Vier Spiele, ein Punkt und 12 Gegentore. Den leidgeplagten Grasshoppers droht auch in dieser Saison – und ausgerechnet in der Derby-Woche – ein Horror-Start nach der 2:5-Klatsche gegen Aufsteiger Vaduz. Während viele Stimmen hoffnungsvoll über das neue Management der Bridge Football Group urteilen, zeigen die ersten Wochen der Saison, dass man noch bei diversen Themen lieber früher als später über die Bücher muss und mit einer Hochrisiko-Wette in die neue Saison gestartet ist. Vier Fragen, die dem Dauergast im Abstiegskampf Sorgen bereiten müssen.
Vollgas-Pressing – und was dann?
Pressing und Gegenpressing, solange die Energie reicht. So geht GC bisher in jedes Spiel. Alles und jeder wird mit hoher Intensität angelaufen, mit dem Ball in den eigenen Füssen will man so wenig wie möglich zu tun haben. Das ist der Fussball aus der RB-Schule des letzten Jahrzehnts, für diesen Fussball steht Peter Zeidler. Ein Konzept hinter den vielen Sprints ist bisher aber nicht immer zu sehen. Das unterstreichen die Daten der bisherigen Saisonspiele auf eindrücklich Art: GC hat mit grossem Abstand zum Rest der Liga die meisten Pressing-Aktionen in der gegnerischen Hälfte. Gleichzeitig ist GC das Team, das die meisten Pässe zulässt in der Super League. Heisst: Der ganze Aufwand ist hochgradig ineffizient. Und spätestens nach der Halbzeit brechen die Hoppers ein, einen taktischen Plan B gab es in den bisherigen Spielen nicht oder er war nicht zu erkennen. Auch mit dem Ball ist kein richtiges Muster in den bisherigen Spielen zu sehen.
Wo ist die Stabilität?
Es ist offensichtlich, dass Peter Zeidler mit mangelnder Qualität im Kader zu kämpfen hat. Doch wenn es schon an Qualität mangelt, gibt es im Fussball nicht selten ein Rezept, um als Kollektiv zu bestehen: mit defensiver Stabilität und Ordnung. Bei beidem kann von GC in den bisherigen Spielen keine Rede sein. Besonders wenn die Beine müder werden und die Pressingversuche mehr und mehr von weniger Erfolg geprägt sind, hat man zuletzt gegen Vaduz auch nicht die Tiefe abgesichert. Das Ergebnis? Ein gefährlicher Konter nach dem anderen. Zumal Captain Amir Abrashi neuerdings auch noch als Spielmacher eingesetzt wird, der in der Vergangenheit für defensive Stabilität und Ordnung im Mittelfeld sorgte. Der erfahrene Trainer Zeidler muss dringend ein defensives Gerüst für seinen Pressing-Fussball finden, sonst wird es zum Harakiri-Fussball.
Was passiert auf der Goalie-Position?
Mit Marvin Hübel hat man schon früh in der Sommerpause einen vielversprechenden Goalie vom FC Aarau geholt. Spielen tut er bisher allerdings nur im Cup, ist die Nummer zwei hinter Justin Hammel. Doch der Stammgoalie der letzten Jahre bekundet beim Saisonstart offensichtliche Mühe, strahlt weder Sicherheit noch Positivität aus. Auch die Daten zeigen es: Bei der Abwehrquote von Schüssen, Anzahl der Gegentore die ein Torhüter im Vergleich zu einem durchschnittlichen Torhüter verhindert hat oder bei der Shot-Stopping-Quote (Die Anzahl der über dem Durchschnitt verhinderten Tore, ausgedrückt als Prozentsatz der Schüsse, mit denen der Torhüter konfrontiert war), ist Hammel aktuell immer bei den letzten drei Goalies der Liga zu finden.
Wie viel Risiko geht GC mit den Transfers?
Gehen die Hoppers mit dem aktuellen Kader in die Saison, wählt man eine Hochrisiko-Variante. Schon beim ersten möglichen Super-League-Einsatz erfüllen die GC-Rückkehrer Giotto Morandi und Julian Von Moos alle Befürchtungen. Morandi ist laut Zeidler nicht fit, Von Moos schon wieder angeschlagen. Neuzugang Manex Guibelalde zeigt vielversprechende Veranlagungen mit dem Ball, doch wieso einen ballsicheren Sechser kaufen, wenn man gar keinen Ballbesitz-Fussball spielt? Und die Dauerbaustelle namens GC-Verteidigung ist weiterhin weit davon entfernt, ein Bollwerk zu sein – mit teils offensichtlichen qualitativen Mängeln. Man wird den Eindruck nicht los, dass man die Kaderplanung bei den neuen GC-Inhabern unterschätzt hat. Es gibt in Zürich weder einen lokalen Sportchef noch einen Kaderplaner, der bei Transfers unterstützt. Ein einmaliger Zustand in der Super League.
Ob der holländisch-marokkanische Ex-Profi Dries Boussatta dieser Aufgabe als übergeordneter Gruppen-Sportchef gewachsen ist, darüber gibt es nach den ersten Monaten bereits Zweifel. Im Gegensatz zur örtlichen Präsenz des Präsidenten Ludovic Deléchat sei der 53-Jährige bisher eher selten in Zürich anzutreffen. Online soll er sich die Trainingseinheiten anschauen. Dennoch wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt, wie der dreifache holländische Nationalspieler überhaupt wissen könne, was die Mannschaft von GC aktuell brauche, wenn er kaum vor Ort sei, um sich einen Eindruck zu machen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 4 | 10 | 12 | |
2 | BSC Young Boys | 5 | 10 | 11 | |
3 | FC Basel | 5 | 3 | 10 | |
4 | FC St. Gallen | 4 | 1 | 7 | |
5 | FC Sion | 4 | 1 | 6 | |
6 | FC Thun | 4 | -5 | 6 | |
7 | FC Zürich | 5 | -5 | 6 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 5 | -1 | 5 | |
9 | FC Luzern | 5 | -4 | 5 | |
10 | Servette FC | 4 | -1 | 4 | |
11 | FC Vaduz | 5 | -2 | 3 | |
12 | Grasshopper Club Zürich | 4 | -7 | 1 |

