Darum gehts
- Granit Xhaka bleibt unverkäuflich für Sunderland, sagt Klub-Boss Louis-Dreyfus
- Sunderland überraschte 2025 als Aufsteiger mit Europacup-Qualifikation und Top-7-Platz
- Sunderlands Marktwert: 380 Mio. Euro, nur Platz 16 im Premier-League-Ranking
Das bittere WM-Viertelfinal-Out gegen Lionel Messi und Co. ist längst aufgearbeitet. Granit Xhaka ist zurück im geliebten Wettkampfmodus: Er spricht von «Hunger, harter Arbeit, Ehrgeiz». Unmittelbar vor seiner 260. Partie in der Premier League nimmt sich der Schweizer Rekord-Nationalspieler Zeit, ein paar wichtige Sunderland-Passagen einzuordnen.
Die Chelsea-Avance und die Boss-Etikette
Während des WM-Sommers keimten im Camp der Schweizer plötzlich wilde Spekulationen um die Klub-Zukunft Xhakas auf. Sein geschätzter Ex-Coach Xabi Alonso wollte den Skipper unbedingt nach London zu Chelsea lotsen. Als die erste Offerte der Blues auf den Tisch flattert, klemmt der Klub-Boss Kyril Louis-Dreyfus sofort ab; weitere Diskussionen erübrigen sich. Für ihn ist Xhaka weit mehr als Sunderlands Königs-Transfer und Gesicht des letzten Sommers, für den Schweizer Boss ist der Nati-Captain unverkäuflich.
«Ich spüre extreme Wertschätzung. Das weiss Kyril als Besitzer, das weiss Florent als Sportdirektor, das weiss der Trainer Régis, das weiss die ganze Mannschaft. Ich habe mich von Tag 1 an sehr, sehr wohlgefühlt mit meiner Familie. Ich fühle mich in Sunderland zu Hause. Ich mag die Leute, ich mag die Arbeitermentalität, weil ich so gross geworden bin, weil ich so erzogen worden bin. Wenn man vom Besitzer selber hört, dass ein Spieler auch mit bald 34 unverkäuflich sei, zeigt mir das sehr viel. Ich möchte den Leuten, der Stadt, dem Verein etwas zurückgeben. Das wird in dieser Saison nicht anders sein.»
Die falschen Prognosen der Experten
Nahezu jeder Experte und die Wettanbieter haben Sunderland vor Jahresfrist falsch platziert und dem Aufsteiger eine sofortige Zurückstufung prophezeit. Die Nordengländer haben die Pessimisten einer Top-7-Klassierung grandios widerlegt. Schwergewichte wie Chelsea, Newcastle und Tottenham konnten mit den Black Cats nicht mithalten. BBC hat hinterher eine spannende Analyse veröffentlicht: Im Bereich der zu erwartenden Plus- und Gegentore wies Sunderland Kennzahlen eines möglichen Absteigers aus. Wohl auch deshalb wertet der Klub-Hauptdarsteller Granit Xhaka die letzte Spielzeit als Sensation.
«Die ganze Saison bis zum letzten Spieltag sind wir als Underdog aufgetreten. Wir wurden als Absteiger gehandelt und haben stattdessen etwas erreicht, womit kein Mensch gerechnet hat – ausser wir selber, die Mannschaft, der Klub. Je später wir auf die Tabelle geschaut haben, desto interessanter wurde es für uns. Vor den letzten vier, fünf Spieltagen spürten wir alle: Wir sind in der Lage, etwas ganz Grosses zu schaffen. Dass wir auf den europäischen Plätzen gelandet sind, ist für mich eine Sensation!»
Im Money-Ranking nur auf Platz 16
Die grosse Frage wird sein: Schaffen die Über-Performer, die beeindruckende Flughöhe zu halten? Die Zweifel der englischen Beobachter haben sich trotz überragender Ergebnisse nicht verflüchtigt. Die medialen Analysten listen mehrere Beispiele auf, weshalb die zweite Saison nach der Promotion heikel verlaufen könnte. Im Money-Ranking wird Sunderland mit 380 Millionen Marktwert derzeit lediglich auf Position 16 eingestuft.
«Wir müssen bodenständig bleiben und sollten nicht vergessen, woher wir kommen. Mit Arbeit, mit Ehrgeiz, mit Hunger, mit dem Willen und vor allem mit dem Glauben. Wenn man daran glaubt und weiterhin hart miteinander arbeitet, ist vieles möglich.»
Der Saisonstart für Granit Xhakas Sunderland geht schief. Auswärts beim Aufsteiger Ipswich Town müssen sich die Nordengländer spät geschlagen geben. Der eingewechselte Jack Clarke trifft in der 90. Minute zum vielumjubelten 2:1 für die Hausherren.
Bereits in der ersten Halbzeit gerät Sunderland erstmals in Rücklage, weil Luke O’Nien Ipswich mit einem Fehlpass zum Konter einlädt. Julio Enciso kann losziehen und den Torschützen Emerson nach einem Sprint über 50 Meter perfekt bedienen. Der Ausgleich für ein zwar dominantes, aber offensiv über weite Strecken nicht durchschlagskräftiges Sunderland erzielt Nilson Angulo mit einem perfekt getretenen Freistoss aus rund 20 Metern.
Dass es am Ende nicht zum Unentschieden reicht, liegt an Ex-FCB-Verteidiger Omar Alderete, der den Ipswich-Siegtreffer mit einem katastrophalen Fehlpass in die Richtung von Xhaka einleitet. Der Nati-Captain spielt im Sunderland-Mittelfeld gewohnt solide, bringt 68 seiner 72 Pässe an seine Mitspieler.
Der Saisonstart für Granit Xhakas Sunderland geht schief. Auswärts beim Aufsteiger Ipswich Town müssen sich die Nordengländer spät geschlagen geben. Der eingewechselte Jack Clarke trifft in der 90. Minute zum vielumjubelten 2:1 für die Hausherren.
Bereits in der ersten Halbzeit gerät Sunderland erstmals in Rücklage, weil Luke O’Nien Ipswich mit einem Fehlpass zum Konter einlädt. Julio Enciso kann losziehen und den Torschützen Emerson nach einem Sprint über 50 Meter perfekt bedienen. Der Ausgleich für ein zwar dominantes, aber offensiv über weite Strecken nicht durchschlagskräftiges Sunderland erzielt Nilson Angulo mit einem perfekt getretenen Freistoss aus rund 20 Metern.
Dass es am Ende nicht zum Unentschieden reicht, liegt an Ex-FCB-Verteidiger Omar Alderete, der den Ipswich-Siegtreffer mit einem katastrophalen Fehlpass in die Richtung von Xhaka einleitet. Der Nati-Captain spielt im Sunderland-Mittelfeld gewohnt solide, bringt 68 seiner 72 Pässe an seine Mitspieler.
Eine schöne Xhaka-Ansage
Monate nach der ersten Europacup-Qualifikation seit 1973 ist beim Sunderland Association Football Club eine überaus euphorische Ambiance auszumachen. Mehrere Tausend Fans begleiteten die Equipe an ein Testspiel in Lens. «Das war nur der Anfang. Wir wollen mehr.» Die Ansage Xhakas beim rauschenden Saisonschluss-Fest haben die Supporter selbstredend nicht vergessen.
«Ich bin ein Fan davon, den Anhängern Respekt und Wertschätzung zurückzugeben. Die Unterstützung in der letzten Saison für den Klub, für den Präsidenten, den Trainer, den Staff und die Spieler war gigantisch. Da wollte ich den Fans einfach sagen: Augen auf, das war nur der Anfang. Wir wollen mehr. Da steigt der Hunger. Entsprechend wollen wir beweisen, dass wir den Erfolg auch verdient haben.»
Lob für den Wenger-Bewunderer Le Bris
Neben den Protagonisten auf dem Rasen zieht ein smarter Taktgeber an der Linie die Fäden: Régis Le Bris (50). Der französische Coach mit einem beeindruckenden Background als Förderer im Jugendbereich hat nach zwei turbulenten Jahren und einem Abstieg mit Lorient ohne Verzögerung Spuren hinterlassen. Der diplomierte Fussball-Wissenschaftler hat umgesetzt, was sein Vorbild Arsène Wenger jahrzehntelang schaffte: Er hat seiner Equipe zu einer DNA verholfen.
«Ein Wort genügt nicht, ihn zu beschreiben. Er bekommt von mir den grössten Respekt dafür, was er mit dieser Mannschaft, mit diesem Klub Tag für Tag erreicht hat, uns Tag für Tag mit Details versorgt hat. Wie viel Engagement, wie viel Arbeit dahintersteckt, wie er uns das alles übermittelt hat, ist grossartig. Wir sind echt froh, ihn bei uns zu haben. Ich hoffe, noch mehrere Jahre mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen.»
Der Bonus und die Zuversicht des Captains
Vor einem Jahr hat die Vereinsleitung nach der Promotion über 213 Millionen in frisches Personal investiert. Die aktuelle Transferperiode ist vergleichsweise ruhig verlaufen. Der Stamm ist eingespielt und bleibt zusammen. Im Kader ist der zusätzliche europäische Wettbewerb schon eingepreist. Die Reise wird ab sofort international verlaufen, wohin sie mit der Doppelbelastung im Hauptmarkt führt, ist offen. Die Entscheidungsträger und allen voran der Captain verbreiten Zuversicht.
«Was wir jetzt haben, ist die Belohnung dieser besonderen Saison. Wir haben uns das vom ersten bis zum letzten Spieltag verdient. Jetzt gilt es, bescheiden zu bleiben, wieder hart anzupacken, wieder an die Grenzen zu gehen. Und ganz wichtig, das Motto nicht zu verlieren: Schritt für Schritt, Spiel für Spiel. Gelingt uns dieser Weg, werden wir erneut eine sehr gute Saison spielen.»
O’Nien adelt Xhaka im Podcast-Studio
Sunderland mit oder ohne Xhaka sind zwei verschiedene Geschichten. Der strategische und soziale Einfluss des Mittelfeld-Leaders ist enorm. Sein Mitspieler Luke O’Nien führte im englischen Podcast «High Performance» aus, Xhaka vermittle ihm taktische Details auf einem Niveau, «das ich zuvor noch nie erlebt habe». Mit seiner mentalen Resilienz und stabilen Physis gilt er als unumstrittener Anführer der Gruppe. An eine Dosierung der Energie denkt der Kabinen- und Rasen-Chef nicht einmal im Ansatz. Mit gutem Grund: In den letzten zehn Jahren kommt Xhaka im Schnitt auf 43 Klubspiele.
«Wenn ich nicht bereit wäre, jedes Spiel zu machen, hätte ich den Schritt zurück in die Premier League niemals gemacht. Es war fast meine einzige Saison mit nur 36 Spielen. Ansonsten hatte ich während meiner ganzen Karriere eine Doppelbelastung. So, wie ich mich ernähre, wie ich schlafe, wie ich mich erhole, mache ich mir keine Sorgen. Ich werde hoffentlich auch die nächsten Jahre 40, 50 Spiele machen können im Verein.»
