Langeweile? Von wegen!
Darum ist die Super League so viel besser als ihr Ruf

Seifenopern, viele Fans und so viele Tore wie sonst nirgends in Europa: Fünf Punkte, warum die Liga grossartiger ist, als du denkst.
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Darum gehts

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Florian RazReporter Fussball

Wenn du ein Herz für den Schweizer Klubfussball hast, musst du jetzt kurz stark sein. Wir kommen gleich zu den positiven Dingen – wie im Titel versprochen. Doch dieses dunkle Tal müssen wir kurz miteinander durchschreiten: Es sind zwar noch neun Runden zu spielen in der Super League. Aber diese Saison ist vorbei. Beendet. Klinisch so tot, dass nicht einmal Dr. House ihr noch ein letztes Zucken entlocken könnte.

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Ein Märchen? Damit kann die Super League locker dienen: Valmir Matoshi (l.) und Elmin Rastoder feiern mit Thun bald den Meistertitel.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Meistertitel? Entschieden. Zweiter Platz? Entschieden. Strichkampf, Barrageplatz, Absteiger? Erraten. Und wer sich für das «Rennen» um Rang drei interessiert, muss aus einer Stadt kommen, die mit B beginnt.

Und doch kommen wir locker auf fünf Gründe, warum diese Super League super ist.

Nirgendwo fallen mehr Tore als in der Schweiz

Verteidigen? Ist etwas für Menschen, die Spassbremsen sind! Und von denen gibt es in der Super League nur wenige. Im Schnitt fallen in der höchsten Schweizer Liga pro Spiel 3,28 Tore. Damit ist die Super League europäische Spitze! Bedauernswerte Italiener (2,57 Tore pro Spiel), arme Belgier (2,69), traurige Spanier (2,66).

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Der Dank für die torreiche Super League geht nicht zuletzt an die Winterthurer (79 Gegentore) und die Young Boys (55 Gegentore), die Abwehrarbeit vermutlich aus innerer Überzeugung ablehnen.

Jeder Klub ist seine eigene Soap-Opera

Die Tabelle mag schon lange keine Spannung mehr hergeben. Aber das merkt kaum jemand, weil sich die Klubs ganz wunderbar um sich selber drehen. St. Gallen und Winterthur haben sich erfolgreich selbst zum Kultklub erklärt. Bern lernt gerade, dass es auch aufregend sein kann, wenn einen das eigene Team aber so was von aufregt. Und in Basel wartet das Publikum gespannt darauf, in welches Fettnäpfchen Trainer Stephan Lichtsteiner (42) als Nächstes tappt.

In Luzern zupft Sportchef Rémo Meyer (45) wegen Trainer Mario Frick (51) die Blütenblätter eines Gänseblümchens ab: «Er bleibt. Er bleibt nicht. Er bleibt …» Der FC Zürich macht mit dem Rauswurf von Sport-und-auch-sonst-alles-Chef Milos Malenovic und der Nachfolgeregelung für das Besitzerehepaar Canepa jeder Staffel von «Succession» Konkurrenz.

So geht das immer weiter. Raufende Stürmer in Lugano, ein grantelnder Trainer bei GC, ein Wunder in Thun. Und wenn es in Sitten ausnahmsweise mal langweilig ist, dann ist sogar das irgendwie aufregend.

Die Zuschauerzahlen sind europäische Spitze

Es mag nicht jeder Pass ankommen, es gelingt nicht jedes Dribbling. Aber die organisierten Fans in den Kurven bekommen davon vor lauter Choreos, Protestplakaten und Pyro-Rauch ja eh kaum etwas mit. Und der Rest kommt, weil sich ein Tor für das eigene Team im Stadion immer besser anfühlt als am Bildschirm.

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Der Zuschauerschnitt ist derzeit etwas tiefer als in der letzten Saison. Rund 12’000 pro Spiel im Stadion sind für ein Land von der Grösse der Schweiz trotzdem ein sehr guter Wert. Zum Vergleich: In der Saison 2000/01 lag der Schnitt bei traurigen 5387 Fans pro Spiel.

Berechnet man, wie viele Tickets im Verhältnis zur Einwohnerzahl verkauft werden, liegt die Super League unter allen höchsten Ligen Europas sogar auf Rang vier: hinter Schottland, Portugal und Holland.

Hier zählt der Fan noch etwas

Welchen Einfluss haben die Anhänger eines Teams der Premier League auf die Klubpolitik? Null. Das ist in der Schweiz ganz anders. In Zürich können Fanproteste und die Stimmung in der Stadt Geschäftsführer und Sportchefs aus dem Amt schwemmen. In Basel haben sie den Klubverkauf mitbeeinflusst. In Luzern bezieht der Anhang Stellung im Kampf um die Aktienmehrheit. In St. Gallen sind die Fans die Basis, ohne die nichts geht.

Dieser Einfluss kommt nicht von ungefähr. Die Schweizer Klubs, die in Wahrheit ja alles Aktiengesellschaften sind, generieren knapp 30 Prozent ihrer Einnahmen mit Ticketverkäufen. Weil die Klubs auf dieses Geld angewiesen sind, können sie ihren Anhang nicht vergraulen – vielleicht mit Ausnahme der Teams mit ausländischen Besitzern.

Vogt, Huber, Janneh, Meichtry, Jensen!

Die Schweiz bleibt ein Land für aufregende Talente. Alessandro Vogt (21), der aus dem Nichts zum St. Galler Torjäger wird. Ethan Meichtry (20), der schon im Strassenbau gearbeitet hat und jetzt Meister mit Thun wird. Silas Huber (20), der mitten in einer tiefen Krise die Nummer 1 beim FCZ übernimmt. Omar Janneh (19), der aussieht, als ob die Super League zu einfach für ihn wäre. Jonathan Asp Jensen (20), der GC-Spielen wenigstens ein wenig Leichtigkeit schenkt.

Alle machen Spass. Und wer weiss, vielleicht wird einer von ihnen der nächste Mohamed Salah (33), den die Fans in der Super League auch erst ganz aus der Nähe miterleben durften, ehe er zu seiner Weltkarriere startete.

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Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
29
34
68
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
29
23
54
3
FC Lugano
FC Lugano
29
10
49
4
FC Basel
FC Basel
29
4
46
5
FC Sion
FC Sion
29
8
42
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
29
3
42
7
FC Luzern
FC Luzern
29
3
36
8
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
29
-2
36
9
Servette FC
Servette FC
29
-6
33
10
FC Zürich
FC Zürich
29
-16
31
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
29
-14
24
12
FC Winterthur
FC Winterthur
29
-47
16
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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