Die Schlüsselszene
Es ist die 74. Minute, als FCZ-Trainer Marcel Koller seine Abwehr umstellt. Einerseits gezwungenermassen, weil sich Selmin Hodza verletzt hat. Andererseits, weil Alexander Hack einen rabenschwarzen Tag einzieht. Koller nimmt Leandro Schödler zurück in die Innenverteidigung. Und das wirkt. Die Zürcher überstehen nicht nur den Lausanner Sturm und Drang der Schlussviertelstunde – sie erzielen sogar im Konter den Siegtreffer.
Das Spiel
Zum Glück hat ein Fussballspiel zwei Halbzeiten. Die erste im Stade de la Tuilière ist schnell erzählt: Mit einem Blackout in der Abwehr schenkt der FCZ Lausanne die Führung durch Molebe (31.). Mehr ist da nicht während der ersten 45 Minuten.
Fahrt nimmt die Partie dafür umgehend nach dem Seitenwechsel auf. Die Gäste wagen sich vermehrt in die Offensive. Und prompt drehen sie auch innert elf Minuten dank Krasniqi (47.) und des aufgrund eines vierfachen Nasenbeinbruchs mit einer Maske spielenden Kamberi (58.) den Match.
Allerdings kann das Koller-Team die Pace nicht durchziehen. Was dazu führt, dass Lausanne aufkommt. Es folgt der Ausgleich zum 2:2 durch Janneh (73.), der damit seine Durststrecke in der Liga beendet.
Zum Punktgewinn vor heimischer Kulisse reichts der Elsner-Equipe allerdings nicht. Denn der FCZ hat in dieser torreichen zweiten Halbzeit das letzte Wort dank Emmanuel (81.).
Die Tore
31. Minute, Enzo Molebe, 1:0. Abwehr-Blackout des FCZ! Erst verlängert Schödler einen harmlosen Ball der Waadtländer in den Lauf von Molebe, dann lassen sich Hodza und Hack im Strafraum auch noch vom Lausanner Sommerzugang austanzen.
47. Minute, Bledian Krasniqi, 1:1. Krasniqi schleicht sich seinem Bewacher Soppy im Rücken davon und verwertet die hohe Hereingabe von Emmanuel gefühlvoll per Volleyinnenrist.
58. Minute, Lindrit Kamberi, 1:2. FCZ-Kamberi, der Mann mit der Maske, steigt im Zentrum deutlich höher als Ngonzo und nickt wuchtig ein. Die Flanke – nach einem kurz gespielten Eckball – schlägt Hodza.
73. Minute, Omar Janneh, 2:2. Traoré dribbelt links aussen Hodza aus, wobei sich der FCZ-Verteidiger dabei verletzt. Das hohe Zuspiel in den Sechzehner köpfelt Janneh, den Hack aus den Augen verliert, zum Ausgleich an Rückkehrer Huber vorbei ins Netz.
81. Minute, Umeh Emmanuel, 2:3. Reichmuth schickt aus der eigenen Platzhälfte den durchstartenden Emmanuel steil. Sow kommt nicht hinterher, weswegen der FCZ-Flügel seine Farben alleine vor Mastil zum Sieg schiesst.
Der Beste
Umeh Emmanuel war schon gegen Basel einer der besten Zürcher. In Lausanne ist er der Matchwinner. Ein Tor, ein Assist – ob er endlich das einlöst, was sich der FCZ bei seinem Zuzug 2022 von ihm versprochen hat?
Der Schlechteste
Alexander Hack beginnt das Spiel mit zwei grausamen Fehlpässen. Dann lässt er sich beim 0:1 ausspielen, als habe er den Job des professionellen Abwehrspielers eben erst erlernt. Und schliesslich verliert er beim 2:2 auch noch Omar Janneh aus den Augen.
Die Stimmen
Silas Huber (FCZ) gegenüber Blue: «Ich hatte einen Muskelfaserriss und es gab Komplikationen, weil ich zu früh wieder anfing. Ich war da zu ehrgeizig. Wir legten heute die bessere Effizienz als Lausanne an den Tag. Der Sieg ist sehr wichtig für uns.»
Lindrit Kamberi (FCZ) gegenüber Blue: «Die Sicht ist durch die Maske schon eingeschränkt – gerade, wenn ich nach oben schauen muss. Ich brauche Zeit, um mich daran zu gewöhnen. Wir haben uns heute für unsere Kollektivleistung belohnt. Hinten sind wir noch nicht so sattelfest.»
Die Fans
Nach vielen Problemen ist der Fanmarsch der FCZ-Fans durch Lausanne nun schon seit einiger Zeit kein Problem mehr. Das ist auch diesmal der Fall. Insgesamt sind 6372 Menschen gekommen, um dieses Spiel zu sehen.
Die Schiris
Lukas Fähndrich hat keinerlei Probleme. Er pfeift konsequent, ohne kleinlich zu wirken. Video-Assistent Hüseyin Sanli (VAR) muss nie eingreifen.
Das gab zu reden
Abwehrchef Kévin Mouanga ist zum türkischen Klub Kasimpasa abgegeben worden. Jetzt scheint Lausanne einen neuen Routinier für seine Innenverteidigung gefunden zu haben. Nicolas Cozza (27) war zuletzt von Nantes an Wolfsburg ausgeliehen und ist seit dem 1. Juli ohne Klub. Gemäss Transferexperte Sacha Tavolieri hat er in Lausanne für drei Jahre unterschrieben.
So gehts weiter
Die sechste Super-League-Runde (alle Partien um 20.30 Uhr) findet unter der Woche statt. Für Lausanne heisst das: Einsatz am Mittwoch auswärts bei Thun. Der FCZ duelliert sich am Tag davor zu Hause mit YB.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 9 | 20 | 25 | |
2 | BSC Young Boys | 9 | 13 | 19 | |
3 | FC Sion | 9 | 9 | 19 | |
4 | FC Basel | 9 | 0 | 13 | |
5 | FC St. Gallen | 9 | -3 | 13 | |
6 | FC Luzern | 9 | -1 | 12 | |
7 | FC Zürich | 9 | -6 | 11 | |
8 | Servette FC | 9 | -2 | 10 | |
9 | FC Thun | 9 | -8 | 10 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 9 | -11 | 8 | |
11 | FC Vaduz | 9 | -3 | 6 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 9 | -8 | 6 |