Das Spiel
Thun gewinnt auf der Winterthurer Schützenwiese mit 4:1 und macht einen grossen Schritt in Richtung Wintermeisterschaft. Fünf Wechsel in der Aufstellung zahlen sich aus. Mit Rastoder und Roth stehen zwei Torschützen neu in der Startelf. Der Leader wirkt nach der Pleite gegen St. Gallen wieder gewohnt spritzig.
Vor dem Spiel fragten sich viele, wer mehr Ballbesitz haben wird. Beide Teams hatten, seit Patrick Rahmen wieder Winti-Trainer ist (acht Ligaspiele), zusammen nur viermal gleich viel oder mehr Ballbesitz als der Gegner – und verloren dabei immer. Bei Thun war das letzte Woche gegen St. Gallen (59 Prozent; 0:2) und beim 1:2 gegen Lausanne (51 Prozent). Winti hatte beim 0:1 gegen GC genau 50 Prozent den Ball und beim letzten Duell gegen Thun (0:3) waren es gar 58 Prozent.
Thun-Coach Mauro Lustrinelli sagt vor dem Spiel gegenüber Blue, er müsse mit der «Legende aufräumen», sein Team wolle den Ball nicht haben. Im Spiel wird dann aber schnell klar: Selbst gegen das Schlusslicht setzen die Berner Oberländer auf schnelles Umschalten – mit Erfolg. Bis zur Roten Karte gegen Winti hat Thun nur rund einen Drittel der Zeit den Ball. Durch die numerische Überlegenheit wächst der Ballbesitz über das ganze Spiel gerechnet auf 59 Prozent. Es ist Thuns erster Sieg mit mehr Ballbesitz, dessen Grundstein aber erneut mit dem Thun-typischen Umschaltspiel gelegt wird.
Neben dem 1:0 resultiert auch der vorentscheidende Platzverweis (26.) aus einem langen Ball in die Spitze. Innenverteidiger Arnold kann Rastoder nur mit einer Notbremse stoppen, nach VAR-Intervention fliegt er vom Platz. Das Schlusslicht kommt in Unterzahl – ebenfalls nach einem langen Pass – kurzzeitig zwar noch einmal ran, doch der Leader stellt die Zwei-Tore-Führung noch vor der Pause wieder her. Nach dem Seitenwechsel wird es nicht mehr spannend. Thun vergibt einige gute Chancen aufs 4:1 und schiesst dieses in der Nachspielzeit dann doch noch.
Die Tore
20. Minute, Ethan Meichtry, 0:1. Durrer verschätzt sich bei einem eigentlich ziellosen Matoshi-Kopfball in die Spitze. Meichtry schnappt sich den Ball und sprintet los in Richtung Führungstreffer. Vor seinem präzisen Abschluss lässt er Diaby mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen.
22. Minute, Elmin Rastoder, 0:2. Heule bringt den Ball von links kniehoch ins Zentrum, wo Rastoder am nahen Pfosten in die Flanke läuft. In einem hohen Bogen springt der Ball via Pfosten ins Tor. Der Ball ist wohl schon knapp über der Linie, als ihn Goalie Kapino ins Netz spediert. Daher wird der Treffer auch Rastoder zugeschrieben.
39. Minute, Andrin Hunziker, 1:2. Die Basel-Leihgabe entwischt nach einem langen Ball von Diaby. Thun-Goalie Steffen hat keine Chance gegen Hunzikers strammen Schuss.
43. Minute, Justin Roth, 1:3. Der zentrale Mittelfeldspieler fasst sich aus knapp 20 Metern ein Herz und versenkt den Ball präzise in der rechten Torecke.
90.+5 Minute, Christopher Ibayi, 1:4. Der Stürmer, der erstmals nicht in der Startelf steht, erhöht in der Nachspielzeit. Imeri spielt einen genialen Steilpass per Hacke, Ibayi schiebt unhaltbar ein.
Die Stimmen
Andrin Hunziker (Winti, gegenüber Blue): «Es ist schwer zu beschreiben. Wir haben eigentlich gut angefangen mit dem, was wir uns vorgenommen haben, zum Beispiel in den Zweikämpfen. Und dann werden wir dumm bestraft, in Situationen, in denen wir nicht in die Zweikämpfe kommen. Es war dann doof mit der Roten Karte. Wir kommen zwar noch einmal zurück, aber dann bekommen wir direkt das 1:3. Das darf uns so niemals passieren vor der Pause. Da müssten wir clever genug sein.»
Der Beste
Ethan Meichtry treibt den FC Thun seit Wochen an und ist auch gegen Winterthur die zentrale Kraft der Gäste. Auf dem Weg zum kursweisenden 1:0 schüttelt der Schweizer U21-Nationalspieler sämtliche FCW-Gegenspieler ab und überfordert sie beim sechsten Saisontor allesamt.
Der Schlechteste
Seit mehreren Runden steht die Vierer-Abwehr Winterthurs. Zum Stamm gehört auch Adrian Durrer. Nach mehreren guten Leistungen zieht er einen schwachen Abend ein. Im 1:1-Duell gegen Torschütze Meichtry stellt er sich ungeschickt an und leitet eine chaotische Phase der Winterthurer ein.
Das gab zu reden
Die sechs Chaos-Minuten der Winterthurer werfen in der Startphase Fragen auf. Innert Kürze manövriert sich der Tabellenletzte bis zur 26. Minute in eine unlösbare Lage: Der Gegentor-Doublette folgt das Notbremse-Foul von Captain Remo Arnold. 0:2 zurück und mit einem Mann weniger auf dem Feld – gegen den Leader ist diese Konstellation nicht mehr zu bereinigen.
Die Fans
Wie immer in Winterthur. Ansprechende Stimmung und trotz garstiger Temperaturen ein gut gefülltes Haus. Im Schnitt kommen trotz schlechter Klassierung im Super-League-Ranking immer gegen 8000 Fans auf die Schützenwiese. 7500 werden gemeldet.
Die Schiris
Es gibt Pfiffe gegen den Schiedsrichter Mirel Turkes – nicht etwa, weil er Captain Arnold nach einer VAR-Rückmeldung von Sandro Schärer zu Recht vom Platz gestellt hat, sondern weil er mitten im letzten FCW-Vorstoss vor der Pause der ersten Hälfte ein Ende setzt. Nur in dieser Szene fehlt ihm das Timing.
So gehts weiter
Thun trifft in der letzten Runde des Jahres am Samstag zu Hause auf den FCZ (18 Uhr). Winterthur spielt zeitgleich in Sion.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 21 | 21 | 46 | |
2 | FC Lugano | 21 | 11 | 39 | |
3 | FC St. Gallen | 20 | 14 | 37 | |
4 | FC Basel | 21 | 9 | 36 | |
5 | FC Sion | 21 | 6 | 32 | |
6 | BSC Young Boys | 21 | -5 | 29 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 21 | 3 | 28 | |
8 | FC Zürich | 21 | -8 | 25 | |
9 | Servette FC | 21 | -5 | 24 | |
10 | FC Luzern | 21 | -3 | 22 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 21 | -11 | 18 | |
12 | FC Winterthur | 20 | -32 | 10 |






