Und plötzlich ist auch noch das Wetter schuld. «Es war zum ersten Mal richtig warm», streut FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner nach dem 0:3-Debakel gegen den FC St. Gallen mitten in der Pressekonferenz ein. Zudem habe man drei Spiele innert weniger Tage absolviert. Zwei davon Auswärtsspiele. In seiner allersten Antwort baut der FCB-Coach auch noch ungefragt eine Kritik am Schiedsrichter ein, der zu oft gegen seine Stürmer entschieden habe: «Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht immer nur den Verteidigern recht geben.»
Dass seine Mannschaft in allen Belangen unterlegen war. Dass sie nach 45 Minuten auch 0:5 hätte in Rückstand liegen können. Dass man praktisch keinen Zweikampf gewonnen, keine Mentalität gezeigt habe, erwähnt er nicht. Kann er auch kaum. Weil er diese Patrone schon nach dem 2:4 gegen Luzern verschiesst, als er seine Mannschaft öffentlich zerreisst. («Unterirdisch!», «Ein riesiges Mentalitätsproblem!») Nach dem Debakel gegen den FCSG will er seinem Team drum «keinen Vorwurf» machen, weil «der Gegner besser» gewesen sei.
Dass die Spieler nach dem 0:3-Rückstand gegen den FCSG eine Verletzungspause nutzen, um sich auf dem Platz zu einem Krisengespräch zu treffen, ist bemerkenswert. Lichtsteiner selbst greift nicht ein, hat die Hände oft in der Hosentasche, wirkt allgemein ruhiger als sonst.
In der ersten Halbzeit schickt er fünf Spieler zum Aufwärmen, eingewechselt wird vor dem Pausenpfiff keiner. Auch das ist bemerkenswert. Der erst 18-jährige Giacomo Koloto beispielsweise sieht gegen den giftigen Jozo Stanic kein Land, wird aber erst nach 58 Minuten erlöst. Auf die Frage, ob man den Teenager nicht früher hätte auswechseln müssen, bereits in der ersten Halbzeit, antwortet Lichtsteiner, dass Koloto es «gut gemacht» habe.
Zwei Wechsel zur Pause
Zur Pause reagiert Lichtsteiner dann doch und nimmt seine komplette linke Seite vom Feld. Bringt Dominik Schmid für Mousse Cissé und Ibrahim Salah für Benie Traoré. Von einer Predigt, die die Kabine zum Wackeln brachte, aber ist keine Rede: «Schlussendlich war es wichtig, zu sagen, dass es solche Spiele gibt, dass der Gegner besser ist.» Man habe auch nach dem 0:3 noch dran geglaubt, weil die Vergangenheit im Fussball gezeigt habe, dass man Spiele drehen kann. Die Gegenwart aber heisst: Basel muss in einer solchen Verfassung mehr Angst vor einem Total-Fiasko als vor einer irren Wende zum Positiven haben.
Gegen Ende der PK wirkt Lichtsteiner dann etwas gereizt. Auf die Frage, warum er nach Abpfiff sofort in die Katakomben gegangen sei und ob er sich habe sammeln müssen, antwortet der 108-fache Schweizer Nationalspieler: «Lustig, dass ich jede Aktion erklären muss. Wenn ich auf dem Platz bleibe, muss ich mich erklären, wenn ich gehe, muss ich mich erklären. Krass, dass das so interessiert, aber ich habe keine Antwort drauf. Sorry.»
Auch in sportlicher Hinsicht fehlen ihm bislang die Antworten. Von zehn Spielen als FCB-Trainer hat der ultimative Siegertyp Lichtsteiner bloss drei gewonnen und sechs verloren. Und das, obwohl die meisten davon bei winterlichen Temperaturen stattgefunden haben. Und nicht in der St. Galler Frühlingssonne.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 29 | 34 | 68 | |
2 | FC St. Gallen | 29 | 23 | 54 | |
3 | FC Lugano | 29 | 10 | 49 | |
4 | FC Basel | 29 | 4 | 46 | |
5 | FC Sion | 29 | 8 | 42 | |
6 | BSC Young Boys | 29 | 3 | 42 | |
7 | FC Luzern | 29 | 3 | 36 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 29 | -2 | 36 | |
9 | Servette FC | 29 | -6 | 33 | |
10 | FC Zürich | 29 | -16 | 31 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 29 | -14 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 29 | -47 | 16 |

