Das Spiel
Gab es je ein traurigeres Spiel in der Geschichte des Schweizer Fussballs? Kaum. Das Wallis steht immer noch brutal unter dem Eindruck und Schock der Tragödie von Crans-Montana und ist wütend auf die Morettis und die Üsserschwiizer, weil sie nicht verstehen, dass diese die stolzen Walliser als rückständige Hinterwäldler hinstellen. Trauer und Wut.
Bei der fünfminütigen Trauerzeremonie vor Spielbeginn allerdings hat es nur Platz für die Trauer. Es sind intensive fünf Gänsehautminuten im Tourbillon! Das Stadion macht keinen Mucks, als den Opfern des Brandinfernos gedacht wird. Im wahrsten Sinn des Wortes herrscht Todesstille, als die Slalomcracks Tanguy Nef, Daniel Yule und Marc Rochat die Blumenkränze zusammen mit dem Vater von einem der Opfer im Anstosskreis niederlegen. Es ist Joël Rey, der Gemeindepräsident von Sierre, dessen Tochter für Christian Constantin gearbeitet hat. Das Stadion wird nur mit den Handytaschenlampen der Anwesenden erleuchtet. Dazu läuft der getragene Titelsong von Ennio Morricone aus dem Film «Der Profi» mit Jean-Claude Belmondo.
Es vergeht einige Zeit, bis die Hardcore-Fans sich geschüttelt haben. Nach sieben Minuten legen auch jene von Winterthur los. Doch das Tourbillon wirkt wie ein in Watte gehüllter Ort, der an diesem Tag nicht legitimiert ist, seine übliche Bestimmung eines Hortes der Freude offenzulegen.
Fussball gespielt wird dennoch. Dabei stellt man fest, dass das arg verletzungs- und krankheitsgebeutelte Winterthur absolut mithalten kann. Die Zürcher haben Pech, dass Schiri von Mandach Hunzikers 1:0 nach Videostudium kassiert. Das war nicht zwingend ein Foul von Hunziker an Hajrizi. Und dann haben sie Glück, als Kololli mit einem Wahnsinnsknaller aus 30 Metern nur den Pfosten trifft. Doch Winti bleibt gefährlich. Die lange Zeit beste Chance gehört Momoh, der aus kürzester Distanz den Kasten nicht trifft. Die Sittener tun sich im schweren Umfeld dieses Spiels selbst enorm schwer.
Bis Superjoker Boteli eingewechselt wird. Chouaref legt unfreiwillig für den Genfer auf, der sich gleich gegen vier Zürcher durchwurstelt und trifft. Es ist das Game-winning-Goal. Der initiative Chouaref macht mit seinem Spitzkick-Tor dann den Deckel drauf. Sion klettert nach dem Sieg im Nachtragsspiel an YB vorbei in der Vorrundentabelle auf Rang fünf. Was den leidgeplagten Wallisern wenigstens einen Mini-Moment der Freude bereiten soll.
Die Tore
70. Minute, Winsley Boteli, 1:0. Der U21-Nati-Spieler kommt an der Strafraumgrenze, umringt von fünf Gegenspielern, an den Ball. Im Dribbling lässt er alle stehen und schiebt unhaltbar für Kapino zur Führung ein. Boteli wurde erst fünf Minuten zuvor eingewechselt.
76. Minute, Ilyas Chouaref, 2:0. Der Malteser kommt nach einem missglückten Klärungsversuch im Rückraum der Abwehr an den Ball. Mit einer Körpertäuschung lässt er Stillhart aussteigen und haut den Ball von rechts in die weite obere Torecke.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
«Es war nicht einfach vor dem Spiel. Sonst hat man immer Nervosität, aber heute war die komplett weg, weil die Gedanken wirklich in Crans-Montana waren. Es war keine einfache Startphase. Ich hoffe, wir konnten den Leuten mit diesem Sieg ein kleines bisschen Kraft geben», sagt Sions Jan Kronig zur speziellen Atmosphäre. «Sie haben die Räume gut eng gemacht. Aber am Ende ist es ein klar verdienter Sieg. Sie mussten viel laufen und sind müde geworden», meint er zum Spiel.
Patrick Rahmen (Winti-Coach): «Klar müssten wir in unserer Situation punkten. Aber heute in dieser Konstellation mit dieser Aufstellung war das sehr solidarisch. Wir haben uns einige Möglichkeiten herausgespielt. Natürlich hat Sion auch gute Möglichkeiten. Aber im Grossen und Ganzen haben wir gut zusammengearbeitet. Wir haben ja auch ein Tor geschossen – das war unglücklich.»
Der Beste
Einiges misslingt Ilyas Chouaref. Doch weil er es nimmermüde immer und immer wieder versucht, gelingen auch einige Aktionen. Am Ende stehen ein Assist und das 2:0.
Der Schlechteste
Basil Stillhart lässt sich beim 0:2 von Chouaref viel zu leicht austanzen.
Das gab zu reden
Musste man Hunzikers 1:0 wirklich annullieren? Zumindest ist es kein klarer Fehlentscheid. Dennoch schickt VAR Turkes Ref von Mandach an den Schirm, nachdem zuerst geprüft worden ist, ob ein Offside vorliegt. Diesen Check besteht Hunzikers Tor. Den zweiten nicht. Und das tendenziell zu Unrecht.
Die Fans
Die Stimmung ist ganz merkwürdig an diesem kalten, traurigen Mittwoch. Weder die Fans der Nordtribüne noch die mitgereisten Winterthurer haben Bock auf extreme Bekundungen jeglicher Art. Danke.
Die Schiris
Johannes von Mandach hätte das Tor von Hunziker trotz der Intervention von VAR Turkes geben können. Oder müssen? Tat er nicht. Auch sonst liegt er nicht immer ganz richtig. Ein für den Ref durchzogener Abend.
So geht es weiter
In der ersten kompletten Runde im Jahr 2026 geht es für die beiden Teams am kommenden Wochenende weiter. Winterthur empfängt am Samstag den FC St. Gallen (18 Uhr). Sion gastiert am Sonntag beim FC Basel (16.30 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 27 | 33 | 64 | |
2 | FC St. Gallen | 27 | 20 | 50 | |
3 | FC Lugano | 27 | 11 | 46 | |
4 | FC Basel | 27 | 6 | 43 | |
5 | FC Sion | 27 | 9 | 41 | |
6 | BSC Young Boys | 27 | 3 | 39 | |
7 | FC Luzern | 27 | 2 | 33 | |
8 | FC Zürich | 27 | -14 | 31 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 27 | -4 | 30 | |
10 | Servette FC | 27 | -7 | 29 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 27 | -12 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 27 | -47 | 14 |






