Blut, Traumtore und Experimente
Die Nati startet spektakulär ins WM-Jahr

Viel Spektakel und sieben Tore im Basler Joggeli: Die Schweizer Nati verliert zum Auftakt ins WM-Jahr 3:4 gegen Deutschland.
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Die Schweizer Nati verliert das Testspiel gegen Deutschland 3:4.
Foto: Toto Marti

Das Spiel

Wilder Ritt zum Auftakt ins WM-Jahr! Die Nati geht gegen Deutschland zweimal in Führung – und verliert dennoch. Es ist die erste Niederlage gegen den grossen Nachbarn seit 18 Jahren. Zuletzt gab es drei Unentschieden und den 5:3-Sieg im Jahr 2012.

Schon die erste Halbzeit im ausverkauften St. Jakob-Park ist ein Spektakel. Nati-Coach Murat Yakin stellt eine Elf um Captain Granit Xhaka auf den Rasen, die jener der Endrunde im Juni in Amerika nahe kommen könnte. Trotzdem gerät die Schweiz gegen Deutschland stark unter Druck. Die Nati wird zeitweise eingeschnürt, löst sich aber aus der Umklammerung und geht durch die kaltblütigen Ndoye und Embolo zweimal in Führung. Deutschland gleicht zweimal aus. So stehts zur Halbzeit 2:2.

Nun beginnt die Zeit der Experimente. Yakin hat sich schon darauf gefreut: Neu dürfen bis zu elf Spieler eingewechselt werden. Von der neuen Möglichkeit macht Yakin Gebrauch, zur Pause kommen vier Neue.

Trotz Experimentierphase: Das muntere Toreschiessen geht weiter. Nun ist DFB-Star Wirtz zweimal an der Reihe. Sein Treffer zum 3:2 ist ein Traumtor. Der Liverpool-Spieler läuft zur Höchstform auf, in der ersten Halbzeit hat er schon beide Treffer vorbereitet. Einen Akzent setzen die frischen Yakin-Joker: YB-Stürmer Monteiro erzielt das zwischenzeitliche 3:3. Aber zu diesem Zeitpunkt hat Wirtz das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Die Tore

17. Minute, Dan Ndoye, 1:0. Freuler erobert im Zentrum den Ball, den Xhaka auf die linke Seite zu Ndoye weiterleitet. Dieser geniesst viele Freiheiten und probiert es deshalb auf eigene Faust. Und macht damit alles richtig: Mit einem wuchtigen Geschoss in die nahe Ecke überrascht er Baumann und trifft zur Schweizer Führung.

26. Minute, Jonathan Tah, 1:1. Nach einem kurz ausgeführten Eckball schlägt Wirtz eine hohe Flanke an den zweiten Pfosten, wo Widmer Tah etwas zu viel Freiraum gewährt. Der deutsche Verteidiger köpfelt den Ball ins Tor – Kobel wird in der nahen Ecke erwischt.

41. Minute, Breel Embolo, 2:1. Wieder steht Freuler mit einer Balleroberung im Mittelfeld am Ursprung eines Schweizer Tors. Über mehrere Stationen kommt der Ball zu Widmer, der unbedrängt eine perfekte Flanke vor das Tor schlägt. Dort gewinnt Embolo das Duell gegen Tah und bringt den Ball mit einem wuchtigen Flugkopfball zum 2:1 im Tor unter. (OK)

45.+2 Minute, Serge Gnabry, 2:2. Praktisch mit dem Pausenpfiff kassiert die Schweiz den Ausgleich. Wirtz schickt Gnabry mit einem perfekt getimten Zuspiel in die Gasse. Alleine vor dem Tor wählt dieser einen Lupfer über Kobel und trifft so zum 2:2.

61. Minute, Florian Wirtz, 2:3. Wirtz wird nach einem kurz ausgeführten Eckball angespielt. Sein Schlenzer aus grosser Distanz schlägt präzise via Lattenunterkante im Schweizer Tor ein. Kobel ist ohne Abwehrchance.

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Er lässt das Joggeli staunen:Traumtor! Wirtz-Hammer sorgt für die Führung

79. Minute, Jöel Monteiro, 3:3. Der Joker sticht: Monteiro wird an der Strafraumgrenze angespielt – und packt dann den Hammer aus. Mit viel Wucht versenkt er den Ball in der oberen rechten Torecke. Auch das ist ein Traumtor.

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Yakin-Joker sticht:Monteiro gleicht traumhaft für die Schweiz aus

85. Minute, Florian Wirtz, 3:4. Die Schweiz ist in der Defensive nicht gut organisiert – der eingewechselte Gross kann schalten und walten, wie er will. So findet er den freistehenden Wirtz. Und dieser legt nach seinem Traumtor zum 3:2 nochmals nach: Überlegt schlenzt er den Ball am chancenlosen Kobel vorbei.

Der Beste

Florian Wirtz. Zwei Traumtore, zwei Vorlagen, unzählige geniale Pässe. Dem Liverpool-Zauberfuss bei der Arbeit zuzuschauen, ist ein Genuss.

Der Schlechteste

Johan Manzambi. Pennt beim Eckball vor dem 2:3 und verpasst selbst die beste Schweizer Chance der zweiten Halbzeit. Hat zudem Glück, dass er nicht wegen einer Tätlichkeit vom Platz fliegt.

Das gab zu reden

Dank der neuen Regelung sind in internationalen Testspielen neu bis zu elf Wechsel möglich. Eine Änderung, die sich Murat Yakin schon länger gewünscht hat. Schon zur Pause bringt er mit Zakaria, Jashari, Manzambi und Muheim vier frische Spieler. Nach einer Stunde legt er mit Sanches, Monteiro und Amenda drei weitere Wechsel nach. Eine Viertelstunde vor Schluss folgen schliesslich mit Aebischer, Cömert und Sierro Joker acht, neun und zehn.

Die Schiris

Schiedsrichter Chris Kavanagh übersieht 20 Minuten vor Schluss einen Ellbogenschlag von Manzambi gegen Kimmich. Aus welchen Gründen auch immer, schaltet sich auch der VAR nicht ein. Viel Dusel für das Nati-Juwel! SRF-Kommentator Sascha Ruefer ist ausser sich: «Das ist maximal unfair. Ich weiss nicht, was ihn da geritten hat. Das war eine scheiss Tätlichkeit!»

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Ellbogenschlag gegen Kimmich:Müsste Manzambi hier vom Platz fliegen?

Die Fans

34'316 Fans – davon auch viele aus Deutschland – verfolgen das Nachbarschaftsduell im ausverkauften Joggeli. Stimmungstechnisch hat die Nati allerdings schon deutlich bessere Heimspiele erlebt.

So gehts weiter

Am Dienstag steht für die Nati um 18 Uhr gegen Norwegen in Oslo das letzte Testspiel des März-Zusammenzugs an. Danach geht es für die Schweiz erst am 31. Mai (15 Uhr) mit dem Test gegen Jordanien im Kybunpark in St. Gallen weiter, bevor sie am 13. Juni das erste WM-Spiel gegen Katar in den USA bestreitet.

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