Das Spiel
Lachsfarbene Trikots statt des traditionellen Gelb-Schwarz – ansonsten gleicht der YB-Auftritt dem 2:6 gegen GC. Erneut fällt das erste Gegentor schon in der 3. Minute und das zweite lässt im Tessin auch nur zwei Minuten länger auf sich warten als gegen die Zürcher.
Ganz so schlimm wie am Mittwoch geht das Gastspiel in Lugano nicht aus – 0:3 stehts am Ende. Ein schwacher Trost für die Young Boys, die selbstredend ganz andere Ansprüche haben.
Die Luganesi sind das wachere und spritzigere Team, was die beiden frühen Gegentore gut aufzeigen. Die Tessiner kämpfen um jeden Ball, während die Berner nachlässig verteidigen.
Mit der Chancenverwertung aus der Startphase hätte es schon vor dem Platzverweis gegen Saidy Janko 5:0 stehen können.
Die Rote Karte, die Schiedsrichter Luca Cibelli nach Hinweis des VAR für eine Scheren-Grätsche gegen Ousmane Doumbia zückt, raubt den Bernern endgültig alle Hoffnungen auf ein Comeback.
Das Team von Gerardo Seoane liegt nach zwei desolaten Auftritten zum Jahresende nun schon elf Punkte hinter Leader Thun.
Die Tore
3. Minute, Kevin Behrens, 1:0. Lugano zeigt volle Überzeugung: Steffen hält den Ball, den YB wohl schon im Aus gesehen hat, mit einem Sprint im Spiel, Cimignani legt zurück zu Zanotti, der mit einer punktgenauen Flanke Behrens findet. Der beste Lugano-Torschütze nutzt den vielen Platz, den ihm die YB-Abwehr zugesteht und verwertet mit einem wuchtigen Kopfball.
16. Minute, Renato Steffen, 2:0. Steffen wird von Grgic mit einem langen Ball auf die Reise geschickt und schiebt den Ball eiskalt an Keller vorbei ins Tor. Sein Jubel wird aber sofort durch einen Pfiff unterbrochen. Weil Linksverteidiger Mambwa jedoch das Offside aufhebt, wird der Treffer nach VAR-Check doch gegeben.
66. Minute, Georgios Koutsias, 3:0. Lugano nutzt die numerische Überlegenheit sogleich aus. Grgic lanciert Marques über links. Koutsias braucht nach dessen flacher Hereingabe nur noch den Fuss hinzuhalten.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
Christian Fassnacht (YB): «Ein riesiges Kompliment an die Fans, wie sie sich gegenüber uns verhalten haben. Ich glaube, wir haben die letzten zwei Spiele ein Gesicht gezeigt, das YB nicht würdig ist. Und trotzdem stärken sie uns den Rücken. Es tut extrem gut, zu spüren, dass die Leute da sind, auch wenn es gerade nicht so gut läuft. Jetzt heisst es, ihnen das in der Rückrunde zurückzugeben. Wir wollten nach dem Debakel zu Hause unbedingt eine Reaktion zeigen. Das Gefühl war auch super, wir haben vor dem Spiel viel untereinander gesprochen. Ich war überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen würden. Momentan ist echt der Wurm drin.»
Gregory Wüthrich (YB): «Eine bittere Woche: Neun Gegentore in zwei Spielen sind nicht akzeptabel. Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Phase. Jetzt müssen wir in der Winterpause erstmal die Batterien aufladen und dann in der kurzen Vorbereitung einiges aufarbeiten.
Renato Steffen (Lugano) nach seinem ersten Super-League-Tor nach fast einem Jahr: «Ich habe es auch erst gerade irgendwo gelesen. Man nimmt das gar nicht so sehr wahr. Klar, als Offensiver tut es gut, die Tore zu machen. 2025 war für mich definitiv kein gutes Jahr. Ich war von Verletzungen geplagt und war öfter mal unzufrieden. Wer mich kennt, weiss, dass ich mit mir im Reinen sein muss, um gut Fussball zu spielen. Die Verletzungen kamen, glaube ich, auch, weil ich im Kopf nicht frei war. Daher ist es lustig, das Jahr nun mit einem Tor abschliessen zu können. Ich nehme es als gutes Omen für 2026. Es begann mit der Nati. Irgendwann spürt man, dass man nicht mehr so dabei ist. Das zu verarbeiten, war schwierig. Für mich war die Nati immer ein Highlight, das mich stolz gemacht hat, ein Aufhänger, warum ich hier in Lugano meine Leistung zeige. Wenn das nicht mehr ist, fällt man ein wenig in ein Loch, man beginnt etwas zu zweifeln und man kann nicht mehr so befreit aufspielen. Und dann beginnt es hier und dort im Körper zu zwicken. Das war eine Spirale in diesem Jahr.»
Der Beste
Renato Steffens Rückkehr in die Startelf macht Lugano variabler, unberechenbarer. Der Aargauer bucht denn auch das 2:0 und rettet danach auf der Linie nach einem Kopfball von … Teamkollege Anto Grgic.
Der Schlechteste
Hinten schwach. Vorne schwach. Wen soll man rauspicken? Benito, weil er der Chef ist? Wüthrich, weil er oft im Schilf steht? Janko, weil er völlig verunsichert wirkt? Der junge Mambwa, mit dem Steffen macht, was er will? Fassnacht, Virginius, Sanches und Bedia, weil sie wirkungslos sind? Wie auch Cordova. Nehmen wir Janko, weil er auch noch vom Platz fliegt. Wenn auch sehr hart. Das Foul ist dennoch dämlich. Man sollte dem Schiedsrichter die Gelegenheit gar nicht geben, sich solch eine Szene am Schirm anzuschauen.
Das gab zu reden
Der nächste miese Auftritt von YB. Wohin führt das noch? Keiner im Cornaredo kann nachvollziehen, was derzeit mit dem Team passiert, von dem man sagt, dass es die höchste Qualität in der Super League hat, und das in der Lage ist, den Dritten der Ligue 1 verdient in die Knie zu zwingen… Auch die Tifosi reiben sich verwundert die Augen, wie einfach das war, diesen Dreier einzufahren…
Die Fans
Die nächste Klatsche ist nach dem 0:3 im Anmarsch ... und die YB-Fans zünden Pyros, wie wenn nichts geschehen wäre, und singen auch munter weiter, wie wenn nichts geschehen wäre. Und unten liefert YB eine unterirdische Darbietung. Schon eine eigenartige Spezies … Faszinierend. Insgesamt kommen gerade mal 3637 Fans ins Cornaredo.
Die Schiris
Luca Cibelli liegt in der Beurteilung von Fouls nicht immer richtig. Und auch die rote Karte gegen Saidy Janko erscheint fragwürdig, ist doch eine Gelbe hier kein offensichtlicher Fehlentscheid. Aber Cibelli schaut sich das gerade mal fünf, sechs Sekunden am Schirm an, weil ein eingeklemmtes Bein nach Regelauslegung hypergefährlich sein soll. In jedem Fall. Doch oft sehen die Refs im Kopf nur die abgespeicherten Standbilder und beurteilen die Dynamik der Szene gar nicht mehr. Tut man das, trifft Janko erstens zuerst den Ball (was kein Killerkriterium ist) und es ist wenig Wucht hinter dem Foul. Aber es ist symptomatisch, dass derzeit fast immer gegen YB entschieden wird. Wenns nicht läuft …
So gehts weiter
Das wars von der Super League im Jahr 2025. Weiter gehts für die beiden Teams am Samstag, 17. Januar. Lugano spielt zum Auftakt in Luzern (18 Uhr), YB empfängt im Abendspiel Lausanne (20.30 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 30 | 38 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 29 | 23 | 54 | |
3 | FC Lugano | 29 | 10 | 49 | |
4 | FC Basel | 29 | 4 | 46 | |
5 | FC Sion | 30 | 9 | 45 | |
6 | BSC Young Boys | 29 | 3 | 42 | |
7 | FC Luzern | 29 | 3 | 36 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 29 | -2 | 36 | |
9 | Servette FC | 29 | -6 | 33 | |
10 | FC Zürich | 30 | -17 | 31 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 30 | -18 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 29 | -47 | 16 |






