Darum gehts
- Thuns Meisterparty muss verschoben werden
- Okorojis Freistosstor durch YB-Mauer bringt St. Gallen den späten Sieg
- Die YB-Akteure interessiert die verschobene Meisterparty des Kantonsrivalen wenig
Es fehlt nicht mehr viel. Ja, ganz wenig. Dann ist der Sensationsmeister perfekt. Nach Colleys Ausgleich in der 81. Minute sind die Thuner Meister. Virtueller Meister. Die nötigen zwei Punkte sind den St. Gallern abgezwackt. In der Stockhorn-Arena werden die getränketechnischen Vorkehrungen getroffen. Zudem powert YB weiter, wie so oft gegen Ende eines Spiels. In einem Akt der Verzweiflung, weil man es zuvor, auch wie so oft in dieser Saison, verpasst hat, genügend für einen Sieg zu tun.
Essende hat die grosse Chance zum 2:1. Zigi reagiert brillant. Auch Males hat sie, auch er bleibt hängen. Vier Minuten Nachspielzeit. Alles klar. So scheint es. Doch im Fussball trügt der Schein oft, er ist ein wertloses Schemen. Die Währung, die zählt, sind Tore. Im direkten Gegenzug foult Lauper den jungen, quirligen Espen-Joker Scherrer. Ausserhalb, sagt Ref Schnyder. Doch ist es Foul? Hat Lauper nicht zuerst den Ball gespielt?
YB-Joker öffnen die Mauer
Wenn es kein Elfer ist, wird das nicht überprüft. Weil der Freistoss von der Strafraumecke ist, reicht YB-Goalie Keller eine Drei-Mann-Mauer. Doch Essende und Hadjam, die YB-Joker, springen auf und öffnen die Mauer, Okoroji trifft genau da hinein. Und Keller sieht schlecht aus. «Das kann ich besser lösen», wird er später zu Protokoll geben.
Der Schütze des Siegtors: «Ich stand da mit dem Daschner und wir berieten uns: Was machen wir jetzt? Denn den ersten hatte ich noch in die Mauer gehauen. Ich sagte mir dann: Volles Risiko drauf! Es war Glück, dass er reingegangen ist.»
«Interessiert mich überhaupt nicht»
Und es ist ein folgenschweres Glück. Denn damit sind einerseits die letzten vagen Europacup-Träume von YB verflogen, und zweitens die Thuner Meisterparty verschoben. War sich Okoroji dessen bewusst? «Ich hatte das nicht im Kopf. Wir haben nur auf uns geschaut. Und Thun wusste ja, dass wir mit hundert Prozent da rangehen würden, dass wir den Sieg unbedingt wollten.»
Auf dem Feld ist von der Folgenschwere in Bezug auf den Titel nichts zu spüren. Im YB-Lager herrscht nur Bedrückung. Kein Wunder verschwendet man in Anbetracht des eigenen Leides keinen Gedanken an den Kantonsrivalen. «Das interessiert mich überhaupt nicht», sagt Keller kurz und trocken zum Thema. Lauper ist ähnlich kurz angebunden: «Das ist mir ziemlich egal, ob es dort eine Party gibt oder nicht.» Kein kleiner Gedanke an seinen Ex-Klub, bei dem er gross wurde, bevor er zur YB-Legende heranwuchs? «Meine positiven Erinnerungen an Thun haben nichts damit zu tun.»
Seoane wurde mit YB Sofameister
Einzig Trainer Gerardo Seoane wird ein bisschen ausführlicher: «Das berührt mich nicht. Wir haben das auch mal erlebt. Es war gestern für Thun alles angerichtet, um ein wunderbares Fest zu haben. Aus ferner Sicht ist das schön anzuschauen. Es geht uns aber nichts an, was das auf anderen Plätzen für Folgen hat. Jetzt sind wir mit uns selber nicht zufrieden.»
Zur Erinnerung: 2019 wurde Gerardo Seoane mit YB Sofameister …
Und, ja: Es wird für YB ohnehin bitter genug sein, zusehen zu müssen, wie die Thuner den Meisterpokal ausgerechnet nach dem Spiel gegen YB in der zweitletzten Runde überreicht bekommen …
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 34 | 37 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 34 | 25 | 63 | |
3 | FC Lugano | 34 | 13 | 60 | |
4 | FC Sion | 34 | 18 | 55 | |
5 | FC Basel | 34 | 4 | 53 | |
6 | BSC Young Boys | 34 | 4 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 34 | 4 | 43 | |
2 | Servette FC | 34 | 2 | 43 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 34 | -7 | 42 | |
4 | FC Zürich | 34 | -21 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 34 | -26 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 34 | -53 | 19 |


