Das Spiel
St. Gallen hält die Chance auf die Wintermeisterschaft trotz des Sieges von Thun in Winterthur am Leben. Die Espen drehen die Partie gegen Sion, gewinnen 3:1 und holen damit den zweiten Dreier in Folge.
Die sehenswerte Führung erzielt aber Chouaref mit dem ersten Sion-Schuss in Richtung FCSG-Tor. Dabei müssten die Espen zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits führen. Nach starker Vorarbeit von Vogt kommt Baldé frei aus wenigen Metern zum Abschluss, schiesst den Ball aber am leeren Tor vorbei (15.) – und das nicht einmal knapp.
Auch nach dem Rückstand ist St. Gallen die aktivere Mannschaft, lässt im Abschluss aber nach wie vor die nötige Präzision vermissen. In der Defensive sind die Espen nur selten gefordert, auch wenn sie kurz vor der Pause Glück haben, dass Schiedsrichter Fähndrich nicht auf den Punkt zeigt (siehe «Das gab zu reden»).
Kurz nach dem Seitenwechsel liegt der Ball im 14. Anlauf dann im Tor von Sion: Ausgerechnet Baldé gleicht für die Ostschweizer aus. Und der FCSG drückt weiter und zeigt sich plötzlich kaltschnäutzig. Görtler dreht das Spiel nach einer Ecke, es ist sein erster Treffer als Vater. Zu einer Reaktion sind die grösstenteils harmlosen Sittener in der Schlussphase nicht mehr in der Lage – im Gegenteil: Debütant Besio entscheidet die Partie in der Nachspielzeit.
Die Tore
21. Minute, Ilyas Chouaref, 0:1. Was für ein herrlicher Treffer! Chouaref setzt sich im Mittelfeld stark gegen Neziri durch und fasst sich dann ein Herz. Aus über 20 Metern haut er den Ball unhaltbar in die linke Ecke.
51. Minute, Aliou Baldé, 1:1. Vogt steckt auf Baldé durch, der hauchdünn nicht im Abseits steht. Der Guineer behält alleine vor Racioppi die Nerven und schiebt unten rechts ein.
67. Minute, Lukas Görtler, 2:1. Daschner bringt eine Ecke zur Mitte. Gaal gewinnt das Kopfballduell und legt quer zu Görtler, der mühelos einschiebt.
90.+1 Minute, Diego Besio, 3:1. Der Abschluss von Besio wird abgeblockt, doch der Debütant kommt gleich nochmal an den Ball. Er lässt die Sion-Abwehr mit einem Haken stehen und schiebt dann cool ein.
Die Stimmen
Lukas Görtler (FCSG, gegenüber Blue) über Hole-in-One-Jubel: «Nein, der war nicht so geplant. Wenn ich darüber nachdenke, vielleicht war das ein Zeichen an meine Frau daheim, dass sie mich mal wieder golfen gehen lassen soll. Jetzt mit Kind habe ich etwas ein schlechtes Gewissen. Es ist ja auch schön, viel daheim zu sein. Der Jubel kam instinktiv, ich denke mir die Jubel nicht aus vor dem Spiel.» Über Debüt-Tor von Diego Besio: «Alle jungen Spieler gefallen mir extrem gut. Sie haben ja einen etwas schlechten Ruf, dass sie nicht zuhören, nicht hart arbeiten und dass sie denken, dass sie weiter sind als sie effektiv sind. Die Jungs sind vorbildlich. Die arbeiten hart, die halten sich zurück – halt wie junge Spieler sein sollten. Da jubeln alle mit und ich freue mich für Diego.»
Tom Gaal (FCSG, gegenüber Blue): «Es war kein einfaches Spiel. Das Thun-Spiel war anstrengend für uns, aber wir wussten, dass wir noch etwas übrig haben. In der ersten Halbzeit war Sion gut auf uns eingestellt, aber wir haben in der zweiten Hälfte taktisch etwas verändert. Die hat dann uns gehört und wir haben verdient gewonnen.»
Numa Lavanchy (Sion, gegenüber Blue): «Es ist bitter. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und müssen das zweite Tor schiessen. Dann sieht es anders aus. Das 1:1 nervt mich persönlich. Es ist ein langer Ball und das ist zu einfach. Das müssen wir besser verteidigen.» Und zum nicht gegebenen Penalty: «Das Spiel wäre vielleicht anders verlaufen. Aber ich will nichts sagen, weil dann sage ich etwas Schlechtes und die Liga kommt. Und das ist nicht gut für mich.»
Der Beste
Lukas Görtler. Steht stellvertretend für den kraftvollen, intensiven Fussball der St. Galler. Bringt sein Team nach einem Eckball auf die Siegesstrasse. Es ist der 19. Standardtreffer der Espen im 19. Spiel. Einsamer Bestwert.
Der Schlechteste
Jan Kronig. Der Walliser Innenverteidiger erwischt einen schwachen Abend. Verliert viele Bälle. Und steht nicht selten am falschen Ort.
Das gab zu reden
Behar Neziri zupft seinen Gegenspieler Rilind Nivokazi im Strafraum am Trikot. Schiri Fähndrich lässt weiterlaufen, wird dann aber an den Bildschirm gebeten. Aufgrund der Aufnahmen scheint klar, dass es einen Penalty geben müsste. Fähndrich aber bleibt bei seinem Entscheid. Mutig. Die Frage ist: Muss der VAR bei einer solchen Aktion überhaupt eingreifen? Offenbar wurde der Penalty am Ende nicht gegeben, weil Nivokazi schon vor dem Trikot-Zupfer aus dem Gleichgewicht gekommen ist.
Die Schiris
Schiri Fähndrich und seine Kollegen haben das Spiel über weite Strecken im Griff. Manchmal pfeift er zwar zu pingelig, aber in den entscheidenden Momenten ist er auf der Höhe. Und er beweist Standhaftigkeit, weil er sich bei der Penalty-Situation nicht vom VAR beeinflussen lässt und bei seiner Entscheidung bleibt. Allerdings soll es vor dem Eckball, der zum 2:1 für die Espen führt, ein Foul ans Sions Chouaref gegeben haben, worüber sich Didier Tholot ziemlich echauffiert.
Die Fans
Bemerkenswert, dass mehrere Dutzend Walliser den Weg in den Kybunpark gefunden haben. An einem Dienstagbend quer durch die Schweiz. Das muss wahre Fan-Liebe sein. Die St. Galler haben für einmal keine volle Hütte, 15’313 Fans sind aber trotzdem eine ansehnliche Zahl.
So gehts weiter
Die Super League geht am Wochenende in die letzte Runde des Jahres. Der FCSG spielt am Sonntag auswärts gegen GC (16.30 Uhr). Sion empfängt einen Tag zuvor Tabellenschlusslicht Winterthur (18 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 21 | 21 | 46 | |
2 | FC Lugano | 21 | 11 | 39 | |
3 | FC St. Gallen | 20 | 14 | 37 | |
4 | FC Basel | 21 | 9 | 36 | |
5 | FC Sion | 21 | 6 | 32 | |
6 | BSC Young Boys | 21 | -5 | 29 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 21 | 3 | 28 | |
8 | FC Zürich | 21 | -8 | 25 | |
9 | Servette FC | 21 | -5 | 24 | |
10 | FC Luzern | 21 | -3 | 22 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 21 | -11 | 18 | |
12 | FC Winterthur | 20 | -32 | 10 |






