Darum gehts
- Kubi tippte einst YB und Lustrinelli schon als Meister
- Dann verspielte YB alles – was sind die Parallelen zu Thun?
- Für ein Saisonfinal-Meisterschaftsdrama muss man nicht weit zurückblättern
Kubilay Türkyilmaz (59) ist schon im Jahr 2010 Blick-Kolumnist. In jenem Februar schreibt der ehemalige Nationalstürmer: «Meine neue Prognose steht: YB wird Meister!»
Der Rest ist bekannt: In der Finalissima im Mai 2010 verspielt YB auf der Zielgeraden gegen Basel den Titel. Zeitweise hatten die Berner in der besagten Saison 13 Punkte Vorsprung.
Mittendrin: Mauro Lustrinelli (50), der heutige Thun-Trainer. Eine Woche, bevor Türkyilmaz seine Prognose aufstellt, wechselt der damalige Stürmer 2010 leihweise von Bellinzona nach Bern.
Lustrinelli ist in jenem Frühling oft Joker, im Schatten von Star-Stürmer Seydou Doumbia schiesst er immerhin drei Tore. Lange bleibt für sein Team ein Vier-Punkte-Vorsprung auf Basel, dann wächst er sogar auf sechs Punkte an. Zwei Runden vor Schluss sind es noch drei Punkte. Dann entgleitet der Titel in der Finalissima, Lustrinelli muss das YB-Drama auf der Ersatzbank mitansehen.
Schweizer Meister wurde Lustrinelli noch nie. Nun hat er als Thun-Trainer bereits eineinhalb Hände am Kübel. Doch der Thuner Vorsprung ist in kurzer Zeit von 16 auf 12 Punkte geschrumpft.
Ist ein zweites Vize-Trauma realistisch?
18 Punkte kann Verfolger St. Gallen noch holen. Im Extremszenario könnten vier Espen-Siege reichen, um die Thuner noch einzufangen, sollten diese alles verlieren. Sobald Thun aber punktet, müssen die Ostschweizer noch stärker abliefern.
Holt Thun in den restlichen sechs Spielen sieben Punkte, ist der Meistertitel fix – selbst wenn St. Gallen noch alle Spiele gewinnt. Auch ein Fakt ist: In diesem Jahr hat es St. Gallen nie geschafft, zwei Siege aneinanderzureihen. Kurz: Es wäre ein viel grösseres Wunder, würde Thun das Wunder noch verspielen.
Ajax-Tränenmeer zeigt, was alles möglich ist
Man muss gar nicht lange zurückblättern. Ziemlich genau vor einem Jahr spielt sich im Meisterschaftsfinale in Holland ein Leader-Drama ab. Fünf Runden vor Schluss führt Ajax Amsterdam mit neun Punkten Vorsprung. Zwei Runden vor Schluss verliert Ajax die Tabellenführung nach einem kassierten Ausgleich in der 9. Minute der Nachspielzeit. PSV jubelt im fernen Stadion und lässt sich den Titel nicht mehr nehmen.
Fünf Runden vor Schluss neun Punkte Vorsprung? Die Ajax-Ausgangslage könnte am kommenden Wochenende in der Super League zustande kommen. Aus statistischer Sicht ist es jedoch eine andere Hausnummer, ob die beiden Teams bereits an diesem Punkt sind, oder ob zuerst noch Bedingungen dafür erfüllt sein müssen. Die Bedingungen sind: Thun muss am Samstag gegen Basel verlieren und St. Gallen am Sonntag in Luzern erstmals in diesem Jahr einen Sieg bestätigen.
Erst dann herrscht im Schweizer Meisterrennen die Ausgangslage, in der Ajax und PSV vor einem Jahr steckten – und in der es extrem unwahrscheinlich war, dass Ajax den Titel noch hergibt. Es müssten also noch mehrere Extremfälle zusammenkommen. Aber Trainer Lustrinelli wird jedes Fünkchen Erinnerung an solche Szenarien sofort auslöschen wollen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 32 | 24 | 59 | |
3 | FC Lugano | 32 | 11 | 54 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | FC Sion | 32 | 13 | 49 | |
6 | BSC Young Boys | 32 | 5 | 47 | |
7 | FC Luzern | 32 | 3 | 39 | |
8 | Servette FC | 32 | 0 | 39 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 32 | -7 | 39 | |
10 | FC Zürich | 32 | -17 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 32 | -27 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 32 | -49 | 19 |
