Es geht um 830'000 Euro
Der Fall Gräfe – werden Schiedsrichter im Alter diskriminiert?

Wie lange können Schiedsrichter auf allerhöchstem Level pfeifen? In Deutschland ist diese Frage aktuell mit viel Geld verbunden. Manuel Gräfe fordert vom DFB wegen Altersdiskriminierung 830'000 Euro Schadenersatz. Wäre das auch in der Schweiz möglich?
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Manuel Gräfe fordert vom DFB wegen Altersdiskrminierung Schadenersatz in Höhe von 830'000 Euro.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Manuel Gräfe klagt gegen DFB wegen Altersdiskriminierung bei Schiedsrichtern
  • Altersgrenze für Bundesliga-Schiedsrichter wurde nach Gräfes Teilerfolg aufgehoben
  • Gräfe fordert 830'000 Euro Schadenersatz für drei mögliche Bundesliga-Saisons
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Lino DieterleRedaktor Online Sport

Das ist der Fall Gräfe

In der Angelegenheit von Manuel Gräfe (51) geht es um eine Klage wegen Altersdiskriminierung des ehemaligen deutschen Spitzenschiedsrichters gegen den Deutschen Fussball-Bund (DFB). Im Sommer 2021 musste Gräfe seine Karriere beenden, weil er das Alterslimit von 47 Jahren erreicht hatte – obwohl er selbst und viele Akteure aus der Bundesliga ihn weiter in der Lage sahen, auf höchstem Niveau Spiele zu leiten.

Zur Einordnung: Im Fussball war – respektive ist – es gängige Praxis, für Schiedsrichter Altersgrenzen zu definieren, in denen sie auf einem gewissen Niveau pfeifen oder überhaupt erst in eine höhere Kategorie aufsteigen dürfen. Bei Gräfes Zwangs-Rücktritt wurde am maximalen Alter von 47 Jahren festgehalten. Die Fifa setzte dieses Alter bis 2016 auf 45 Jahre fest – und hob die Regel danach auf. In der Schweiz ist es für einen Super-League-Schiedsrichter auf 46 Jahre definiert, allerdings wird im Regelwerk auf Ausnahmen verwiesen.

Der aktuelle Stand der Dinge

Der Rechtsstreit schwelt seit 2021. Am Donnerstag kommt es am Oberlandesgericht in Frankfurt zu einer Berufungsverhandlung. Gegenstand ist laut «Kicker» eine Schadenersatzforderung in Höhe von 830'000 Euro. Im Januar 2023 hatte ein Landesgericht Gräfe bereits eine Entschädigung von knapp 50'000 Euro zugesprochen und die Altersgrenze als «nicht zulässig» und «unverhältnismässig» eingeschätzt.

Das Gericht verweigerte allerdings den von Gräfe geforderten Schadenersatz, der sich damals noch auf knapp 200'000 Euro belaufen hatte. Weshalb am Donnerstag nun vor dem Berufungsgericht nach mehrjährigem Rechtsstreit das nächste Urteil erwartet wird. Die geforderte Summe setzt sich daraus zusammen, dass der heute 51-Jährige noch drei Jahre Bundesliga-Spiele hätte pfeifen können. Eine Saison soll dabei Einnahmen von 260'000 Euro bringen. Nach Gräfes Teilerfolg vor dem Landesgericht ist die Altersgrenze in der Bundesliga mittlerweile aufgehoben.

So sieht es in der Schweiz aus

Im Regelwerk zum Schweizer Schiedsrichterwesen sind die Alterslimiten zwar klar definiert, auf Anfrage lässt der Schweizer Fussballverband (SFV) aber ausrichten, dass diese in der Praxis eigentlich nicht umgesetzt werden, stattdessen auf individuelle Umstände und Leistungsfähigkeit eingegangen werde. Dennoch: In der Theorie dürfte ein Schiedsrichter der Super und Challenge League nicht älter als 46 Jahre sein. Bereits als Ausnahmen definiert sind die «internationalen Top-Schiedsrichter», die auch der Uefa- und Fifa-Kategorie angehören.

Spannend sind auch die definierten Altersrichtlinien, um in die höhere Kategorie aufzusteigen. Der Sprung in die Super League muss einem Schiedsrichter vor dem 38., jener in die Challenge League vor dem 36. Geburtstag gelingen. Allerdings sind auch hier Ausnahmen denkbar.

Zurück zu Gräfe, der in der Schweiz wohl relativ problemlos hätte weiter pfeifen können. Anders als in Deutschland sind Schweizer Schiedsrichter keine Profis – und die Entschädigung würde um ein Vielfaches tiefer ausfallen. Alter hin oder her.

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