Es rumort gewaltig
Sind Lichtsteiners Tage als FCB-Trainer bald gezählt?

Trotz drei Siegen in vier Spielen wächst die Kritik an FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner. Spannungen im Verhältnis zur Mannschaft und ungeschickte Aussagen sorgen für Unruhe und Irritationen. Der Auftritt Samstag gegen den FCZ könnte zum Schicksalsspiel werden.
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Tobias WedermannFussballchef

Mehr als 200 Tage ist Stephan Lichtsteiner (42) Cheftrainer beim FCB, ruhig waren davon nur wenige. Seit seiner Ernennung steht er unter strenger Beobachtung, seit Tag eins gibt es Stimmen, die den Schritt von der 1. Liga Classic zum Cheftrainer des grossen FC Basel als zu gross erachten. Argumente dagegen hat Lichtsteiner seither nicht in grossen Mengen geliefert. Immerhin: Von vier Pflichstpielen (drei Super-League- und ein Cup-Spiel) hat der frühere Nati-Captain mit dem FCB drei gewonnen – und doch rumort es gewaltig. 

1/6
Beim FC Basel brennt der Baum.
Foto: TOTO MARTI

Der FCB-Coach betont immer wieder, dass ihm der Druck nichts ausmachen würde, den er aus seiner Zeit als Spieler in den Top-5-Ligen bestens kennt. Dafür stört ihn die stetige schlechte Stimmung rund um den Klub, für die er die Medien verantwortlich gemacht hat. «Man ist immer darauf aus, Negativität in den Klub zu bringen. Mein Team und ich haben etwas mehr Respekt verdient», sagt Lichtsteiner nach dem Sieg gegen Thun. Doch hört man sich beim FCB um, spricht mit Insidern und Personen aus dem engeren Umfeld, spricht vieles dafür, dass alles noch viel schlimmer ist. Es zeichnet sich ein eindeutiges Bild: Stephan Lichtsteiners Tage als Cheftrainer scheinen so gut wie gezählt. 

Verhältnis mit mehreren Spielern soll zerrüttet sein

Positiv wird Lichtsteiner ausgelegt, dass der siebenmalige Serie-A-Meister über ein sehr gutes Fussballverständnis verfügt und dass er sehr akribisch und detailversessen arbeitet. Doch in Sachen Menschenführung wird dem 42-jährigen Innerschweizer ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Mehrere Quellen berichten unabhängig voneinander, dass Lichtsteiner die FCB-Kabine so gut wie verloren habe.

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Diverse Spieler lassen hinter vorgehaltener Hand kein gutes Haar an ihrem Cheftrainer und dem Umgang mit der Mannschaft. Das Verhältnis mit den Führungsspielern sei zerrüttet. Rund um die hochtalentierten Neuzugänge ist ausserdem zu hören, dass man sich Gedanken zum Thema Wertschätzung mache, da sich Lichtsteiner teils noch nicht mal Zeit genommen habe für ein Vieraugengespräch nach ihrer Ankunft. 

Hinzu kommen Probleme bei der Aussendarstellung, die zunehmend nicht nur als Imageproblem für den Trainer, sondern auch für den Klub eingestuft werden. Regelmässig tritt Stephan Lichtsteiner bei seinen Medienterminen in Fettnäpfchen. Seine Aussage vor dem Thun-Spiel – «Wir haben kein Team, das zum Gewinnen gemacht ist, sondern um es zu entwickeln» – soll auf allen Ebenen des Klubs mit grosser Irritation zur Kenntnis genommen worden sein.

Keine Lernkurve bei Medienauftritten

Einsicht oder eine Lernkurve sei derweil kaum festzustellen, heisst es im Umfeld des Klubs. Vielmehr seien für Lichtsteiner auch hier die Medien schuld, die seine Aussage aus dem Kontext gerissen haben sollen. Genauso wie bei der Warmwetter-Thematik, als der FCB-Trainer Anfang März die Temperaturen im St. Galler Stadion (15 Grad Celsius) als Mitgrund für die Niederlage nannte.

Nicht nur beim Thema Medienarbeit, sondern auch generell habe man in den letzten Wochen beim FCB feststellen müssen, dass Lichtsteiner gegenüber Beratung nicht sehr offen zu sein scheint. Gespräche hinter verschlossenen Türen, in denen man dem auf diesem Niveau noch unerfahrenen FCB-Trainer Ratschläge gegeben und Unterstützung angeboten habe, sollen ohne Resultat oder Umsetzung geblieben sein.

Auf was wartet die Chefetage?

Die grosse Frage, die viele im Umfeld des FCB umtreibt, lautet deshalb: Warum ist Lichtsteiner überhaupt noch Cheftrainer? Bei der Antwort gehen die Meinungen auseinander. Die naheliegendste ist, dass man beim FCB keinen Fall Magnin 2.0 innert wenigen Monaten will. Dem ehemaligen Trainer Ludovic Magnin sprach man vor der letzten Winterpause das Vertrauen aus, trennte sich dennoch nach drei Spielen in der Rückrunde vom Romand. Der gewählte Zeitpunkt der Entlassung, nach einem 4:3-Spektakel-Sieg gegen den FCZ im Letzigrund, sorgte im Januar für Kritik. Auch Patrick Rahmen wurde vier Spiele nach der Winterpause entlassen, bei Alex Frei waren es 2023 ebenfalls vier Spiele nach der Pause.

«Lichtsteiner hat seine Zukunft beim FCB schon hinter sich»
5:21
Fragil aufgebautes Konstrukt:«Lichtsteiner hat seine Zukunft beim FCB schon hinter sich»

Eine Entlassung nach der Niederlage gegen Lausanne-Sport (0:1) im zweiten Spiel wäre zu früh gekommen, nachdem man Lichtsteiner Ende der abgelaufenen Spielzeit das hundertprozentige Vertrauen für die Vorbereitung sowie die neue Saison ausgesprochen hatte. Nach den klaren Siegen gegen Thun und im Cup gegen Courtételle hätte eine Trennung möglicherweise erneut für Kritik gesorgt. Wie der Zufall will, geht es für den FCB am Samstag wieder in den Zürcher Letzigrund zum FCZ.

FCB widerspricht «in aller Deutlichkeit»

Blick hat den FC Basel mit den Vorwürfen gegen Trainer Lichtsteiner konfrontiert. «Der FC Basel widerspricht den diversen nicht belegten Vorwürfen und Unterstellungen gegen seinen Cheftrainer in aller Deutlichkeit. Darüber hinaus kommentiert der Club keine internen Abläufe oder Spekulationen über vermeintliche atmosphärische Störungen und dergleichen. Dass der Blick nach vier Saisonspielen, wovon der FCB mit Trainer Stephan Lichtsteiner drei gewonnen hat, sich nun zu einer diffamierenden Kampagne bemüssigt fühlt, erachtet der FCB als journalistisch fragwürdig und äusserst beschämend», antwortet der Klub in einer schriftlichen Stellungnahme auf die Ergebnisse der Blick-Recherche. 

Dass Lichtsteiner auch mit sechs Punkten aus drei Ligaspielen zum Saisonstart immer noch der FCB-Cheftrainer mit der schlechtesten Ausbeute seit 29 Jahren (1,26 Punkte/Spiel) ist, wird man auch beim Meister der vorletzten Saison nicht wegdiskutieren können. In Kombination mit den Misstönen aus der Kabine und dem engen Umfeld des Klubs liegt der Verdacht nahe: Am Samstag in Zürich könnte ein Job-Endspiel auf Stephan Lichtsteiner warten.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
3
9
9
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
3
8
7
3
FC St. Gallen
FC St. Gallen
3
2
7
4
FC Sion
FC Sion
3
2
6
5
FC Basel
FC Basel
3
2
6
6
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
3
1
5
7
Servette FC
Servette FC
3
-1
3
8
FC Zürich
FC Zürich
3
-5
3
9
FC Thun
FC Thun
3
-6
3
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
3
-4
1
11
FC Luzern
FC Luzern
3
-5
1
12
FC Vaduz
FC Vaduz
3
-3
0
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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