Smiljanic erinnert sich zurück
Als Basel gegen GC noch ein Hass-Duell war

Vor einem Vierteljahrhundert waren Basel und GC das Mass aller Dinge im Schweizer Fussball. Nun kommts heute zum Duell Not gegen Elend. Warum das so ist, sagt Legende Boris Smiljanic (50). Und er erinnert sich an ein denkwürdiges Spiel.
Kommentieren
1/7
Unvergessene Duelle: Boris Smiljanic (r.) holt Hakan Yakin von den Beinen.
Foto: Toto Marti
RMS_Portrait_AUTOR_1196.JPG
Stefan KreisReporter Fussball

Wer um die Jahrtausendwende von GC zu Basel wechselt, braucht ein dickes Fell. Das weiss Mladen Petric, der sich im Stadion plötzlich einer brennenden Strohpuppe gegenübersieht. Und das weiss Boris Smiljanic, der bei seiner Rückkehr in den Hardturm mit unzähligen Judas-Plakaten begrüsst wurde. «Die Plakate fand ich ja noch amüsant, aber wenn du als Innenverteidiger, der viel Ballkontakte hat, permanent ausgepfiffen wirst, geht das nicht spurlos an einem vorbei», erinnert sich Smiljanic.

Das Spiel vom Mai 2003 beginnt als Meisterkampf und wird zu einem der hitzigsten Spiele in der Geschichte des Schweizer Fussballs. «Weil es damals noch richtige Persönlichkeiten gab, Charaktere», erinnert sich Smiljanic. Ricardo Cabanas und Mario Cantaluppi beispielsweise. Beide fliegen vom Feld, weil der GC-Leitwolf seinem Gegenspieler erst ans Schienbein tritt und jener sich dann per Kopfstoss revanchiert. Dass GC-Goalie Fabrice Bohrer den FCB-Fans den Mittelfinger zeigt und Cabanas hinterher im TV die «privaten Probleme» von Cantaluppi anspricht, steht sinnbildlich für die Rivalität.

Fast ein Vierteljahrhundert später treffen die beiden einstigen Liga-Grössen am Sonntag im Joggeli mal wieder aufeinander. Und aus dem Besten, dem Emotionalsten, was der Schweizer Fussball zu bieten hatte, ist ein Not-gegen-Elend-Spiel geworden. Basel hat von den letzten fünf Liga-Spielen vier verloren und ist seit Anfang August ohne Heimsieg. GC wird auch in dieser Saison das tun, was man seit Jahren macht: gegen den Abstieg spielen. Von Persönlichkeiten ist mit Ausnahme von Amir Abrashi und Xherdan Shaqiri nichts zu sehen. Stattdessen stehen mit Slavisa Jokanovic und Olaf Janssen zwei Trainer an der Seitenlinie, die noch vor ein paar Wochen niemand auf dem Schirm haben konnte.

Wiederverkaufswert wichtiger

Auf die Frage, ob ihm das Herz blute, wenn er an den aktuellen Zustand seines Jugendvereins denke, antwortet Smiljanic: «So weit würde ich nicht gehen, aber man könnte es anders aufziehen. Als beispielsweise Adrian Fetscherin noch bei GC war, hat er in Sachen Marketing viel bewegt. Es ist unglaublich wichtig, Identifikation zu stiften. Das kommt meiner Meinung nach zu kurz.»

Allgemein sei es schwierig, Identifikation zu erreichen, wenn die Kader ständig ausgetauscht würden und man auf junge Leihspieler setzen würde, so Smiljanic. «Als ich noch Spieler war, lag der Fokus darauf, gestandene Spieler zu verpflichten und nicht auf den Wiederverkaufswert zu schauen. Heute ist das anders», sagt Smiljanic. Der FC Basel ist unter Boss David Degen eine höchst erfolgreiche Transferbörse geworden. 150 (!) Millionen beträgt die Wertsteigerung der Spieler in den letzten fünf Jahren. Die Bebbi liegen mit diesem Wert europaweit auf dem 50. Platz.

Was dabei auf der Strecke bleibt: Kontinuität. Slavisa Jokanovic ist der zehnte Trainer in der fünfjährigen Ära Degen. Dass es der FCB-Führung an Geduld fehlt, hat Smiljanic am eigenen Leib erfahren. Nach einem 3:0-Sieg (!) gegen Lausanne im Februar 2022 bringt Degen die FCB-Garderobe derart zum Wackeln, dass der damalige Assistenztrainer von Patrick Rahmen den Bettel hinschmeisst.

Auf die Frage, ob der Basler Führung die Geduld fehle, antwortet Smiljanic: «Das würde ich nicht sagen. Das Problem ist eher der Auswahlprozess bei der Trainersuche.» Statt auf einen Coach zu setzen, der die Liga und den Schweizer Fussball kennt, packen die Bebbi nicht selten Übungsleiter aus, die die Super League, wenn überhaupt, nur vom TV kennen.

Auch GC hat mit Olaf Janssen einen Trainer, der zwar über viel Erfahrung verfügt, aber bislang bloss in der zweiten und dritten Bundesliga gearbeitet hat. Smiljanic selbst wurde von den Hoppers nicht kontaktiert, obwohl er über die Uefa-Pro-Lizenz verfügt und von 2012 bis 2017 im GC-Nachwuchs tätig war.

Via Schaffhausen und Basel landet er beim FC Aarau, wo er im Mai 2023 seinen Posten erneut freiwillig räumt. Seither ist der 50-Jährige auf Vereinssuche. Wohl wissend, dass er nicht mehr allzu lange warten darf. «Irgendwann ist der Zug abgefahren», sagt Smiljanic. Unterverkaufen aber möchte sich die Fussballlegende nicht: «Einen kleineren Zuschauerschnitt als Aarau tue ich mir nicht an.»

Weils mehr Spass macht, vor vollen Rängen zu arbeiten. Wie damals im Mai 2003 im ausverkauften Hardturm vor 18'000 Fans.

Noch näher dran an deinem Klub

Nutze das Feature «Follow My Team» für Fussball- und Eishockey-Fans. Folge deinem Lieblingsverein ganz egal ob Super League oder National League – oder etwa auch bei den Nationalteams und in den internationalen Top-Ligen. So erhältst du personalisierte Inhalte, jedes Spiel live aufs Handy und verpasst keine Story mehr. Jetzt followen!

Nutze das Feature «Follow My Team» für Fussball- und Eishockey-Fans. Folge deinem Lieblingsverein ganz egal ob Super League oder National League – oder etwa auch bei den Nationalteams und in den internationalen Top-Ligen. So erhältst du personalisierte Inhalte, jedes Spiel live aufs Handy und verpasst keine Story mehr. Jetzt followen!

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
10
24
28
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
11
17
25
3
FC Sion
FC Sion
10
6
19
4
FC Zürich
FC Zürich
11
-3
17
5
Servette FC
Servette FC
11
2
16
6
FC St. Gallen
FC St. Gallen
11
-4
16
7
FC Basel
FC Basel
10
-3
13
8
FC Luzern
FC Luzern
11
-6
12
9
FC Thun
FC Thun
10
-10
10
10
FC Vaduz
FC Vaduz
11
-1
9
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
10
-13
8
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
10
-9
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen