Darum gehts
- So lief das Public Viewing in der Thuner Stockhorn-Arena ab
- Rund 4000 waren hier – aus dem freien Sonntag wurde ein Volksfest
- Thun-Legende Latour hat sich als Edelfan unter die Zuschauer gemischt
Ungewohnte Situation in Thun: Plötzlich muss man YB die Daumen drücken. Die Berner sind gut 30 Kilometer entfernt im Wankdorf drauf und dran, Thun zum Meister zu machen. Die Berner Oberländer Fans verfolgen in ihrer Arena das Geschehen auf der grossen Leinwand, die Fussballer in der Lounge mit ihren Angehörigen.
Als in Bern die 92. Minute läuft, fragen sich in Thun alle: Ist es wirklich wahr, dass wir in ein paar Minuten Meister sind? YB muss gegen St. Gallen nur unentschieden spielen, es steht 1:1. Aber dann verderben die Berner die Thuner Party mit einer Katastrophen-Mauer bei einem St. Galler Freistoss. Das warten in Thun auf den Sensationstitel geht mindestens bis zum Auswärtsspiel am nächsten Samstag in Basel weiter.
Eine Stimmung wie in der Badi
Volkstrauer in der Stockhorn-Arena? Weit gefehlt. Klar liegt nach Spielschluss eine leise Enttäuschung in der Luft. Rund 4'000 Fans haben an diesem spielfreien Tag den Weg in die Arena gefunden, die ausserhalb der Stadt liegt. Doch auch nach der erneut vertagten Meisterparty herrscht auf dem Feld eher eine Stimmung wie an einem Sonntag in der Badi.
Kinder spielen Fussball, unzählige Bälle rollen durch die Zuschauermasse. Diese haben sich im Laufe des Spiels von der Tribüne auf das Feld begeben, um das Spiel sitzend vom Rasen aus auf der grossen Anzeigetafel zu beobachten. Es hat auch was von einer Openair-Stimmung. Nach Spielschluss gesellen sich auch einige Spieler zu den Leuten.
Thun-Legende Latour: «Unglücklich wäre daneben»
Auf der Gegentribüne hat sich an diesem warmen Frühlingstag der Thuner Edelfan und Trainer-Legende Hanspeter Latour (78) eingenistet. Blick findet ihn für ein Interview im Schatten unter dem Stadiondach. Schon das 0:1 gegen Lugano am Samstag verfolgte er live. Am Sonntag hat er sich mit seiner Frau spontan entschlossen, gleich nochmals in die Arena zu kommen.
Latour zeigt seine Enttäuschung: «In unserem Leben ist der Titel hier ein ganz spezieller Moment. Jetzt schiebt er sich weiter raus. Ich hätte nicht gedacht, dass Thun am Samstag und YB am Sonntag gerade beide verlieren, und beide in der Nachspielzeit. Es hat offenbar einfach nicht sein dürfen.»
Aber Latour wäre nicht Latour, würde er nicht gleich das gesamte Berner Oberland wieder aufmuntern: «Die Stimmung hat mir sehr gut gefallen, die Begeisterung aller Kinder auf dem Feld ist toll. Es wäre dieses Wochenende schön gewesen, hätte es geklappt. Aber der Titel kommt. Unglücklich ist hier niemand, das wäre auch daneben!»
Spezieller Geburtstag für Andres Gerber
Speziell ist der Sonntag für den Präsidenten des FC Thun. Andres Gerber feiert seinen 53. Geburtstag. Ein Titel wäre ein schönes Geschenk gewesen. Gerber zu Blick: «Ja klar. Schon am Samstag hatte man das Gefühl, dass dafür alles aufgegleist ist. Aber im Nachhinein wird man sich vielleicht darüber freuen, noch ein, zwei Feste mehr gehabt zu haben, bis es wirklich fix ist.» Das Geburtstagsständchen der Kurve für ihn vor dem Spiel bedeute ihm viel.
Klar ist trotz Last-Minute-Dämpfer: Ihre gute Stimmung lassen sich die Thuner vom zweimal aufgeschobenen Titel nicht nehmen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 34 | 37 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 34 | 25 | 63 | |
3 | FC Lugano | 34 | 13 | 60 | |
4 | FC Sion | 34 | 18 | 55 | |
5 | FC Basel | 34 | 4 | 53 | |
6 | BSC Young Boys | 34 | 4 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 34 | 4 | 43 | |
2 | Servette FC | 34 | 2 | 43 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 34 | -7 | 42 | |
4 | FC Zürich | 34 | -21 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 34 | -26 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 34 | -53 | 19 |




