Ganz Italien schwärmt von Alessandro Romano (20). Sein Entscheid für die Squadra Azzurra schlägt hohe Wellen. Vergleiche haben derzeit Hochkonjunktur – selbst unter seinen Mitspielern. Davide Frattesi (27) sagt, der Zürcher erinnere ihn an Nemanja Matic. Doch auch andere Topspieler wurden bereits als Vergleich herangezogen.
Nun steht Romano vor seinem Startelfdebüt für Italien. Gegen Belgien dürfte er an der Seite von Sandro Tonali (26) und Nicolò Barella (29) im Stadio Olimpico die Fäden im Mittelfeld ziehen. Gut möglich, dass auch einige SFV-Verantwortliche seinen ersten Auftritt im italienischen Nationaltrikot vor dem Bildschirm verfolgen werden.
«Bin ich enttäuscht? Ja»
Alex Frei (47) wird die Partie während der Liveübertragung allerdings nicht schauen. Der Nati-Rekordtorschütze und heutige Trainer steht praktisch zeitgleich mit der U21 im Einsatz. Vor dem Luxemburg-Spiel hat er es sich trotzdem nicht nehmen lassen, über Romanos Entscheidung zu sprechen.
«Bin ich enttäuscht? Ja. Verstehe ich es? Ja, auch teilweise. Weil Italien vier Sterne auf dem Trikot hat und nicht null. Zudem herrscht in diesem Land eine andere Fussballkultur. Das einmal zu erleben, muss ich sagen: ‹Okay, probier es aus.›»
Frei plante mit Romano
Ganz überraschend kam Romanos Entscheid für Frei nicht. «Am Ende dürfen wir eines nicht vergessen: Als Romano geboren wurde, schlief er im Trikot der Squadra Azzurra – nicht im Schweizer Trikot.» Ob das tatsächlich so war, ist nicht überliefert. Klar ist dagegen: Romano durchlief sämtliche Nachwuchsstufen der Schweiz. Zudem wurde er vor allem zu Beginn seiner Zeit in Italien und bis im Sommer 2025 vom SFV mit dem Footuro-Programm unterstützt und begleitet.
Wie Blick weiss, kümmerte man sich beim Verband seither allerdings nur noch unregelmässig um Romano. Entsprechend klappte der Übergang von der U20 zur U21 nicht wie gewünscht. Auch Frei setzte für seinen ersten Kader im März andere Prioritäten: Statt Romano, der zu diesem Zeitpunkt bereits Stammspieler in der italienischen Serie B war, bot er Spieler aus der Challenge League auf.
Frei betont, dass er dennoch einen klaren Plan mit dem Mittelfeldspieler gehabt habe. «Ab diesem Zusammenzug wollte ich ihn so integrieren, dass er ein fixer Bestandteil in der ersten Elf ist.»
Frei war auf Sardinien
Doch Romanos Entwicklung nahm noch einmal deutlich an Fahrt auf. Bei Cagliari erkämpfte er sich auf Anhieb einen Stammplatz. Frei habe den Kontakt mit dem Youngster trotzdem nie abreissen lassen. «Ich war immer mit ihm in Kontakt. Ich war auch auf Sardinien in den Ferien und wollte ihn im Hotel treffen, wo Cagliari jeweils logiert. Das hat aber leider nicht geklappt.»
Der Rest ist Geschichte. Romano entschied sich für Italien und steht nun vor seinem Debüt. RSI wirft nun aber die Frage auf, ob der Mittelfeldspieler dem SFV Geld schuldet. Konkret geht es darum, ob er die zusätzlichen Kosten zurückzahlen muss, die durch seine Teilnahme am Footuro-Programm entstanden sind. Die Rede ist von rund 100'000 Franken. Ob Romano diesen Betrag tatsächlich bezahlen muss, hat der SFV bislang allerdings nicht bestätigt.
Frei stellt sich derweil eine komplett andere Frage. Und zwar, wie es für Romano nach den Nations-League-Partien bei Italien weitergeht. «Bleibt er ständig dabei oder wie lange muss er danach auf seine nächsten Aufgebote warten? Bei der Schweiz wäre er sofort integriert worden und hätte regelmässig seine Chancen bekommen.» Ob dem so ist, steht in den Sternen. Letztlich kommt es wie immer auf seine Leistungen drauf an. Daran ändert die Farbe des Nationaltrikots nichts.
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