiden Ländern, der knapp 1000 Menschen das Leben kostete – ein Trauma für die heute rund 3500 Einwohnerinnen und Einwohner der Inselgruppe, wie ein Statement der falkländischen Regierung vom Mittwochabend zeigt: «Die Bevölkerung der Inseln ist 1982 Opfer einer aggressiven Invasion geworden, die viele traumatisiert zurückgelassen hat. Das argentinische Banner war deshalb unsensibel gegenüber zahlreichen Menschen auf den Falklandinseln.»
Man hoffe, dass die Fifa ihr Versprechen einlöst, Politik und Sport zu trennen und die fehlbaren Spieler deshalb sanktioniert. Der Welt-Fussballverband zeigt sich bislang aber zurückhaltend: Die Disziplinarkommission prüfe «wie üblich» die Spielberichte und werde anschliessend über weitere Schritte entscheiden, teilt ein Fifa-Sprecher der Nachrichtenagentur SID mit.
Klare Mehrheit für Grossbritannien
Auch die britische Regierung sieht sich zu einer Reaktion gezwungen. Ein Sprecher von Noch-Premierminister Keir Starmer betont: «Die WM-Trophäe gehört vielleicht nicht uns, die Falklandinseln aber definitiv. Die Selbstbestimmung bleibt bei den Inselbewohnern – unser Engagement für die Falklandinseln wird niemals schwanken.» 2013 haben sich über 99 Prozent der Bevölkerung Falklands in einem Referendum für den Status als britisches Überseegebiet ausgesprochen.
Etwas anders sieht das wenig überraschend der argentinische Präsident: «Die Malwinen sind argentinisch», wiederholt Javier Milei den Banner-Spruch der Spieler – den Jubel bezeichnet er deshalb als «völlig legitim».
Spieler wiederholen Botschaft
Auch die Akteure auf dem Platz wollen ihre Botschaft am Donnerstag nicht zurücknehmen: «Der Falkland-Krieg ist ein trauriges Kapitel unserer Geschichte, das bis heute schmerzt. Auch dafür haben wir gespielt», erklärt Leandro Paredes. Und Teamkollege Lisandro Martinez legt nach: «Wir konnten das argentinische Volk nicht im Stich lassen.»
Und mitten in diese Diskussionen platzt nun auch noch der Vorwurf des argentinischen Aussenministers Pablo Quirno, ein in Falkland stationiertes englisches Militärschiff sei Anfang Juli illegal durch argentinische Gewässer gefahren.
London will davon nichts wissen: Es habe sich um einen regulären Transit von den Falklandinseln nach Chile gehandelt – und Argentinien sei lange im Vorfeld darüber informiert worden. Quirnos Protest zeigt aber einmal mehr, wie aufgeladen die Stimmung auch Tage nach dem Halbfinal-Duell zwischen Argentinien und England noch immer ist.


