Es ging bloss um 200'000 Franken
Wie ein Russland-Deal beinahe den FCB ruinierte

Russland-Sanktionen, eine angedrohte Transfersperre durch die Fifa, bis heute offene Fragen: Wie ein Leihgeschäft den FC Basel in Teufels Küche brachte.
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Seine Leihe wird für den FC Basel zum existenziellen Problem: Fjodor Tschalow, Anfangs 2022 kurz Spieler im Dress des FC Basel.
Foto: PIUS KOLLER

Darum gehts

  • Basel schuldete dem ZSKA Moskau 200'000 Euro für ein Leihgeschäft im Jahr 2022
  • Der damalige ZSKA-Mehrheitsaktionär steht auf der Schweizer Sanktionsliste
  • Fifa drohte mit einer Transfersperre falls das Geld nicht überwiesen wird
  • Der FCB beglich seine Schuld mit einer Zahlung an eine Dritt-Partei
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Florian RazReporter Fussball

Dieser Deal hätte den FC Basel in den Ruin treiben können. Ende Januar 2022 schliesst der FCB ein Leihgeschäft ab, mit dem er mitten in die Weltpolitik katapultiert wird. Später bedroht der Fall die Existenz des Vereins – und lässt bis heute Fragen offen. Es geht um den Ukraine-Krieg, um Druck durch den Weltfussballverband Fifa und um 200’000 Euro, die auf verschlungenen Wegen eine Basler Schuld in Russland begleichen.

Das alles für mickrige vier Törchen, die der russische Stürmer Fjodor Tschalow (damals 24) in seinen paar Monaten in Basel schiesst. 450’000 Euro Leihgebühr verlangt Tschalows Klub ZSKA Moskau für eine halbe Saison. Die ersten 250’000 fliessen mit Vertragsunterschrift am 31. Januar 2022. 24 Tage später erfolgt der völkerrechtswidrige Überfall Russlands auf die Ukraine.

Der Deal stürzt den FCB in ein existenzielles Problem

Damit werden die restlichen 200’000 Euro für den FCB plötzlich zu einem existenziellen Problem. Zwischenzeitlich droht ihm die Fifa mit einem drei Transferfenster dauernden Verbot, neue Spieler verpflichten zu dürfen. Und das in einer finanziell äusserst angespannten Phase, in der der die Basler wie wild Spieler transferieren, um ihre laufenden Rechnungen bezahlen zu können.

Problem ist die Hauptaktionärin des ZSKA: Das ist zu Beginn des russischen Angriffs die Staatsbank VEB (Vnesheconombank). Sie gilt als Kriegs-Finanziererin und landet deswegen auf der Sanktionsliste der USA, der EU – und damit auch auf jener der Schweiz.

Was bedeutet, dass der FCB plötzlich vor der Frage steht, ob er gegen Schweizer Gesetze verstösst, wenn er seine Schuld begleicht. Schliesslich sind auch indirekte Zahlungen an sanktionierte Firmen verboten. Im Frühjahr 2022 taucht sogar der Sportklub ZSKA Moskau selbst auf der US-amerikanischen Sanktionsliste auf. Allerdings nicht auf jener der EU und der Schweiz. Und das ist nur einer der vielen Graubereiche in dieser Geschichte.

Ein riesiger Aufwand – wofür? Fedor Tschalow schiesst in seiner halben Saison beim FC Basel gerade mal vier mickrige Törchen.
Foto: PIUS KOLLER

Klar sind allerdings drei Dinge: Erstens verweigert die Schweizer Bank des FCB im Mai 2023 eine Zahlung auf jenes Konto, auf das der ZSKA die 200’000 Euro gerne hätte. Es gehört zu einer russischen Bank, die auf der Sanktionsliste steht. Zweitens verurteilt die Fifa den FCB trotzdem dazu, das Geld auf genau dieses Konto zu überweisen.

Drittens fliessen die 200’000 Euro im Sommer 2023 tatsächlich. Aber nicht direkt nach Russland. Sondern an eine dritte Partei. Vermutlich an einen Klub in Europa, bei dem der ZSKA zu diesem Zeitpunkt selber Schulden hat.

Der Vorwurf der FCB-Fans

Bleiben folgende Fragen: Hat der FCB damit gegen das Sanktionsrecht verstossen? So, wie es die FCB-Fans in der Muttenzerkurve im Dezember auf einem Spruchband dem Klub und der Fifa vorwerfen? Und warum wurde er vom Weltfussballverband derart dazu gedrängt, sich in juristisch heikle Gefilde vorzuwagen?

Die Muttenzerkurve wirft im Dezember der Fifa vor, den FCB zum Gesetzesbruch angestiftet zu haben. Die Sachlage ist aber nicht so eindeutig, wie sie die FCB-Fans sehen.
Foto: Screenshot

Die Direktbeteiligten geben sich sehr wortkarg. «Der FCB äussert sich nicht zu diesem Thema», heisst es in Basel. Der Fifa ist vor allem wichtig festzuhalten, dass sie niemanden zu Zahlungen zwinge, «wenn eine Partei ausreichende Beweise dafür vorlegen kann, dass es aufgrund verhängter Sanktionen rechtlich und faktisch unmöglich ist, einen Vertrag zu erfüllen».

Eindeutig ist, dass das zuständige Football Tribunal der Fifa am 29. Juni 2023 keinen Grund sieht, warum der FCB die Schuld nicht begleichen soll.

Einerseits stellen die Richter fest, die Basler hätten das Schreiben «von nur einer Bank» vorgelegt, die das Geld nicht nach Russland überweisen wollte. Das reiche nicht als Beweis dafür, dass die Zahlung unmöglich sei. Dass Basel die Summe inzwischen auf ein Treuhandkonto bei der Swiss Football League hinterlegt hat, beeindruckt die Fifa ebenfalls nicht.

Der FCB sucht seine Login-Daten zum Fifa-Portal

Erschwerend kommt hinzu, dass der FCB offenbar seine Zugangsdaten zum juristischen Portal der Fifa nicht findet. Erst einen Tag nach Eingabefrist fragt der Klub bei der Fifa nach einem neuen Login. So landet die Eingabe des FCB mit zwei Tagen Verspätung bei der Fifa. Weswegen die Richter befinden, sie müssten auf die Basler Argumente gar nicht erst eingehen.

Ihr Urteil: Entweder, der FCB bezahlt innerhalb von 45 Tagen die 200’000 Euro plus fünf Prozent Zinsen. Oder er darf so lange keine neuen Spieler verpflichten, bis er die Schuld beglichen hat – oder bis drei volle Transferperioden verstrichen sind.

Das Urteil des «Players' Status Chamber» der Fifa ist eindeutig. Bezahlt der FCB nicht, darf er während drei Transfperperioden keine Spieler verpflichten. Speziell: Die Zahlung soll auf das Konto einer Bank erfolgen, die auf der Schweizer Sanktionsliste steht.

Damit ist das gesamte Geschäftsmodell des FCB auf einen Schlag infrage gestellt. Kein Wunder, dass die Basler hektisch werden. Laut Blick-Recherchen bereiten sie einerseits einen Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS vor. Andererseits suchen sie einen Weg, die Schuld doch zu begleichen. Und finden ihn mit einem Dreiecksgeschäft.

Dabei sichern sich die Basler laut Blick-Informationen so weit ab, wie das überhaupt möglich ist, damit sie nicht gegen die Sanktionen verstossen: Geld fliesst einerseits nicht auf ein russisches Konto. Andererseits taucht der ZSKA nie auf der Schweizer Sanktionsliste auf und hat laut eigenen Angaben seit dem 7. Juli 2022 einen neuen Mehrheitsaktionär, der ebenfalls nicht auf der Sanktionsliste steht.

Klar ist aber auch: Ob am Ende nicht doch eine sanktionierte Firma oder Person hinter dem ZSKA steckt, wird vermutlich für immer ein Geheimnis bleiben.

Das Beispiel Sion zeigt die verworrene Lage

Wie verworren die Lage ist, zeigt dieses Beispiel: Der schwedische Klub Djurgardens IF beweist im August 2023 der Fifa, dass er gegen die europäischen Sanktionen verstösst, wenn er 30’000 Euro an Zenit St. Petersburg überweist. Zwei Jahre später reist der FC Sion für ein Testspiel nach St. Petersburg und erhält dafür von Zenit 300’000 Franken. Scheinbar ohne dass die Sittener gegen die Schweizer Sanktionen verstossen, die identisch sind mit jenen der EU.

Der FCB darf also damit rechnen, dass das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft keine Untersuchung gegen ihn anstrebt. Eine Lehre ist ihm der Fall Tschalow trotzdem. Als Stürmer Philip Otele (26) im Sommer 2025 nach Russland wechseln könnte, lehnen die Verantwortlichen dankend ab.

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Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
19
16
40
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
19
16
37
3
FC Lugano
FC Lugano
19
5
33
4
FC Basel
FC Basel
19
8
32
5
BSC Young Boys
BSC Young Boys
19
0
29
6
FC Sion
FC Sion
18
4
27
7
FC Zürich
FC Zürich
19
-7
24
8
FC Luzern
FC Luzern
19
0
21
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
18
0
21
10
Servette FC
Servette FC
18
-6
20
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
19
-9
17
12
FC Winterthur
FC Winterthur
18
-27
10
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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