Nati-Legenden erklären
So schlägt man Italien

Gewinnen wir am Freitag in Rom gegen Italien sind wir quasi fix an der WM. Ein Sieg gegen die Azzurri? Selten. Deshalb auch selten schön. Italien-Bezwinger erinnern sich an 1982 und 1993.
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Schweizer Jubel im Wankdorf vor 32'000 Fans! Marc Hottiger trifft 1993 zum 1:0-Sieg gegen Italien.
Foto: Keystone
Michael Wegmann

Die Ausgangslage im Rennen um Platz 1 und die direkte Qualifikation für die WM in Katar ist klar: Gewinnt die Nati am Freitag in Rom, sind wir quasi fix an der WM in Katar. Dann würde im letzten Spiel gegen Bulgarien zu Hause in Luzern gar ein Unentschieden reichen. «Wir haben eine realistische Chance, diesen kleinen Final zu gewinnen», sagt Nati-Trainer Murat Yakin. «Wir brauchen einen Sieg. Wir sind gut drauf, so viel kann ich versprechen.»

Nur: Gut drauf sein reicht normalerweise nicht, um die Azzurri zu besiegen. In den bisher 60 offiziellen Länderspielen gegen den vierfachen Weltmeister und zweifachen Europameister setzte es 29 mehr oder weniger «ehrenvolle» Niederlagen ab. 23 Mal spielte man Remis. Gewonnen wurden nur acht Direktduelle. Sechs davon jedoch in grauer Vorzeit: An der WM 1954 und davor.

Italien schlagen? Statistisch unwahrscheinlich. Doch wir orientieren uns lieber an einem berühmten Werbeslogan aus den 80ern: «Nichts ist unmöglich!»

Mit dem päpstlichen Segen zum Sieg

Bewiesen am 27. Oktober 1982. Die Nati gewinnt im Stadio Olimpico in Rom gegen die Squadra Azzurra 1:0. Es ist der erste Auftritt der frischgebackenen Weltmeister Zoff, Rossi, Tardelli, Conti und Co. Das Team von Trainer Paul Wolfisberg (†2020) macht den Party-Crasher. Sieg-Torschütze Ruedi Elsener erinnert sich. «Es war schwül und heiss. Wir haben noch über Mittag einen Spaziergang gemacht, meine Beine waren so schwer wie Klostersäulen. So richtig ernst genommen haben sie uns aber nicht. Als wir einlaufen wollten, mussten wir im Spielertunnel über aufgestapelte Sporttaschen steigen. Die Italiener haben damit ein Netz gebaut und ein wenig Fussballtennis gespielt.»

Sein Tor? Ein Gedicht. Nach einem Doppelpass mit Claudio Sulser lupft «Turbo-Ruedi» den Ball über Goalie Gordon ins Netz. «Auf dieses Tor gegen den Weltmeister werde ich noch heute angesprochen», sagt Elsener.

Vielleicht hilft damals aber auch der Papst unserer Nati zum Coup? Zwei Tage vor Anpfiff hat Papst Johannes Paul II. die italienischen Weltmeister zur Privataudienz im Vatikan empfangen. Als einziger Schweizer unter den fünf geladenen Medienvertretern ist Blick-Journalist Knut Bobzien dabei. «Ich durfte sogar fünf Minuten mit dem Papst allein sein. Er verabschiedete sich mit den Worten: Grüssen Sie mir Ihre Mannschaft. Ich wünsche ihr gegen Italien alles Gute.»

«Wir waren für die Italiener immer die Petits Suisses»

Bei der Ankunft der Nati-Spieler vor deren Hotel und richtet der mittlerweile 86-jährige Bobzien die «heiligen Glückwünsche» aus. Bobzien: «Es hat gewirkt. Das 1:0 im Stadio Olimpico ist bis heute der einzige Sieg auf italienischem Boden!» Es war auch die erste Heimpleite Italiens seit über elf Jahren.

Andy Egli (63) spielt damals durch. An die Partie kann er sich aber kaum mehr erinnern. Grundsätzlich stützt er aber Elseners Einschätzung, dass man vom Weltmeister nicht ganz ernst genommen wurde. Er sagt: «Grundsätzlich versuchten die Italiener gegen uns immer, mit möglichst wenig Energieverlust durchs Spiel zu kommen. Wir waren die ‹Petits Suisses›. 1982 wurden sie für einmal dafür bestraft.»

Haben die «Wölfe» wegen der päpstlichen Glückwünsche gewonnen? Oder wegen der Überheblichkeit beim frischgebackenen Weltmeister? Egal. Ein Sieg gegen Italien in Rom bleibt ein Sieg gegen Italien in Rom. Er zeigt: Nichts ist unmöglich, auch wenns nur ein Test war.

Hottiger: Das Tor seines Lebens

Alles andere als ein Test ist das Duell am Samstag, den 1. Mai 1993 im Berner Wankdorf. Es ist das vorentscheidende Duell um die direkte Qualifikation für die WM in den USA. Volles Haus und das Team von Trainer Roy Hodgson schiesst Italien mit Superstars wie Roberto Baggio, Franco Baresi oder den heutigen Azzurri-Trainer Roberto Mancini aus dem Stadion. Aussenverteidiger Marc Hottiger wird mit seinem Siegtor zum Mann des Spiels. Er erinnert sich, als wärs gestern gewesen: «Erst die Flanke von Ohrel, dann Alain Sutter mit einem seiner typischen Wunderpässe, der Ball fliegt vor meine Füsse, und ich treffe volley mit links. Ich habe nichts studiert, einfach draufgehalten. Und dann? Euphorie pur!»

«Das dürfte das Tor seines Lebens gewesen sein», sagt der damalige Regisseur Georges Bregy und lacht, «so viele hat er ja nicht erzielt.» 5 sinds in 64 Länderspielen. Bregy weiter: «Es war die Krönung einer starken Leistung vor tollen Fans. Dass die Italiener bereits vor der Pause in Unterzahl spielen mussten, hat uns aber sicher geholfen.»

Egli sitzt beim Sieg im Wankdorf verletzt auf der Tribüne. «Die Party war gigantisch. Das wird es so kaum mehr geben. Alle wussten, dass mit diesem Sieg die Türe für USA 1994 weit aufgestossen wurde. Nach 28 Jahren WM-Absenz.»

Der Sieg gegen Italien, die Qualifikation für die WM. Es ist der Startschuss einer selbstbewussten Nationalmannschaft. «Damals haben wir uns den Spitzenteams angenähert, nun gehören wir zur erweiterten Weltspitze», sagt Egli, der als Einziger sowohl beim Sieg 1993 wie auch schon 1982 als Spieler dabei war.

Hottiger, Bregy und Co. kicken noch immer für die Nati

Die Italien-Bezwinger von 1982 und 1993 sehen sich noch regelmässig. Aus den «Petits Suisses» der 80er- und 90er-Jahre sind längst die «Suisse Legends» geworden. Die offizielle Nati der Alt-Internationalen.

Kürzlich spielen sie gegen eine Auswahl des FC Chur 97. Von den Italien-Helden stehen die beiden Sieg-Torschützen Hottiger und Elsener auf dem Platz, so wie auch Bregy, Maissen und Egli. Elsener, mittlerweile 68, belässt es jeweils bei einem Kurzeinsatz. Hottiger, schlank und rank fast noch wie als Aktiver, pflügt auch mit 53 noch die Linie rauf und runter.

Und wie gehts am Freitag aus? All die Ex-Stars drücken ihren Nachfolgern Sommer, Shaq und Co. die Daumen. Hottiger hofft, dass er nach dem Spiel in Rom nicht mehr der letzte Sieg-Torschütze gegen Italien sein wird. «Ich traue der Nati zu, dass sie gewinnt. Sie hat Qualität und Selbstvertrauen.»

Sein ehemaliger Nati-Kumpel Egli ist um einiges zurückhaltender. «Dass wir in Rom gewinnen, ist unwahrscheinlich. Italien bleibt Italien.»

Unwahrscheinlich ja. Aber nicht unmöglich.

WM-Qualifikation 1994, Gruppe 1

Schweiz-Italien 1:0 (0:0)

1. Mai 1993, 20.15 Uhr. - Stadion Wankdorf, Bern. - 32 000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Navarrete (Sp). - Tor: 55. Hottiger 1:0.

Schweiz: Pascolo; Hottiger, Geiger, Herr, Quentin; Ohrel, Bregy, Sforza, Alain Sutter; Knup (76. Grassi), Chapuisat. - Nationaltrainer: Roy Hodgson.

Italien: Pagliuca; Baresi; Mannini, Vierchowod, Maldini; Fuser, Dino Baggio, Zoratto (64. Lentini), Mancini (46. Di Mauro), Signori; Roberto Baggio, Mancini.

Bemerkungen: Platzverweis: 44. Dino Baggio (grobes Foul gegen Sforza). - Verwarnungen: 7. Zoratto, 15. Hottiger, 73. Fuser, 81. Ohrel (alle Foul). - Der Schweizer Sieg war der erste gegen Italien seit dem 23. Juni 1954 bei der WM im eigenen Land.

Testspiel

Italien-Schweiz 0:1 (0:0)

27. Oktober 1982, 20.30 Uhr. - Stadio Olimpico, Rom. - 28 666 Zuschauer. - SR Coelho (Bra). - Tor: 54. Elsener 0:1.

Italien: Zoff (46. Bordon); Scirea; Gentile, Collovati (85. Bergomi),Cabrini; Conti, Tardelli (46. Dossena), Antognoni, Marini (85. Causio); Rossi (31. Altobelli), Graziani.

Schweiz: Burgener; Geiger; Lüdi, Egli, Heinz Hermann; Wehrli, Favre, Decastel; Sulser, Ponte, Elsener (57. Braschler). - Nationaltrainer: Paul Wolfisberg.

Bemerkungen: Im 400. Länderspiel seiner Geschichte erleidet Italien die erste Heimniederlage nach elf Jahren. Es ist der erste Schweiz Sieg auf italienischem Boden.

Noch näher dran an der Schweizer Nati

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WM 2026 Gruppe A
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Südafrika
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Tschechien
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Kanada
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Bosnien und Herzegowina
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Katar
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Marokko
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Türkei
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