Das Spiel
YB geht gegen den neuen Angstgegner GC mit 2:6 unter. In einem der verrücktesten Spiele der neueren Super-League-Geschichte. In welchem die YB-Defensive ihre Arbeit schlicht verweigert.
Gut, Gerald Scheiblehner hatte angekündigt, dass da mal Spieler vorne stehen sollen. Aber so? Eigentlich stehen gerade mal vier Defensive auf dem Platz. Das System ist ein 3-1-4-2. Die pure Offensive! Nach 120 Sekunden hat man zwei Mal Richtung YB-Kasten geballert. Nach 140 Sekunden macht dieser Ausnahmekönner Asp Jensen das 1:0. Gleich fünf Hoppers hatten um den YB-Strafraum gepresst. Wahnsinn! Die grosse Frage ist: Kann das gutgehen über 90 Minuten?
Nun, es geht zumindest weiter gut. Denn nach einem reglementskonformen und doch unmöglichen Penalty bucht Plange das zweite Tor. Es ist keine Viertelstunde durch. Logisch werden Erinnerungen wach an das 3:3 Ende Oktober im Letzi, dem letzten Spiel unter Giorgio Contini. Und YB verkürzt auch, durch einen magischen, ansatzlosen Schlenzer von Sanches aus 22 Metern. Doch danach ist die Physiognomie eine andere. Denn es ist GC, das zum dritten Mal trifft. Und lange auf den Jubel warten muss. Denn die Kiste ist eng. Sehr, sehr eng! Doch am Schluss steht Clemente nicht im Offside. GC hat wieder zwei Längen Vorsprung. So gehts für YB mit Pfiffen in die Kabine.
Doch es bleibt noch eine Halbzeit. Es bleibt eine sackstarke YB-Bank mit Bedia, mit Virginius, mit Gigovic und Konsorten. Und es folgt, was zu erwarten war: Gewaltiger YB-Druck. Sanches auf Bedia in die GC-Schnittstelle. Der Ivorer bucht sein 11. Saisontor und steht nun bei gleich vielen wie Christian Fassnacht. Doch dann? Ein nächster Einsatz für VAR-Detektivin Déborah Anex. Zvonarek hängt bei Andrews ein, fällt aber nicht: Dennoch gibt Ref Dudic Penalty. Vertretbar. Aber Keller entschärft Zvonareks schwachen Versuch.
Noch zwanzig Minuten. Atemlos gehts weiter. Virginius vergibt das 3:3. Und dann? Auch Penalty für YB? Sanches reklamiert nach einem Diarrassouba-Hands. Die Detektivarbeit wird wieder aufgenommen. Nach vier Minuten geht Dudic zum Bildschirm und entdeckt? Ein Offside von Sanches. Fünf Minuten dauerte der Check. VAR-sinn!
GC nun ohne Grenzen. Asp Jensen flankt, Muci volley, Keller hält, Plange erbt. 4:2. Und Raveloson fliegt nach seinem Rettungsversuch mit zu hohem Bein gegen Torschütze Plange noch vom Platz.
Zum Dessert bucht Plange noch das 5:2 und das 6:2. Wann hat man letztmals so was im Wankdorf gesehen? Da kann sich wohl niemand daran erinnern …
Die Tore
3. Minute, Jonathan Asp Jensen, 0:1. Nach einem hohen Ballgewinn spielt Krasniqi steil auf Asp Jensen. Die Bayern-Leihgabe lässt Wüthrich durch einen Haken mit dem ersten Ballkontakt ins Leere laufen und versorgt den Ball mit links eiskalt in der linken unteren Ecke.
14. Minute, Luke Plange, 0:2. Decarli will einen Einwurf weiter ins Zentrum verlängern und schiesst den Ball dabei Youngster Smith aus kürzester Distanz an den ausgestreckten Arm. Ein sehr bitterer Penalty-Pfiff für YB. Luke Plange tritt an und verwandelt – anders als sein Kollege Asp Jensen am Samstag in Sion.
19. Minute, Alvyn Sanches, 1:2. Der YB-Königstransfer nimmt aus rund 20 Metern aus halbrechter Position Mass und schlenzt den Ball mit links unhaltbar für Hammel in die weite Ecke.
33. Minute, Oscar Clemente, 1:3. Asp Jensens Abschluss wird von Benito zu Clemente abgefälscht. Dieser kontrolliert den Ball gekonnt und schiesst ihn unten links ins Tor. Der Treffer zählt zunächst nicht. Doch die Überprüfung durch den VAR zeigt: Der Spanier steht bei der Schussabgabe knapp nicht im Offside.
60. Minute, Chris Bedia, 2:3. Der Joker sticht: Sanches sieht Bedia im Zentrum, der Ivorer trifft trotz suboptimaler Ballannahme zum erneuten Anschluss.
85. Minute, Luke Plange, 2:4. Muci scheitert mit seinem Volley an YB-Goalie Keller, Plange verwertet den Abpraller per Kopf.
90. Minute, Luke Plange, 2:5. Diarrassouba passt von rechts in die Mitte, wo Plange problemlos seinen dritten Treffer markiert.
92. Minute, Luke Plange, 2:6. Asp Jensen scheitert an Keller, doch der Ball fällt genau Luke Plange vor die Füsse. Viererpack!
Die Stimmen (gegenüber Blue)
YB-Captain Benito: «Man kann das Spiel gut einordnen. Es war eine absolut schlechte Leistung – komplett an dem vorbei, was wir wollten. Wir hätten sehr viel beeinflussen können, wir können jetzt nicht auf den VAR, die Offsides oder Penaltys zeigen. Das ist selbstverschuldet.»
Vierfach-Torschütze Luke Plange: «Ich kann es nicht erklären. Es ging einfach immer weiter. Das Team hat einfach weitergemacht. Die Tore kamen mit unserer harten Arbeit, wir haben nicht aufgehört.»
Der Beste
Na klar: Der vierfache Torschütze Luke Plange.
Der Schlechteste
Gregory Wüthrich. Aber als reine Stellvertretung für die nicht existente YB-Defensive.
Die Schiris
Arbeit ohne Ende für Ref Alessandro Dudic und VAR Déborah Anex. Mit unendlich langen, mühsamen Wartezeiten. Was man beim vermeintlichen Penalty für Sanches nicht sofort weiss: Es wird ein Offside gecheckt. Das kann halt auch mal länger dauern. Aber fünf Minuten?
Die Fans
Gute Stimmung im Wankdorf. Allerdings nur bis zum 4:2 von GC. Dann kippts. Dann haben die Berner ALLE Fans gegen sich. Auch die eigenen. Was für eine bittere Verabschiedung in die Festtage vor dem eigenen Anhang.
Das gab zu reden
Nach dem Jubel über das 3:1, auf den er geschlagene zweieinhalb Minuten hatte warten müssen, kriegt Oscar Clemente Gelb für Jubel vor der gegnerischen Fankurve. Warum nur er? Das soll einer verstehen … Denn Clemente und Jonathan Asp Jensen waren Arm in Arm Richtung Cornerfahne vor der Ostkurve gelaufen …
So gehts weiter
In der letzten Runde im Jahr 2025 empfängt GC im Letzigrund am Sonntag den FC St. Gallen (16.30 Uhr). YB spielt zeitgleich auswärts in Lugano.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 26 | 32 | 61 | |
2 | FC St. Gallen | 26 | 19 | 47 | |
3 | FC Lugano | 26 | 12 | 46 | |
4 | FC Sion | 26 | 9 | 40 | |
5 | FC Basel | 26 | 5 | 40 | |
6 | BSC Young Boys | 26 | 0 | 36 | |
7 | FC Luzern | 26 | 3 | 33 | |
8 | FC Zürich | 26 | -11 | 31 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 26 | -3 | 30 | |
10 | Servette FC | 26 | -7 | 28 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 26 | -13 | 21 | |
12 | FC Winterthur | 26 | -46 | 14 |






