Grosse Daten-Analyse
Ein Super-League-Profi macht defensiv noch weniger als Shaqiri

Wer ist der wertvollste Spieler dieser Liga? Wer blüht unter Druck so richtig auf? Und wer ist der traurigste Verteidiger? Blick präsentiert Daten, die so nirgends sonst zu finden sind.
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Mag kein Pressingliebhaber sein. Aber es gibt in der Liga tatsächlich einen Mittelfeldspieler, der noch weniger gern gegen den Ball arbeitet.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

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Florian RazReporter Fussball

Wer ist der wertvollste Spieler der Liga? Wer hat noch weniger Bock auf Abwehrarbeit als Xherdan Shaqiri? Woran ist Peter Zeidler bei den Grasshoppers gescheitert? Der Blick auf die Zahlen von Statsbomb zeigen es. Der Lieferant von Blick gehört zur weltweiten Spitze, wenn es um fortgeschrittene Daten geht.

Torflut in der Liga

Gut, das können wir auch ohne Statistikportal ausrechnen: 750 Tore sind in der letzten Saison der Super League gefallen. Macht 3,29 pro Spiel. Diesen Schnitt schlägt die aktuelle Spielzeit locker. Fast vier Tore fallen pro Match (3,87). Geht es so weiter, kommen wir per Saisonende auf 882 Tore! Der Rekord von 3,33 Toren pro Spiel (Saison 2009/10) kann fallen.

Was Essende von Baldé unterscheidet

Mitverantwortlich für die Torflut ist er: Samuel Essende (28), Torgarant der Young Boys. Zehn Treffer in neun Spielen sprechen für sich. Auch wenn der Pariser zwei Tore per Elfmeter erzielt hat.

Schaut man mit dem statistischen Modell «erwartbare Tore» seine Chancen an, dann hätte Essende bloss 5,25 Treffer erzielen sollen. Hatte der Berner also bloss Glück?

Eher nicht, wenn man schaut, wo seine Schüsse landen. Die sind nämlich so gut gezielt, dass das statistische Modell nach Schussabgabe sogar 9,3 Tore erwarten würde. Heisst: Essende erhöht derzeit die Torgefahr seiner Chancen durch die Präzision seiner Abschlüsse. Es ist seiner Qualität geschuldet, dass er mehr Tore erzielt, als der xG-Wert erwartet.

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Ganz anders sieht es bei Aliou Baldé (23) aus. Der St. Galler hätte knapp zwei Tore mehr erzielen sollen, als die drei, die er derzeit auf dem Konto hat. Auch seine Schussqualität ist eigentlich gut. Und doch hat kein Stürmer bislang mehr Chancen vergeben als der Guineer.

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Hat der also bloss Pech? Möglich. Falls ja, dürfen sich die Ostschweizer auf viele Tore freuen. Im direkten Vergleich mit Essende fällt aber auf, dass Baldés Schüsse eher etwas weiter weg vom Tor abgegeben werden. Und dass der St. Galler mehr in die Tormitte schiesst als Essende.

Alvyn Sanches ist ein Monster

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Alvyn Sanches (23) ist der wertvollste Spieler der Super League. Also, vielleicht nicht auf den Marktwert bezogen. Aber darauf, was er für seine Mannschaft auf dem Platz abliefert. Das beweist die Statistik On Ball Value (OBV – Wert am Ball). Die berechnet für jede gelungene oder misslungene Aktion eines Spielers auf dem Feld, ob damit die Chance auf ein eigenes Tor gestiegen oder gesunken ist.

Laut diesem On Ball Value waren Sanches’ Aktionen pro Spiel für 0,66 YB-Tore gut. Bestwert in der Liga. Faszinierend am Berner: Natürlich brilliert er in der Offensive. Ob Dribblings, erwartbare Assists, Torabschlüsse, Pässe in den gegnerischen Strafraum, Ballberührungen im gegnerischen Sechzehner – überall ist er in den Top 10 der Liga. Aber er gehört auch zu den Spielern mit den meisten Defensiv-Aktionen.

Kurz: Alvyn Sanches ist ein Monster und eigentlich zu gut für diese Liga.

Einer macht defensiv noch weniger als Xherdan Shaqiri

Dass Xherdan Shaqiri (34) kein Pressingliebhaber mehr wird, ist allen klar. Wie wenig sich die Basler Nummer 10 tatsächlich für die aktive Arbeit gegen den Ball begeistern kann, zeigt eine spezielle Statistik.

Gemessen wird, wie viele Chancen ein Spieler gehabt hätte, um eine defensive Aktion auszuführen. Danach wird gezählt, ob ein Spieler häufiger oder seltener defensiv aktiv wurde, als von einem durchschnittlichen Spieler erwartet werden könnte.

Wer die Rangliste der Spieler anschaut, die am häufigsten auf eine Abwehraktion verzichten, stösst wenig überraschend auf den Namen Shaqiri. Über 13 mögliche Situationen, um einen Gegner anzugreifen, lässt er pro 90 gespielte Minuten verstreichen.

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Aber es gibt tatsächlich jemanden, der gegen den Ball noch passiver ist: Edimilson Fernandes (30)! Ob Gerardo Seoane (47) diese Statistik mal mit seinem defensiven Mittelfeldspieler anschaut? Laut dem YB-Trainer sollen seine Young Boys ja aktiv verteidigen. Da passt Fernandes’ Passivität nicht ganz ins Schema.

Dieser Goaliewechsel macht Sinn

Die Grasshoppers haben Justin Hammel (25) durch Marvin Hübel (23) ersetzt. Und die neue Nummer 1 macht seine Sache gut. Laut Statistik hat er bislang 2,33 Tore weniger erhalten, als aufgrund der Schüsse auf sein Tor zu erwarten gewesen wären. Damit ist er an der Ligaspitze.

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Sein Vorgänger Hammel hat 2,05 mehr zugelassen als zu erwarten war. Ganz unten in der Tabelle: FCZ-Ersatzmann Heinz Lindner (36), der 3,29 Tore mehr kassiert hat als statistisch anzunehmen wäre. Und Vaduz-Goalie Leon Schaffran (28) mit einer Bilanz von 2,54 Gegentoren, die über dem Schnitt liegen.

Ali Kabacalman braucht den Druck zum Atmen

Es gibt Spieler, die den Ball unter Druck einfach wegschlagen. Und es gibt Ali Kabacalman (30). Der Sion-Mittelfeldspieler bringt 91 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler, wenn er unter Druck ist. Ligaspitze. Kabacalman ist ein wichtiger Grund, warum der FC Sion in dieser Saison so wenig Mühe mit pressenden Gegnern hat.

Dasselbe gilt für den FC Lugano. Kein Wunder: Unter den Top 10 jener Spieler, die mindestens 600 Minuten in den Beinen haben, sind gleich vier Tessiner: Anto Grgic (29) (89%), Uran Bislimi (26) (87%), Daniel Dos Santos (23) (83%) und Antonios Papadopoulos (27) (83%).

Zur Ehrenrettung des weiter oben als pressingfaul geouteten Edimilson Fernandes: In dieser Statistik ist der YB-Spieler gemeinsam mit Grgic und dem Zürcher Bledian Krasniqi (25) auf dem geteilten zweiten Platz (89%).

Die Grasshoppers machen alles – und nichts

Peter Zeidler (64) wird nachgesagt, er habe keinen Plan B. Das Problem bei den Grasshoppers war aber vielleicht gar nicht das. Sondern dass Plan A so unfassbar schlecht ausgeführt wurde.

GC hat praktisch auf dem ganzen Feld den Ball gejagt. Und dabei extrem viel Energie verloren, ohne dass etwas dabei herausgeschaut hätte. Das zeigt sich exemplarisch beim Blick auf die Heatmap des Spiels gegen Sion. Überall auf dem Feld sind da Defensivaktionen der Grasshoppers eingezeichnet, während sich die Sittener auf ihre eigene Platzhälfte beschränken. Am Ende gewinnt Sion 5:2 …

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Das Spiel zeigt: Aggressives Verteidigen allein ist nicht immer gut. Und passives nicht nur schlecht, wie Jan Kronig (26) beweist. Der Sittener verteidigt sehr zurückhaltend – lässt aber trotzdem wenig für den Gegner zu. Die Grasshoppers unter Zeidler waren das pure Gegenteil von Kronig: hyperaktiv – und trotzdem ohne Zugriff auf die Gegner. Vielleicht ein Ansatz für den neuen Coach.

Der einsame Thuner unten links

Weil schon die Rede von aggressivem und passivem Abwehrverhalten ist: ein Blick auf die Innenverteidiger der Super League. Dass die Abwehrspieler aus Lugano und Sion oben ausschwingen, mag nicht überraschen. Wie sie das tun? Ist schon spannender.

Die Tessiner haben mit Antonios Papadopoulos (27) und Hannes Delcroix (27) zwei Spieler im Zentrum, die entsprechend dem Spiel ihrer Mannschaft eher abwartend verteidigen. Aber das dafür richtig gut.

Sion dagegen hat im Abwehrzentrum zwei Spieler mit komplett unterschiedlichen Spielstilen. Noé Sow (27) ist aktivster Innenverteidiger der Liga. Das heisst, er sucht aggressiv den Zweikampf und setzt die Gegner aktiv unter Druck. Kollege Kronig ist einer der passivsten Abwehrspieler. Zusammen aber bilden sie die Ligaspitze, wenn es geht, gegnerische Torchancen zu unterbinden.

Das Duo aus einem aktiven Balljäger und einem passiveren Absicherer versucht auch Basel mit Akpe Victory (20) und Flavius Daniliuc (25). Bei YB wäre es wohl so geplant mit Sandro Lauper (29) und Loris Benito (34). Nur, dass da der aktivere Part – Lauper – ligaweit immer noch zu den eher passiven Abwehrspielern gehört.

Dann ist da GC, wo alle Innenverteidiger aktiv verteidigen – einfach nicht sehr erfolgreich. Drei Hopper landen in der unschönen Kategorie «aggressiv aber ineffektiv».

Und schliesslich gibt es noch Nicolas Bürgy (31). Der Thuner tut wenig – und verhindert damit noch weniger. Ziemlich einsam steht er unten links in der Kategorie «passiv und ineffektiv» – und tut einem schon fast ein wenig leid. 

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Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
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9
20
25
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
9
13
19
3
FC Sion
FC Sion
9
9
19
4
FC Basel
FC Basel
9
0
13
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
9
-3
13
6
FC Luzern
FC Luzern
9
-1
12
7
FC Zürich
FC Zürich
9
-6
11
8
Servette FC
Servette FC
9
-2
10
9
FC Thun
FC Thun
9
-8
10
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
9
-11
8
11
FC Vaduz
FC Vaduz
9
-3
6
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
9
-8
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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