Noch rund sechs Wochen ist das internationale Transferfenster für die Schweiz geöffnet. Weshalb viele Suchen noch nicht abgeschlossen sind und bei den Klubs viele Spieler im Training sind, die noch gehen werden. Was nichts daran ändert, dass es am Wochenende losgeht!
Wie zuletzt immer erfolgt der Saisonstart also mit Teams, die noch nicht komplett sind. Bei Prognosen gilt es, diesen Umstand unbedingt zu berücksichtigen. Was aber Blick-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz (59) nicht daran hindert, den Versuch zu wagen, die Saison vorauszusagen.
Letzte Saison unterlag Lugano in einem Test Aufsteiger Thun und verlor zum Saisonstart gegen dasselbe Team 1:2. Dieses Jahr unterlag Lugano Aufsteiger Vaduz in einem Freundschaftsspiel und spielt zum Saisonstart wieder gegen den Aufsteiger. Eine Niederlage von Lugano – und ich sage Vaduz als Meister voraus. Ein Titel, den die Liechtensteiner allerdings gar nicht gewinnen dürfen … Spass beiseite: Nochmals wird es solch eine Meistersensation, die niemand hatte kommen sehen, nicht geben. Und es wird sich auch nicht wiederholen, dass gleich vier Schwergewichte eine Saison vollständig in den Sand setzen wie Basel, YB, Servette und der FCZ. Mein Meistertipp ist allerdings derselbe wie letzte Saison: Lugano. Diese Spielzeit mehr denn je, denn nun kommt der Faktor des neuen Stadions hinzu.
Viele Änderungen werde es in der Liga nicht geben, ist der zweitbeste Torschütze der Nati-Geschichte sicher. Auch weil weder Geld noch Lust vorhanden seien, grosse Investitionen zu tätigen. Und auch das Schema, das er scharf kritisiert, wird wohl dasselbe bleiben: Auf junge Talente aus dem Ausland setzen, die man billig holen kann, statt auf den eigenen Nachwuchs. Dies trotz des Beispiels Andrej Vasovic (18). Das Zuger Talent ging nach zwei (!) Monaten als gesetzter Spieler der ersten Mannschaft für die Luzerner Rekordsumme von sieben Millionen zum FC Brügge.
Das macht Mut. Von daher ist es ein positives Beispiel. Das aber auch aufzeigt, wie überhitzt dieses Business geworden ist. Heute reichen zwei Monate und sechs Tore. Als ich 1990 von Servette zu Bologna ging, hatte ich in Genf in 46 Spielen 25 Tore gemacht. Was wären die dreieinhalb Millionen von damals heute wert? Ich denke wohl hundert Millionen. Hier ist meine Saisonprognose:
Lugano
Wieder Lugano! Ich habe die Tessiner schon mehrmals als Champion prognostiziert. Dieses Mal klappts! Das Team ist zusammengeblieben. Der schlaue Trainer Croci-Torti ist immer noch da. Die Abwehr ist die beste der Liga und mit von Ballmoos steht ein Topmann zwischen den Pfosten. Lugano bleibt heuer erstmals von Verletzungen verschont. Im Spät-Mercato werden die Tessiner noch nachlegen. Und das Wichtigste: das Bijou! Ein neues, reines Fussballstadion ist das Tüpfelchen auf dem i, das noch fehlte.
Young Boys
Die Berner haben die Defensive mit Zesiger und Schmidt deutlich verstärkt. Von Letzterem bin ich ohnehin Fan. Das war ich auch, bevor er ins Ausland ging. Ich hatte ihn bereits als St. Galler als Nati-Kandidaten gesehen. Das kann er nun erneut werden. Das in der abgelaufenen Saison derart enttäuschende Team holt sich den Vizemeistertitel. Aber nur dann, wenn Trainer Gerardo Seoane einen demütigen Fussball spielen lässt, der verhindert, dass man so oft in der letzten Spielzeit den Gegnern ins offene Messer läuft.
Sion
Das beste Team des Saisonfinals steht für eine unglaubliche Stabilität und Kontinuität. Die Mannen von Didier Tholot sind ungemein solid, haben eine eigene Identität entwickelt und sind kaum zu schlagen. Hinten sind sie die Nummer eins und vorne schaffen Surdez und Boteli den grossen Durchbruch. Dazu hat Sion mit Chouaref, Nivokazi, Lukembila, Rrudhani und Kololli viel weitere Durchschlagskraft.
St. Gallen
Da gilt Ähnliches wie für Sion: Die Kontinuität ist gross. Auch weil der Trainer immer noch Enrico Maassen heisst und dieser einen attraktiven Fussball spielen lässt. Dazu macht Sportchef Roger Stilz einen Topjob. Und Präsident Matthias Hüppi hat den Machtkampf gewonnen. Das war für den Cupsieger enorm wichtig. Alessandro Vogt wurde mit Andrin Hunziker gleichwertig ersetzt. Der Basler macht eine sehr interessante Entwicklung und wird sich bald für die Nati empfehlen.
Basel
Es wird wieder nichts aus dem Minimalziel von Präsident David Degen, das da heisst Conference-League-Gruppenphase. Dies, obwohl ich es gutheisse, dass man an Stephan Lichtsteiner als Coach festgehalten hat, obwohl dieser nachhaltig erfolglos war. Denn auch er kann nichts für die unglaubliche Instabilität im Team mit diesen vielen Wechseln, die es auch heute zu beobachten gibt. Der FCB ist bloss noch ein Durchlauferhitzer. Der Meistertitel vor zwei Jahren war einzig Shaqiri zu verdanken. Doch der wird bald 35. Kann er nochmals so durchstarten wie damals? Ich bezweifle es, wünsche mir es aber, weil er einer der wenigen Fussballer in der Schweiz ist, der mich wirklich unterhält. Shaq ist für Lichtsteiner, was Granit Xhaka für Murat Yakin ist. Immerhin: Omlin ist eine Spur besser als Hitz und auch Celar ist ein Gewinn, auch wenn sechs seiner 14 Tore aus der letzten Lugano-Saison Penaltys waren.
Zürich
Als letztes Team rutscht der FCZ in die Finalrunde. Dank meines ehemaligen Mitspielers Marcel Koller, der für mich sowohl bei GC wie auch in der Nati so was wie ein grosser Bruder war. Er ist mit seiner väterlichen Art der ideale Trainer für den FCZ. Dass er ein GC-Bube war, ist dabei egal. Auch ich hätte problemlos für die Stadtzürcher spielen können. Einzig für Fenerbahce hätte ich als Galatasaray-Spieler niemals auflaufen können. Klammer zu. Zudem kann Koller mit Gämperle und Bernegger auf einen mit allen Wassern gewaschenen Staff zählen, sodass sich der immer ausgeglichene Mäse auf seine Rolle als Manager nach englischem Vorbild konzentrieren kann.
Servette
Das Goalie-Theater der letzten Saisons sollte mit dem Weggang von Mall und dem Zuzug von Gertmonas beendet sein. Weshalb die Genfer auf eine starke Defensive werden zählen können. Gut finde ich, dass man an Trainer Jocelyn Gourvennec festgehalten hat, auch wenn er den Grossteil der enttäuschenden letzten Saison zu verantworten hat. Top ist auch, dass man bereit war, die Million für Kadile zu bezahlen, denn der steht vor einer Leistungsexplosion nach seinen sechs Toren und unfassbaren zehn Assists in nur 13 Spielen in der letzten Rückrunde. Aber er alleine wird die Servette-Offensive nicht bilden können. Da braucht es noch einen Zuzug. Mindestens einen.
Luzern
Der Zuzug von Bertone ist ein immenser Gewinn fürs Team. Nichts gegen den aktuellen Captain Dorn, aber der Thun-Meistermacher hat schon ein anderes Standing. Ich verstehe nicht, weshalb nicht der FCZ, Basel, St. Gallen oder Lugano Interesse am Berner gezeigt haben. Er war ja so was wie Lustrinellis Xhaka. Das wird er für den neuen Trainer Jörg Portmann auch in Luzern sein, dennoch wird es nach hartem Kampf für die Finalrunde nicht reichen. Apropos Portmann: Ich finde es stark von Sportchef Remo Meyer, dass er nach der immens starken Persönlichkeit Mario Frick einem Mann aus den eigenen Reihen die Chance gibt.
GC
GC auf Rang neun? Mit einer Mannschaft, die es noch gar nicht gibt? Steckt da nicht etwas viel Kubi-Romantik und Wunschdenken in dieser Rangprognose? Vielleicht schon. Zumal der Bruch der neuen Besitzer mit dem geschassten und erfolglos gebliebenen Sportchef Alain Sutter ja radikal war und ich keine Ahnung habe, wie das mit einem ‹recruitment team› gehen soll. Die einzige Konstante ist Trainer Peter Zeidler, von dem ich viel halte, der aber ohne Mannschaft auch nichts wird ausrichten können. Zumal es GC selbst mit einem Asp Jensen (der weg ist) nicht geschafft hat, der Barrage zu entgehen. Es wird auch heuer sehr schwierig werden. Aber es wird klappen!
Vaduz
Warum Vaduz auf Platz zehn? Primär, weil es Lausanne und Thun gibt, die schwächer sind, und weil Marc Schneider ein erfahrener, ruhiger Coach ist, der die Aufstiegseuphorie für den Ligaerhalt nutzen wird. Unter ihm müssen die Spieler viel rennen, das hat man schon im Aufstiegsrennen gesehen. Weshalb es für alle Teams sehr mühsam sein wird, gegen die Liechtensteiner zu spielen. Und: Sie werden dem Abstiegskampf viel Positives abgewinnen, im Gegensatz zu GC, Lausanne und Thun.
Lausanne
Die Waadtländer haben mir unter Zeidler letzte Saison gut gefallen, weil sie meistens für Unterhaltung gesorgt haben. Der neue Trainer Luka Elsner muss sich bei seiner ersten Schweizer Station erst noch beweisen. Der Verlust des talentierten Diakité tat weh, dafür ist Janneh (noch) da. Das könnte sich allerdings ändern. Und dann würde es für Lausanne ganz eng werden.
Thun
Sorry, liebe Thuner. Aber es geht als Meister eine Liga tiefer in die Challenge League … Mit Mauro Lustrinelli hat man den Erfolgsgaranten an der Seitenlinie verloren. Dazu die Meistermacher Bertone, Rastoder, Imeri und Meichtry, die weg sind, und Montolio, der nach seinem Kreuzbandriss Ende April wohl die gesamte Vorrunde ausfällt.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Basel | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Lugano | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Luzern | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Sion | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC St. Gallen | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Thun | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Vaduz | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Zürich | 0 | 0 | 0 | |
1 | Grasshopper Club Zürich | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Lausanne-Sport | 0 | 0 | 0 | |
1 | Servette FC | 0 | 0 | 0 | |
1 | BSC Young Boys | 0 | 0 | 0 |












