Die Schlüsselszene
Es läuft die 12. Minute, als der wirblige Aliou Baldé die Hintermannschaft der Hoppers narrt und den Ball pfannenfertig auf Leon Frokaj legt. Dieser aber scheitert aus bester Position an Marvin Hübel. Der Ex-Aarau-Goalie agiert in seinem allerersten Super-League-Spiel zu Beginn noch nervös, sammelt nach dieser Aktion aber Selbstvertrauen – und hält am Ende gar die Null.
Das Spiel
GC startet mutig in die Partie, feuert schon in der Startphase zwei Warnschüsse des quirligen Samuel Krasniqi ab. Doch auch die Espen stempeln bald ein und kommen ihrerseits zu Chancen, scheitern aber am eigenen Unvermögen.
Da Amir Abrashi im Herbst seiner Karriere plötzlich zum abgezockten Skorer mutiert, gehen die Hoppers nicht unverdient mit einer 1:0-Führung in die Pause.
Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit ist GC klar besser. Ein katastrophaler Fehlpass von Goalie Lawrence Ati Zigi bietet Samuel Krasniqi nach einer knappen Stunde die riesige Chance zum zweiten Tor, doch der FCSG-Schlussmann bügelt seinen Patzer wieder aus. Wenig später sieht Zigi erneut schlecht aus – 2:0 für GC.
Die Espen sind zu keiner Reaktion mehr fähig, haben sogar noch Glück, dass Young-jun Lee kurz nach seinem Tor nach einer Ecke per Kopf am Pfosten scheitert. So holen sich die Hoppers den ersten Liga-Sieg der Saison. Der FCSG dagegen verliert schon das vierte Pflichtspiel in Serie (zwei Liga-Partien, zweimal Europacup).
Die Tore
36. Minute, Amir Abrashi, 1:0. Bettkober verpasst eine Flanke von Krasniqi und das kommt den Hoppers zugute. Der Ball flippert zu Captain Abrashi, der mit dem ersten Ballkontakt eiskalt abstaubt. Es ist bereits das zweite Saisontor des Leitwolfs, der in der Super League davor elf Jahre nicht getroffen hatte.
69. Minute, Young-jun Lee, 2:0. Der Südkoreaner wurstelt sich links im Strafraum gegen zwei Verteidiger durch und erwischt FCSG-Goalie Zigi aus maximal spitzem Winkel in der nahen Ecke. Da sieht die Espen-Defensive nicht gut aus.
Die Stimmen
Marvin Hübel (GC, gegenüber SRF): «Das war ein super Debüt, das sehe ich auch so. Am wichtigsten ist, dass wir die drei Punkte geholt haben. Es waren keine schönen Wochen zu Saisonbeginn. Wir wussten, wir müssen liefern, aber es hat etwas gefehlt. Darum bin ich extrem froh, dass wir gewonnen haben. Heute war der Biss da, dass wir unbedingt zu null spielen wollen. Bisher waren die Spiele bis zur 60. Minute nicht schlecht, aber dann hat die Puste gefehlt. Heute haben wir es über die Runden gebracht.»
Amir Abrashi (GC, gegenüber Blue): «Es stand vieles wieder gegen uns, vor allem nach dem 2:5 in Vaduz. Aber so wie heute muss die Reaktion sein. Heute war es ein völlig verdienter Sieg der Jungs. Wir haben leidenschaftlich gekämpft. Ich bin überglücklich, aber das war erst der erste Schritt. Keiner hat erwartet, dass ich Tore schiessen kann, aber wenn du daran arbeitest, nie aufgibst und eine gewisse Mentalität hast, kann es klappen. Es lag mir schon auf dem Magen, dass ich so lange nicht getroffen habe.»
Colin Kleine-Bekel (FCSG, gegenüber Blue): «Am Ende haben sie mehr Tore geschossen und die drei Punkte geholt, das muss man ihnen geben. Trotzdem war es natürlich unglücklich. Wir hatten auch viele Chancen und haben uns vorgenommen, zu null zu spielen, das hat nicht so gut geklappt.»
Der Beste
Im März wird Leithopper Amir Abrashi 37 Jahre alt, das hindert den Thurgauer aber nicht daran, wie ein junger Hüpfer übers Feld zu rennen. Trifft im sechsten Spiel zum zweiten Mal. Wird mit Standing Ovations verabschiedet.
Der Schlechteste
Lukas Görtler. Für gewöhnlich nimmt der Leitwolf sein Rudel an der Hand, nun aber steht er als Captain sinnbildlich für einen erschreckend schwachen Auftritt der St. Galler.
Das gab zu reden
Peter Zeidler setzt auf Marvin Hübel – und Justin Hammel auf die Bank. «Ich bin überzeugt, dass Marvin ein gutes Spiel machen wird», sagt der GC-Coach vor dem Spiel. Und er behält recht. Hübel hält die Null und wird wohl auch in den kommenden Wochen zwischen den Pfosten stehen. Und Hammel? Dessen Vertrag läuft im Juni 2027 aus.
Die Fans
Der Rekordmeister wird 140 Jahre alt und feiert seinen Geburtstag mit einer wunderbaren Choreo mit dem Gründungsdatum, dem 1. September 1886. Zudem hat der Klub entschieden, den Song «Das isch GC» nach zwei Jahren Pause wieder im Stadion zu spielen. Von einem singkräftigen Chor ist auf der Medientribüne aber nicht viel zu spüren, zu spärlich ist die GC-Kurve besetzt. Dies dürfte auch Hopper-Legende Richard Nunez nicht entgangen sein, der anlässlich des 140-jährigen Geburtstags des Vereins nach Zürich eingeflogen wurde und von den Fans mit Sprechchören gefeiert wird.
Die Schiris
Schiedsrichter Hajrim Qovanaj macht in seinem erst dritten Super-League-Spiel eine Top-Partie und leistet sich keine nennenswerten Fehler. Im VAR-Room legt Fedayi San derweil die Füsse hoch.
So gehts weiter
Auf die Hoppers wartet am Samstag (20.30 Uhr) das erste Zürcher Derby der Saison gegen den FCZ. St. Gallen reist am Sonntag nach Genf zum Duell gegen Servette (14 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |