Darum gehts
Sechs Saisons lang waren sie Teamkollegen: Lionel Messi (39), der wohl grösste Fussballer aller Zeiten, und der ein Jahr jüngere Ivan Rakitic, der erfolgreichste Schweizer Fussballer aller Zeiten, der vor einem Jahr zurückgetreten ist.
Gemeinsam gewannen sie die Champions League, je vier Mal den Meistertitel und den Cup in Spanien, den spanischen Supercup wie auch denjenigen der Uefa und die Klub-WM. Es war die Zeit, als der FC Barcelona Fussball-Europa beherrschte und Titel an Titel reihte. Es war die Zeit, in der das Duo Rakitic, der unermüdliche Leutnant, und Messi, das unzähmbare Genie, ein Paar bildete, das am Ursprung unzähliger grosser Siege stand. Wenn einer also wissen sollte, wie man diesem Unzähmbaren einigermassen Einhalt gebieten kann, dann der Ex-Basler.
«Das grosse Problem ist, dass es nicht extrem schwierig, sondern nahezu unmöglich ist, Leo zu 100 Prozent unter Kontrolle zu bringen.» Am gefährlichsten sei er, wenn er Spass am Spiel habe. «Ihm den Spass zu verderben, ist wohl die einzige Chance, ihn einigermassen aus dem Spiel zu nehmen. Aber die letzten Monate haben gezeigt, dass er nach wie vor am Geniessen dieser Momente ist.»
Rakitic sagt, was es bei Messi zu verhindern gilt
Konkret müsste der Anti-Messi-Plan laut Rakitic so aussehen: «Man muss ihn dazu zwingen, den Ball in der eigenen Platzhälfte suchen zu müssen.» So reibe er sich auf und verpuffe Energie.
«Man muss verhindern, dass er sich vor dem gegnerischen Tor in Position bringen kann.» Dass er dort, sagen wir mal, gefährlich herumlungern darf, bedingt, dass für ihn gearbeitet wird. So wie das Rakitic jahrelang ohne zu murren getan hat. «Das muss man als Mitspieler verstehen, ganz klar. Er wartet da auf seinen Moment. Auf den Moment, in dem er unbeobachtet ist. Da hat er dann ein klein bisschen mehr Platz. Und das reicht oft schon.»
Es sei aber nicht so, dass er defensiv rein gar nichts mache. «Er zieht schon auch defensive Sprints und versucht mitzuhelfen», so Rakitic. Messis Kernkompetenz ist die Arbeit nach hinten natürlich gleichwohl nicht.
«Wir hatten eine unglaublich schöne Zeit zusammen»
Spass hat er also auf dem Feld. Wie schaut es daneben aus? Was für ein Typ ist er? Rakitic skizziert den Gaucho so: «Er ist ein zurückhaltender Typ, der seinen Vertrauten sehr nahesteht. Witze und Sprüche reisst er nur mit Menschen, die er näher kennengelernt hat. Das sind in der Regel Teamkollegen, weshalb er mit diesen auch mal herzhaft lachen kann. Deshalb hatten wir eine unglaublich schöne und gute Zeit zusammen.»
Wenn er nicht mit seinen Fussballkumpels unterwegs ist, dann sei er meistens bei seiner Familie. «Oft hat er seine Kids selbst in die Schule gebracht. Sie sind in Barcelona in die gleiche Schule gegangen wie meine.» So hatten Rakitic und Messi viel Zeit zum Quatschen. «Umso mehr habe ich diese Zeit mit ihm genossen», erinnert sich der WM-Finalist 2018 mit Kroatien.
Messis Zaubertrank darf nie fehlen
Um eine objektive Antwort auf die Frage zu erhalten, wer der Grösste aller Zeiten sei, mag Rakitic, Messis Ex-Kumpel, nicht der unbefangenste aller Gesprächspartner sein. «Es kommt keiner auch nur einigermassen in seine Nähe. Seit über zwanzig Jahren ist er einzigartig. Auch jetzt an der WM. Bei allem Respekt vor Maradona, Pelé oder den Ronaldos – Leo ist mit Abstand die Nummer eins. Das ist kein Thema, das zu besprechen es sich lohnt. Da können wir gleich zur nächsten Frage übergehen.»
Zum Beispiel jener, ob der WM-Topskorer ein spezielles Ritual habe. Ein Ritual nicht, aber einen Zaubertrank. Es handelt sich allerdings da nicht um einen von Miraculix kreierten, geheimen, sondern um das argentinische Energygetränk schlechthin: Mate-Tee. «Mate immer und überall. Das ist bei Leo nicht anders», verrät Rakitic. «Mate verleiht ihm spezielle Kraft.» Fast ist man geneigt zu sagen: übermenschliche Kraft.
Regelmässigen Kontakt hat Rakitic mit Messi nicht mehr. Doch was heisst regelmässig? «Wir schreiben uns, wenn etwas Spezielles ansteht. Also ein Geburtstag, Neujahr oder so.» Viel wichtiger sei es, wie stolz Rakitic darüber ist, mit Messi sechs wunderschöne Jahre verbracht zu haben. Aber, und da kommt der Schweizer zum Durchbruch: «Ich hoffe, dass Leos WM am Samstag zu Ende geht. Denn nach dem Aus von Kroatien ist klar: Ich fiebere mit der Schweiz mit! Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das Team von Murat Yakin etwas gegen Argentinien ausrichten kann und der Traum weiterlebt. ‹Hopp Schwiiz!›»
Was eben bedingt, dass Rakitics Geburtsland sein Idol in die Nationalmannschafts-Rente schiesst …
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